Handball

Füchse Berlin haben sich noch lange nicht aufgegeben

Das Berliner Handballteam glaubt nach dem 30:30 in der ersten Partie gegen den HSV weiter an das Erreichen der Champions League. An diesem Freitagabend fällt in Hamburg die Entscheidung.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Um einen Einblick in die Gefühlslage der Spieler zu bekommen, musste man nach der Schlusssirene nur in ihre Gesichter blicken und die Körpersprache beobachten. Auf der einen Seite die Handballer der Füchse Berlin, die mit nachdenklichem Blick in die Kabine schlurften. Als wenn das 30:30 im ersten von zwei Qualifikationsspielen für die Champions League gegen den HSV Hamburg eine Niederlage gewesen wäre. Auf der anderen Seite die HSV-Profis, die mit durchgedrücktem Rücken und einem Lächeln das Feld in der Schmeling-Halle verließen. Als wenn das 30:30 ein Sieg gewesen wäre.

Die Realität haben zwei Protagonisten gut eingefangen. „Noch sind 60 Minuten Zeit“, sagte Füchse-Spielmacher Bartlomiej Jaszka. „Nichts ist passiert“, erklärte Hamburgs Trainer Martin Schwalb. „Es ist ja erst Halbzeit.“

Um Alles oder Nichts

Teil eins endete also unentschieden, bereits am Freitagabend um 19 Uhr kommt es in der Hamburger O2 World zu einem echten Finale. Alles oder Nichts. Nichts? Immerhin wird der Klub, der am Freitag verliert, im EHF-Pokal spielen dürfen. In den Augen von Hamburgs Trainer Martin Schwalb sowieso ein Unding: „Beide Städte gehören in die Champions League.“ Dies habe die Partie von der Qualität her deutlich gezeigt.

Es geht wieder bei Null los, aber Dagur Sigurdsson, der Trainer der Füchse, hat recht mit seiner Einschätzung: „Es wird sehr schwer in Hamburg.“ Aber chancenlos sind die Berliner wahrlich nicht, das zeigte sich am Mittwochabend. Zwar begannen sie nervös, lagen nach 15 Minuten mit 6:12 hinten, fingen sich dann aber. Das Zusammenspiel wurde sicherer, die offensive Abwehrvariante der Berliner behagte den Hamburgern nicht; 16 Minuten vor Schluss hieß es sogar 25:21 für die Füchse. Aber am Ende reichte es doch nicht zum Sieg.

Im Rückraum fehlt verletzter Christophersen

„Wenn mir nach 15 Minuten einer gesagt hätte, das Spiel geht unentschieden aus, wäre ich zufrieden gewesen“, sagte Pavel Horak, der wie Konstantin Igropulo auf sechs Tore kam. „Doch so ist es schon eine kleine Enttäuschung.“ Dass den Berlinern gegen Ende die Luft ausging, lag daran, dass sie nicht so breit aufgestellt sind wie die „Weltstar-Auswahl“ (Horak) des Champions-League-Siegers. Erschwerend kam hinzu, dass Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen nach seiner Knie-OP immer noch nicht einsatzbereit ist. So bekamen die Kollegen im Rückraum weniger Ruhepausen als wünschenswert gewesen wäre.

Das erste Pflichtspiel der Füchse zeigte bereits deutlich, dass sich einige Gewichte im Vergleich zum Vorjahr verschieben werden. Sowohl Markus Richwien (3 Tore) als auch Colja Löffler (5) werden künftig mehr Einsatzzeit bekommen. Sie zeigten gute Leistungen, wobei sich Löffler am meisten über sich ärgerte, dass er in den Schlussminuten einen Tempogegenstoß nicht mit einem kernigen Wurf, sondern mit einem verunglückten Heber abschloss.

Mehr Einsatzzeit für Richwien und Löffler

„Eine andere Rolle“ werde er in der Saison 2013/2014 spielen, meinte Löffler. Der 24-Jährige ist seit 2008 bei den Füchsen und hat sich mit viel Geduld zu einem gestandenen Bundesligaspieler entwickelt. Nicht nur als Außen kam er gegen den HSV zum Einsatz, teilweise entlastete er am Kreis Jesper Nielsen.

Auch eine Position, auf der man eine zumindest quantitative Überlegenheit des HSV anerkennen muss. Jensen muss noch – defensiv wie offensiv – in die Nachfolge von Torsten Laen hineinwachsen. Der Zugang aus Schweden zeigte aber schon, dass er künftig eine tragende Rolle spielen kann. Doch bei Spielen auf diesem hohen Niveau macht sich der Abgang von Kreisläufer Evgeni Pevnov negativ bemerkbar, der nicht adäquat ersetzt werden konnte.

Aufholjagd macht den Füchsen Mut

Dennoch: Die Berliner glauben noch an ihre Chance. „Die Aufholjagd macht Mut“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning. Da geht noch was. „Unser Team hat das Potenzial, den HSV zu schlagen“, meinte Torhüter Petr Stochl, der diesmal Silvio Heinevetter mit spektakulären Paraden klar in den Schatten stellte.

Zu Beginn hatte Heinevetter im Tor gestanden, Stochl löste ihn nach 16 Minuten ab, in den letzten fünf Minuten stand dann wieder Heinevetter im Kasten.

Reiberei um Heinevetters Gehalt

Ganz kurz vor Spielbeginn hatte Füchse-Präsident Frank Steffel über Hallen-Mikrofon stolz die Vertragsverlängerung mit dem Torwart bis 2018 verkündet. Steffel hatte sich zwei Tage zuvor ja noch sehr kritisch zum Gebaren und dem Mäzenatentum der Hamburger geäußert, die Heinevetter gerne verpflichten wollten. Von Wettbewerbsverzerrung sprach Steffel. Das ganze Theater war auch den Hamburger Spielern nicht verborgen geblieben. „Die können doch Zeitung lesen", meinte Schwalb.

Der HSV-Coach bezog klar Stellung: „Ich finde es nicht gut, einen ganzen Verein in Misskredit zu bringen. Ich habe Respekt vor den Füchsen Berlin, und ich erwarte auch von anderen Leuten eine gewisse Form von Respekt, denn so bin ich einfach erzogen.“ Er lobte Heinevetter: „Silvio ist ein super Typ. Die Füchse können sich glücklich schätzen, dass sie ihn so lange behalten werden.“

Inzwischen meldete sich auch HSV-Präsident Matthias Rudolph zu Wort: „Seine Gehaltsvorstellungen haben uns gar nicht gefallen. Unser Angebot lag ganz sicher unter dem, was Silvio bei den Füchsen verdient.“ Das Thema scheint noch nicht abgehakt.