TV-Poker

Handball-WM findet nicht im deutschen Fernsehen statt

Für die Füchse-Macher Hanning und Steffel ist das Scheitern der Fernseh-Verhandlungen von ARD und ZDF für die Titelkämpfe in Katar ein Drama für den Handball. „Das tut uns in der Sportart richtig weh“.

Foto: Norbert SCHMIDT / pA/

Als wäre die schwere Erkältung nicht schon unangenehm genug, ereilte Bob Hanning am Dienstagmorgen auch noch eine veritable Hiobsbotschaft: Die Handball-Weltmeisterschaft in Katar (15. Januar bis 1. Februar 2015) findet wohl unter Ausschluss der deutschen TV-Öffentlichkeit statt. ARD und ZDF haben die Verhandlungen über die Fernsehrechte für das Turnier im Wüstenstaat als gescheitert erklärt. „Das ist eine Katastrophe und tut uns in der Sportart richtig doll weh“, sagte Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) und Geschäftsführer der Füchse Berlin.

Hintergrund ist laut ARD und ZDF, dass trotz fristgemäßer Abgabe eines marktgerechten Angebots für die Rechte, die bereits im August 2014 stattgefunden hat, erst am Montag eine Rückmeldung des Rechtegebers beIN erfolgt ist, auf deren Basis jedoch keine Verhandlungen aufgenommen werden können (weil plötzlich eine Ausstrahlung über im Ausland empfangbare Satelliten verboten wurde). Knapp sechs Wochen vor WM-Beginn hat kein anderer deutscher Sender Rechte erworben. Für die großen Medienunternehmen ist es zu spät, die notwendigen Vorbereitungen für eine Großveranstaltung bis zum 15. Januar zu organisieren. Und für Nischenanbieter dürften die Kosten zu hoch sein.

Schaden für den ganzen Sport

Ein Teamsport wie Handball profitiere immer auch von einer starken Nationalmannschaft, so Hanning, „die Erfolge des DHB-Teams schaffen eine hohe Identifikation, die wiederum für den deutschen Handball und die Bundesliga von großer Bedeutung ist“. Umso dramatischer sei daher die Nicht-Übertragung. „Wir sind massiv enttäuscht und geschockt“, sagte auch DHB-Präsident Bernhard Bauer, „es ist ein Schaden für den ganzen Sport.“

Für die deutschen Handballer ist ein Turnier ohne TV-Zuschauer aus PR- und Marketingsicht eine Katastrophe. „Wenn das das letzte Wort ist, ist das ein Schlag in den Nacken“, sagt Frank Bohmann. Der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL sieht dadurch auch die Bemühungen für eine starke deutsche Nationalmannschaft torpediert. „Wenn wir keine Bilder von der WM haben, hat das auch Auswirkungen auf die Liga“, sagte Bohmann. „Wir bekennen uns zur Nationalmannschaft als Lokomotive, aber wenn das keiner sieht, werden die Bemühungen um die Nationalmannschaft unzureichend bemerkt.“

Steffel fordert kompetenten Mediator

Füchse-Präsident Frank Steffel, der als Bundestagsabgeordneter (CDU) auch dem Sportausschuss angehört, forderte: „Diese Entscheidung darf nicht das letzte Wort sein! Wenn der Gesprächsfaden zwischen der ARD, ZDF und Al Jazeera gerissen ist, brauchen wir jetzt einen kompetenten Mediator. Ich erwarte daher im Namen aller Fans, dass die Verantwortlichen sich noch einmal zusammensetzen.“ Auch sei der Weltverband gefordert: „Die Wildcard wurde mit der großen Begeisterung in Deutschland für den Handball begründet. Keine WM-Übertragung führt diese Entscheidung ad absurdum.“