Handball

Füchse Berlin verpassen Einzug ins Finale um den EHF-Pokal

Aus der Traum vom internationalen Sieg: Im Halbfinale der Final Four haben die Berliner Handballer gegen Pick Szeged mit 22:24 verloren. Am Sonntag bleibt den Füchsen das Spiel um Platz drei.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Jeder Schritt fiel ihnen schwer, als die Handballprofis der Füchse Berlin enttäuscht in die Kabine der Max-Schmeling-Halle schlichen. „Es ist unheimlich hart für uns“, sagte Rückraumspieler Konstantin Igropulo. Sein Kollege Sven-Sören Christophersen schüttelte nur den Kopf: „Es gibt Tage, da soll es einfach nicht sein.“

Dabei sollte es doch ein großer Tag für die Berliner werden. Sie wollten mit einem Sieg über den ungarischen Vertreter Pick Szeged ins Finale um den EHF-Pokal einziehen. Daheim, in der Max-Schmeling-Halle, schien alles so schön angerichtet. Aber am Ende stand ein 22:24 (9:13). Und die Erkenntnis von Geschäftsführer Bob Hanning: „Uns hat die Lockerheit gefehlt.“ Cheftrainer Dagur Sigurdsson war bedient: „Von den Torhütern über die Abwehr bis zum Angriff hat es heute nicht geklappt.“

Das, was die Berliner noch vor fünf Wochen – beim Pokalsieg gegen Flensburg – ausgezeichnet hatte, ging ihnen diesmal ab. Denn diesmal lasteten hohe Erwartungen auf ihnen. Erwartungen, denen die Berliner nicht gerecht wurden. Eine unsichtbare Last schien auf dem Rücken des Teams zu liegen. „Das war eines unserer schlechtesten Saisonspiele“, gab Igropulo zu.

Für die Berliner bleibt am Sonntag nun nur das ungeliebte Spiel um den dritten Platz (13 Uhr) gegen das Team aus Constanta in Rumänien, das dem französischen Spitzenklub Montpellier im zweiten Halbfinale mit 32:36 (14:18) unterlag. Der Turnierfavorit aus Frankreich siegte souverän und hatte in Dragan Gajic mit neun Toren seinen erfolgreichsten Spieler. Bei Constanta überragte Alexandru Csepreghi mit zehn Treffern. Nur noch Zuschauer sind die Füchse in ihrem „Fuchsbau“, wenn im Endspiel (15.35 Uhr) Ungarns Meister Szeged auf die Franzosen um den ehemaligen Kieler Weltklassetorhüter Thierry Omeyer trifft.

Vor dem Spiel waren die Zuschauer aus dem Staunen nicht herausgekommen, denn überraschend war auch Pavel Horak dabei. Eigentlich schien für den Tschechen die Saison wegen einer Knieverletzung beendet zu sein. Wunderheilung nach fünf Wochen? Auf alle Fälle stand der 31-Jährige im Kader und von Beginn an auf dem Parkett.

Immer im Rückstand

Spätestens als es nach fünf Minuten 0:3 stand, wussten die Berliner, dass es ein ganz schwerer Nachmittag werden würde. Der Unterschied zwischen den beiden Teams war riesig: Hier die Ungarn, die clever und unverkrampft kombinierten und in der Abwehr sehr kompakt standen. Bei ihnen sah alles irgendwie von Leichtigkeit geprägt aus. Auf der anderen Seite die Füchse: völlig gehemmt.

Entsprechend mussten die Berliner immer wieder Rückständen von drei Toren hinterherlaufen. 3:6 (13. Minute), 6:9 (17.) oder 9:12 (28.). Zwar erzielte Horak schnell zwei seiner insgesamt vier Tore, aber ansonsten fehlte bei den Füchsen die Entschlossenheit. Immer wieder leistete man sich technische Fehler, überhastete Würfe und Unaufmerksamkeiten. „Wir hatten ja genügend Chancen, aber wir haben viel zu viele vergeben“, sagte Christophersen.

Zudem konnte Silvio Heinevetter (im Vergleich zu seinem ungarischen Kollegen Roland Mikler) im Tor nicht mit spektakulären Paraden glänzen. Typisch auch, dass man die einzige Zweiminutenstrafe gegen die Ungarn vor der Pause zu keinem Treffer nutzen konnte.

Auch routinierte Spieler standen völlig neben sich

Es war den Berlinern anzumerken, dass es jeder besonders gut machen wollte. Aber es lief einfach wenig zusammen, auch Horaks Rückkehr brachte nicht die erhoffte Wirkung. Im Rückraum zeigte nur Bartlomiej Jaszka (mit sechs Toren bester Werfer gemeinsam mit Matthias Zachrisson) ab und an Durchschlagskraft. „Die Etablierten waren heute nicht richtig auf der Platte“, kritisierte Hanning. Auch ein routinierter Spieler wie Igropulo, zuletzt eigentlich immer in Topform, stand an diesem Tag der Tage völlig neben sich. Das Team war im Vergleich zu den vergangenen Wochen überhaupt nicht wiederzuerkennen. Sigurdsson stand mit fassungsloser Miene an der Außenlinie.

Kurze Hoffnung kam bei den Zuschauern auf, als Zachrisson nach 25 Minuten auf 9:10 verkürzte. Doch sofort ging der Ball wieder verloren – und die starken Ungarn drehten noch einmal auf. Mit vier Treffern Differenz (9:13) ging es in die Halbzeit. Es waren nur die 130 Fans aus Szeged zu hören, bei den Berliner Fans unter den 7918 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Halle herrschte eher Schockstarre.

Die sich auch nach dem Wechsel nicht so richtig lösen wollte. Immer wieder schlugen die Fans die Hände vors Gesicht, wenn die Füchse an ihrem Unvermögen bei Fehlpässen und Fehlwürfen oder an Mikler scheiterten. Die Ungarn hingegen fühlten sich richtig wohl. Sie spielten ruhig und verwerteten ihre Torchancen – 13:16 (41.). „Eiskalt“ wären sie gewesen, zollte Hanning Respekt.

Abwehr nicht konsequent genug

Aber die Füchse kämpften mit dem Mute der Verzweiflung. Der eingewechselte Torwart Petr Stochl hielt einige schwierige Bälle. Würde das doch noch einen Schub bei seinen Mitspielern auslösen? Als Fabian Wiede auf 16:17 (48.) verkürzte, waren auch die Fans wieder voll dabei. Noch war nichts verloren. Doch Szeged fand gegen die nicht konsequent genug agierende Füchse-Abwehr immer die entsprechende Antwort.

„Vielleicht wäre es die Initialzündung gewesen, wenn wir mal den Ausgleich geschafft hätten“, sagte Christophersen. Die kompletten 60 Minuten liefen die Berliner einem Rückstand hinterher. „Und wenn wir mal dran waren, dann haben wir die Big points nicht gemacht“, so der Nationalspieler. Der große Traum der Füchse ist geplatzt. Christophersen sprach das Schlusswort: „Wir müssen das schweren Herzens akzeptieren.“