Nein, ans Aufgeben hat Sven-Sören Christophersen nie gedacht. „Aber es ist doch logisch, dass man mal frustriert ist, weil sich die Fortschritte viel zu langsam einstellen“, sagt der Rückraumspieler von den Füchsen Berlin. Immer wieder dieses Reinhören in den eigenen Körper: Was macht das verletzte Knie? Kann ich schon etwas mehr belasten? Kehren die Beschwerden zurück? Als tägliche Wegbegleiter haben den Handball-Nationalspieler diese Fragen verfolgt. Monatelang.
Geduld war gefragt, aber wer hat die schon? Christophersen nennt sich selbst einen „Kopfmenschen“. Er ist also einer, der schon mal grübelt und sich viele Gedanken macht. Man glaubt die Befreiung in seiner Stimme zu hören, wenn der 29-Jährige davon erzählt, wie er nach vier Monaten Zwangspause vor einer Woche im Spiel beim TV Emsdetten nach 15 Minuten eingewechselt wurde. Rückkehr nach einer Leidenszeit, die er gleich mit zwei Toren krönte. „Und das Wichtigste ist“, so Christophersen, „dass anschließend mein Knie nicht rebelliert hat.“
Am Sonntag gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke
Einem Einsatz am Sonntag im Bundesligaspiel gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke (Max-Schmeling-Halle, 17.15 Uhr, bereits um 14.45 Uhr spielt die A-Jugend gegen Essen) steht also nichts im Weg. „Ich will von Spiel zu Spiel besser reinkommen, um dem Team jetzt wenigstens noch helfen zu können“, setzt er sich als Ziel. Einen großen Anteil am erfolgreichen Abschneiden (Platz fünf in der Liga, Pokalsieg, Erreichen des Final Four um den EHF-Pokal) seiner Mannschaft habe er ja bisher nicht gehabt.
Am 11. Juni 2013 hatte er sich einer Operation am linken Knie (Patellasehne) unterzogen. Alle waren optimistisch, dass er zum Saisonbeginn Ende August wieder einsatzbereit sein würde. Doch es dauerte einige Wochen länger. Kurz vor Weihnachten war dann allerdings schon wieder Schluss, weil das operierte Knie permanent Beschwerden bereitete. Damals war klar: Es wird so lange behandelt und gewartet, bis das Knie wirklich wieder voll belastbar ist.
Nicht noch einmal wollte er den Fehler machen, nach einer Verletzung zu früh zu viel zu wollen. So wie im Januar 2013, als er – kaum eine Verletzung am rechten Knie überstanden – unbedingt mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Spanien dabei sein wollte. Was ihm im Anschluss erneut viele Wochen Pause einbrachte.
Füchse haben nach wie vor Personalsorgen
„Es ist erschreckend, wie die Saison verstrichen ist“, sagt Christophersen. Sechs Spiele (vier Mal Bundesliga, zweimal EHF-Pokal) sind es nur noch – dann ist schon Saisonende. Aber der 1,98 Meter große Rechtshänder, der es bisher schon auf 97 Länderspiele (173 Tore) gebracht hat, wird jede Partie genießen. Und freut sich, „dass ich gleich in der Pflicht stehe“. Denn nach wie vor ist die Personallage bei den Berlinern, gerade im Rückraum, angespannt: Pavel Horak fällt bis Saisonende aus, Bartlomiej Jaszka hat seit langem Beschwerden an der Schulter des rechten Wurfarms, Iker Romero ist auch angeschlagen. Zumindest wird am Sonntag Linksaußen Fredrik Petersen zurückerwartet, der zuletzt wegen einer Verletzung an der rechten Hand ausgefallen war.
Christophersen merkt natürlich, dass ihm noch einiges zu hundert Prozent fehlt. „Bestimmte Automatismen greifen zwar schon, aber in vielen Situationen fehlt noch das richtige Timing.“ Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit.





