Duell gegen Hamburg

Keine Champions League – Füchse am Boden zerstört

Die Füchse Berlin waren der Champions League so nah. Ein Unentschieden gab es im Ausscheidungshinspiel gegen den HSV Hamburg, fünf Tore lagen sie im Rückspiel vorn. Doch dann kam der HSV zurück.

Foto: Axel Heimken / dpa

Nur noch weg. Bloß nichts hören. Und vor allem keine tröstenden Worte oder womöglich noch einen aufmunternden Klaps auf den Rücken. So schnell hatten die Spieler der Füchse selten ein Handballfeld verlassen. „Das tut richtig weh“, sagte Markus Richwien und sprach damit aus, was er und seine Teamkollegen Freitagabend fühlten. Schmerz und eine große Leere nach der verpassten Chance. Silvio Heinevetter schüttelte nur noch den Kopf. „Das ist einfach nur bitter“, klagte der Torhüter.

Mit 26:27 (14:10) verloren die Berliner das Rückspiel in der Qualifikation um die Champions League gegen den HSV Handball vor 6620 Zuschauern in der O2 World und verpassten damit den Einzug in die Königsklasse. Das Hinspiel war am Mittwoch in Berlin 30:30 ausgegangen. Während nun also der Champion aus Hamburg seine Mission Titelverteidigung starten kann, müssen die Berliner in dieser Saison im EHF-Cup starten – eine Premiere für die Füchse.

Zwar waren die Berliner als Außenseiter in die Partie gegen den Nordklub gegangen, doch in den beiden Spielen hatten sie sich dem finanzstarken HSV als ebenbürtig erwiesen. Umso größer war nun die Enttäuschung über das Scheitern. „Das war über 120 Minuten ein großer Kampf“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, „Hamburg hat mit etwas Glück gewonnen. Wir haben den HSV eigentlich im Griff gehabt, aber insgesamt ein paar Fehler zu viel gemacht.“

Die einzige Veränderung zum Hinspiel hatte Sigurdsson auf der linken Außenposition vorgenommen. Statt Markus Richwien lief dort der Neu-Berliner Mattias Zachrisson auf. Und der Schwede ließ sogleich auch sein Können aufblitzen, als er nach sechs Minuten zum 2:3 traf.

Zeigten die Füchse zu Beginn noch eine leichte Nervosität, die sich in ein paar Fehlpässen äußerte, waren sie jetzt voll da. Allen voran Silvio Heinevetter. Der Torhüter hatte einen dieser Tage erwischt, wo er den Ball magisch anzieht. Ob quer in der Luft liegend oder am Boden sitzend. Binnen weniger Sekunden wehrte der Schlussmann zwei Würfe der Hamburger ab, den Tempogegenstoß schloss Kreisläufer Jesper Nielsen mit dem Ausgleich zum 3:3 ab. Heinevetter gelangen während des Spiels 18 Paraden.

Außen glänzen zwei Schweden

Und dann kam er, der Moment, von dem Linksaußen Fredrik Petersen nicht so recht wusste, wie er sich anfühlen würde. Der Moment, an alter Wirkungsstätte ein Tor gegen den Ex-Klub zu erzielen. In der vergangenen Saison hatte der Schwede noch in Diensten des HSV gestanden und mit ihm die Champions League gewonnen. Im Sommer dann unterschrieb er einen Vertag bei den Füchsen, und gegen seinen früheren Arbeitgeber agierte er alles andere als gehemmt. Sein Treffer zum 4:3 (9.) brachte die Berliner erstmals in der Partie in Führung. Petersen riss nach dem Tor beide Arme hoch und klopfte sich dann mit rechten Faust auf die linke Brust, als wollte er sagen: „Seht her, ich bin jetzt ein Berliner.“

Die Füchse waren jetzt so richtig in Fahrt und bauten ihre Führung eindrucksvoll aus. Hinten machte die Abwehr um den überragenden Heinevetter die Schotten dicht, und im Angriff war zwar nicht jeder Wurf ein Treffer, aber doch immerhin der Großteil. So sah sich HSV-Trainer Martin Schwalb nach zehn Minuten zu einer Auszeit gezwungen. Die Berliner ließen sich in ihrem Tatendrang freilich nicht bremsen, das Spiel bereitete ihnen sichtlich Freude. Vor allem die beiden Schweden Zachrisson und Petersen brillierten auf den Außenpositionen. Sie waren am Ende mit sieben beziehunsgweise acht Toren auch die besten Berliner Werfer.

Auf einmal zeigten die Füchse Nerven

Im Hinspiel hatte Sigurdsson Leistungsträger wie Pavel Horak oder Konstantin Igropulo noch fast durchspielen lassen, wodurch am Ende die Kraft fehlte. Nun gönnte der Coach seinen Führungsspielern frühzeitig die nötigen Pausen. Dadurch kamen Colja Löffler und Fabian Wiede schon in der ersten Halbzeit zum Einsatz.

Die Füchse setzen ja ganz bewusst auf junge deutsche Spieler, und Sigurdsson scheut sich nicht, diese auch in wichtigen Phasen einer Partie einzusetzen. „Nur so können sie lernen und wachsen“, sagt der Isländer. Die Youngster dankten es ihrem Trainer, sie machten ihre Sache so gut, dass die Füchse mit 14:10 in die Pause gingen.

Jedem Zuschauer in der Arena war klar, dass sich die Mannschaften in der zweiten Halbzeit nichts schenken würden, zu viel stand auf dem Spiel. Es ging beherzt, aber fair zu Sache. Nach 39 Minuten mussten die Füchse die erste Zeitstrafe hinnehmen, als Abwehrchef Denis Spoljaric für 120 Sekunden auf der Strafbank Platz nahm. Die große Chance für die Gastgeber, den Fünf-Tore-Abstand zu verkürzen. Aber die Berliner standen gut in der Abwehr. Und vorn wirbelte Zachrisson völlig losgelöst. Er traf in der 41. Minute zum 20:15.

Natürlich wussten auch die Füchse, dass die Partie trotz der Führung noch lange nicht entschieden war. Angetrieben von ihren Fans mobilisierten die Hamburger noch einmal alle Reserven und kämpfte sich Tor um Tor heran. Und auf einmal zeigten die Füchse Nerven. Sie hatten offenbar Angst vor der eigenen Courage. Ausgerechnet jetzt, da die Sensation zum Greifen nah war.

Hans Lindberg schaffte mit einem Siebenmeter den Ausgleich zum 26:26 (58.), Nationalspieler Adrian Pfahl erzielte wenig später gar die Führung für den HSV. Es war das Ende aller Berliner Träume.