Handball

Fabian Wiede ist bei den Füchsen gleich durchgestartet

Der 20-jährige Linkshänder hat sich in seiner ersten Saison schneller als erwartet im Bundesligateam etabliert. Am Sonntag wichtiges Spiel im EHF Cup gegen HCM Constanta aus Rumänien.

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Bei dieser Frage muss Fabian Wiede lachen. Ob er sich vor einem halben Jahr habe vorstellen können, eine so rasante Entwicklung zu nehmen? „Nicht im Entferntesten habe ich an so etwas gedacht“, antwortet der Rückraumspieler der Füchse Berlin. Es ist viel passiert in den vergangenen sechs Monaten. Der 20-Jährige, nach der A-Jugend seit dieser Saison mit einem Profivertrag beim Handball-Bundesligisten ausgestattet, ist gleich durchgestartet: Inzwischen hat er einen festen Platz in der Mannschaft. So auch am Sonntag, wenn für die Berliner das wichtige Spiel im EHF-Cup gegen den rumänischen Vertreter HCM Constanta (Max-Schmeling-Halle, 17.15 Uhr) ansteht.

„Ich wundere mich selbst, dass ich schon so lange Einsatzzeiten bekomme“, sagt der Linkshänder. Bob Hanning, den Füchse-Geschäftsführer, hat das hingegen nicht überrascht. Vier Jahre lang hat er Wiede in der Jugend trainiert. Er wusste um das Talent des 1,92 Meter großen jungen Mannes. Jetzt sagt Hanning: „Noch keinem Spieler in Deutschland ist es gelungen, nach der A-Jugend so schnell in der Bundesliga Fuß zu fassen.“

Erstes Länderspiel im Januar

Doch das ist nicht alles: Als Zugabe bestritt Wiede in diesem Jahr auch schon einige Länderspiele. Wohl gemerkt im A-Team des Deutschen Handballbundes (DHB) unter Bundestrainer Martin Heuberger. Seinen ersten Einsatz hatte er am 4. Januar in Krefeld gegen Russland.

Fabian Wiede steht symbolisch für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Füchse, Hannings liebstes Kind. Er spricht gern von „Berlinisierung“, meint damit, dass junge Spieler in der Hauptstadt ausgebildet und dann kontinuierlich ins Profiteam integriert werden. Wie Wiede oder Kreisläufer Jonas Thümmler, 20, oder der zurzeit verletzte Paul Drux, 19.

Das Trio verbindet nicht nur das Sportliche im Profiteam. Alle drei besuchen die 13. Klasse des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin (SLZB) in Hohenschönhausen. Leistungssport und Abi, wie geht das zusammen? Zeitmanagement ist alles. „Verein und Schule kooperieren sehr gut miteinander“, lobt Wiede. „Alles wird miteinander abgestimmt.“ Wenn einer der jungen Sportler Unterricht versäumt, bekommt er im Zweifelsfall Einzelunterricht, um den Stoff nachzuholen. Das SLZB gibt den Schülern viel, „aber die Schule erwartet auch viel von uns“ (Wiede). Am vergangenen Dienstag hatten Wiede und die anderen die „erste kleinere Prüfung“, die großen Abitur-Brocken kommen aber erst Ende April.

Körperlich will er noch ein paar Kilogramm draufpacken

Im sportlichen Bereich steht für Wiede alle paar Tage eine Prüfung an, wenn er als Jungprofi gefordert ist. Wie am vergangenen Mittwoch, als er zum 26:21 gegen Hannover-Burgdorf drei Tore beitrug, am Sonntag eben gegen Constanta, drei Tage danach schon wieder in der Schmeling-Halle gegen den TBV Lemgo (20.15 Uhr, Sport1). Es war schon eine gewaltige Umstellung: „In der Jugend haben oft 80 Prozent Einsatz gereicht, in der Bundesliga musst du immer 120 Prozent geben, um durchzukommen.“

Alles geht schneller, ist härter, athletischer in dieser Klasse, die sich „die beste Liga der Welt“ nennt. Da ist Wiede jetzt mittendrin. „Körperlich sollte ich noch zulegen“, hat er erkannt. Vier Kilogramm hat er schon draufgepackt, momentan wiegt er etwa 96 Kilogramm, „100 sollten es schon sein.“ In der Abwehr habe er sich schon weiter verbessert. Wiede weiß, dass es dabei keinen Welpenschutz gibt. Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson sagt klar: „Es zählt nur Leistung, nichts anderes.“

Im Training wird er zum Wasserträger

Nur so wird man als Nachwuchsmann auch voll akzeptiert in einer Mannschaft, in der Routiniers wie Denis Spoljaric, 34, Iker Romero, 33, oder Bartlomiej Jaszka, 30, stehen. „Gerade Konstantin Igropulo gibt mir viele Tipps“, sagt Wiede. Der 28-jährige Russe ist wie Wiede Linkshänder und spielt auf derselben Position. Auch das gehört zur Füchse-Philosophie: Die Erfahrenen kümmern sich um die Jungen.

Doch dafür bleiben den Älteren Aufgaben erspart, die für die Rookies reserviert sind. „Ich habe mich im Training um die Leibchen und ums Wasser zu kümmern“, erzählt Fabian Wiede. Da kann er so viele Tore schießen wie er will, diesen Job wird er erst mit zunehmendem Alter los.