Handball

Berliner Füchsen gelingt ein 35:25-Sieg gegen Lübbecke

Die Füchse zeigten über die gesamte Spielzeit eine überzeugende Leistung und festigten ihren vierten Tabellenplatz.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Als noch zehn Minuten zu spielen waren, bekam Silvio Heinevetter den Abgang, den er verdient hatte. Unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle verließ der Torhüter der Füchse Berlin am Sonntag das Parkett, für ihn ging Petr Stochl in den Kasten.

Heinevetter hingegen durfte die letzten Minuten bis zum Ende von der Bank aus verfolgen. Dort wurde er von lachenden Teamkollegen beglückwünscht für eine Weltklasseleistung. Beim 35:25 (17:11)-Erfolg seiner Mannschaft im Bundesligaspiel gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke war er der überragende Mann. Allein 22 gehaltene Würfe machten ihn zu einem „Hexer“.

Der 28 Jahre alte Nationaltorhüter wollte nach der Partie das Ganze nicht so hoch hängen. Am liebsten hätte er zu seinem Auftritt gar nichts gesagt, doch dann nuschelte er doch noch: „Es ist sinnlos, eine Einzelleistung zu bewerten.“ Denn: „Als Team haben wir gut gespielt.“

Das kann man sagen: Die Füchse boten den 7456 Fans am Sonntagnachmittag beste Unterhaltung. „So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, lamentierte TuS-Coach Gennadij Chalepo.

Sein Team habe „den Kampf nicht angenommen“ und Heinevetter im Berliner Tor „warm geworfen“. Den Nettelstedtern, so ihr Trainer, sei klar gewesen, „dass Berlin unbedingt Revanche für die Pokalniederlage nehmen wollte“.

Mit 28:32 hatten die Füchse Ende Oktober 2012 im Pokal gegen Nettelstedt verloren und waren überraschend schon in einem frühen Stadium ausgeschieden.

Trainer Sigurdsson wieder dabei

Doch diesmal waren die Gewichte klar verteilt. „Wir haben es gut gemacht“, bilanzierte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Der Isländer war nach überstandener Grippe wieder auf die „Kommandobrücke“ zurückgekehrt, nachdem ihn zuletzt, gegen Szeged und in Kiel, Assistenztrainer Alexander Haase und Geschäftsführer Bob Hanning vertreten hatten.

Lediglich in der ersten Viertelstunde war der Trainer nicht ganz zufrieden. „Unser Rückzugsverhalten war da noch nicht so gut.“ Aber danach lief alles wie geschmiert.

Beim 12:7 durch Iker Romero waren es erstmals fünf Tore Differenz (19. Minute). Dank vor allem auch Heinevetter. Nach 16 und nach 18 Minuten hatte er jeweils einen Siebenmeter der Gäste gehalten, die vorher mit einem Strafwurf auch schon an der Latte gescheitert waren.

Auf der Rückfahrt im Bus werden die Nettelstedter wohl noch das eine oder andere Mal an den Füchse-Torwart gedacht haben, der sie schier zur Verzweiflung brachte.

Hanning bescheinigte dem Torwart, „überragend“ gewesen zu sein, und lobte auch die Arbeit der kompletten Abwehr. Für die Gäste gab es kein Durchkommen. „Ich konnte mich entspannt zurücklehnen.“

Fußballprofi Kraft gern zu Gast im „Fuchsbau“

Es war ein richtiges Heinevetter-Spiel, so wie er es liebt. Voll mit Adrenalin zelebrierte er jede Parade. Er lamentierte immer mal rum, diskutierte mit den Schiedsrichtern, die mit ihren Entscheidungen bei Zeitstrafen und Siebenmetern nicht immer richtig lagen.

Um dann wieder voll konzentriert irgendein Körperteil in die Flugbahn eines Wurfes zu bringen. Und dann seine Pässe. Teilweise noch im Liegen leitete er Tempogegenstöße mit zentimetergenauen Vorlagen ein. Von der Tribüne aus beobachtete Hertha-Torhüter Thomas Kraft die Glanztaten seines Kollegen. Der Fußballprofi ist gern zu Gast im „Fuchsbau“.

Vor allem Johannes Sellin profitierte von Heinevetters Pässen, der mit sieben Toren bester Werfer vor Konstantin Igropulo (6), Evgeni Pevnov und Bartlomiej Jaszka (beide 5) war.

Der 22-jährige Sellin wird die Füchse ja verlassen und in der kommenden Saison für Melsungen spielen. Wahrscheinlich wird er manches Mal an die sensationellen Pässe von Heinevetter zurückdenken, die ihn immer wieder in gute Position bringen.

Dass neben Sellin auch noch weitere fünf Spieler (der am Sonntag wegen einer Grippe fehlende Börge Lund, Ivan Nincevic, Mark Bult, Torsten Laen und Evgeni Pevnov) den Klub verlassen werden, wollte Heinevetter nicht kommentieren. „Daran denkt doch jetzt keiner.“

Die Füchse scheinen momentan wirklich nur an die noch zu bestehenden Aufgaben zu denken. Daher gab es auch in der zweiten Hälfte kein Nachlassen. Auch nicht, als früh die „zweite Reihe“ (darunter der A-Jugendliche Paul Drux) eingewechselt wurde und sich die Stammspieler schonen konnten.

Entsprechend zufrieden war Hanning. „Am meisten hat mich gefreut, dass wir in der Breite wieder stärker geworden sind.“ Bis auf zwölf Tore Differenz (25:13, 35:23) bauten die Berliner ihre Führung aus.

Füchse-Trio zum Nationalteam

Es machte sich auch nicht negativ bemerkbar, dass Nationalspieler Sven-Sören Christophersen fehlte, der immer noch unter Kniebeschwerden leidet und zusehen musste. „Wir hoffen, dass er in zehn Tagen gegen Balingen wieder dabei ist“, meinte Sigurdsson. „Er wird auf alle Fälle vernünftig behandelt, damit die Verletzung nicht wieder aufbricht.“

Am kommenden Wochenende pausiert die Bundesliga wegen Spielen der Nationalmannschaft. Erst am 13. März (Mittwoch) geht es in der Bundesliga mit einem Auswärtsspiel in Balingen-Weilstetten für die Füchse weiter.

Dann folgen noch spannende Wochen – national und auf europäischer Ebene. Natürlich wird alles momentan vom Achtelfinale in der Champions League überstrahlt, in dem die Füchse erst am 17. März bei Athletico Madrid anzutreten haben, am 24. kommen die Spanier dann in die Max-Schmeling-Halle (Beginn 18 Uhr). „Der Vorverkauf dafür läuft überragend“, erklärte Hanning. „Die Schmeling-Halle wird auf alle Fälle ausverkauft sein.“

Sigurdsson hat seinen Spielern erst einmal bis zum Mittwochabend frei gegeben. Alle sollen ein bisschen durchschnaufen.

Ein Trio wird dann allerdings fehlen. Für die Test-Länderspiele gegen die Schweiz in Wetzlar (9. März) und Koblenz (10. März) hat Bundestrainer Martin Heuberger auch drei Füchse nominiert: Silvio Heinevetter, Evgeni Pevnov und Johannes Sellin. Eigentlich hätte auch Christophersen dabei sein sollen, doch der musste ja passen. Wenn Heinevetter ähnliche Glanztaten gelingen wie am Sonntag, wird es für die Schweizer sicherlich sehr schwer.