Handball

Füchse-Kapitän Laen geht nach vier Jahren auf Abschiedstour

Der 33-jährige Däne verlässt zum Saisonende Berlin Richtung Heimat. Dort will er sich langsam vom Profi-Handball lösen.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Oldies dürfen sich übereinander lustig machen. So wie kürzlich Denis Spoljaric über seinen Teamkollegen Torsten Laen. Der Däne hatte einen Tempogegenstoß im Alleingang abgeschlossen, der Kroate imitierte mit seinen Armen dessen Laufstil und grinste nach dem Motto: Ganz schön schnell für einen alten Mann… Laen grinste zurück: Da kannste mal sehen… 33 Jahre alt sind die beiden Handballprofis der Füchse, da gehören Frotzeleien übers Alter einfach dazu.

An diesem Sonntag sind die beiden Routiniers wieder im Einsatz, wenn die Füchse in der Bundesliga auf TuS Nettelstedt-Lübbecke treffen. Während Spoljaric auch in der kommenden Saison noch als Abwehrorganisator bei den Berlinern aktiv sein wird, hat für Laen die Abschiedstournee begonnen.

Der Kapitän der Mannschaft wird nach vier Jahren den Klub verlassen und in seine Heimat zurückgehen. Zwölf Spiele sind es noch in der Bundesliga, mindestens zwei (die Achtelfinalpartien gegen Atletico Madrid), theoretisch maximal sechs (mit Viertelfinale und Final Four) in der Champions League.

Füchse hätten gern verlängert

Laen, der knallharte Verteidiger und durchsetzungsstarke Kreisläufer, steht für Einsatzwillen und Kampfkraft, er ist einer, der nie aufgibt. Diese Tugenden wird er bis zur letzten Sekunde für das Füchse-Team von Cheftrainer Dagur Sigurdsson einbringen, aber im Gespräch macht der Däne auch keinen Hehl daraus, dass ihn das jahrelange Profi-Dasein geschlaucht hat. Da ist einerseits das Körperliche, aber auch die psychische Beanspruchung. „Vom Erfolg zum Fiasko ist es ein schmaler Grat“, sagt er. Entsprechend anstrengend ist die Achterbahn der Emotionen.

Deshalb ist Schluss in Berlin, deshalb geht er zurück nach Dänemark. Es war sein eigener Entschluss, weil er gemerkt hat, dass er auf Dauer den eigenen Ansprüchen nur noch schwer genügen kann. „Wenn ein Spieler gehen möchte, weil er sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen fühlt und müde ist, dann hat man das zu respektieren“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. „Das ist eine Sache des Anstandes.“ Die Füchse wollten eine Vertragsverlängerung. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn er gesagt hätte, ich will noch zwei Jahre spielen“, erklärt der Geschäftsführer. Laen verneinte. „In einem solchen Fall“, so Hanning, „macht man kein unmoralisches Angebot, sondern lässt das sein.“ Die Art und Weise seines Weggangs zeuge „von absoluter Größe“.

Zweimal Sieger in der Champions League

Einst war Hanning gar nicht von der Verpflichtung des 1,98 Meter großen Dänen überzeugt. „Aber Dagur wollte ihn unbedingt haben und hat unglaublich für Torsten gekämpft.“ Eine weise Entscheidung, wie sich zeigte.

Laen hat eine großartige Karriere hingelegt. Bis 2007 stand er bei GOG Gudme Svendborg in Dänemark unter Vertrag, zwei Jahre spielte er dann für BM Cuidad Real in Spanien. Mit dem Klub, der heute unter Atletico Madrid firmiert, wurde er zweimal spanischer Meister, holte zweimal den Titel in der Champions League; für sein Heimatland hat er 152 Länderspiele absolviert. Mit den Füchsen gelang ein kometenhafter Aufstieg bis ins Final Four der Champions League im vergangenen Frühjahr.

Jetzt sagt er: „Ich möchte gern einen Schritt weg vom Handball machen.“ Und der Familienmensch beginnt zu träumen, spricht davon, wie schön es sein muss, „wenn du am Wochenende Zeit hast“.

Bachelor in Management nach elf Jahren

Mit seiner Frau und den zwei Söhnen geht es im Sommer heim, noch überlegt die Familie, wohin sie am besten ziehen soll. Er will noch ein, zwei Jahre Handball spielen. Wie intensiv, auf welchem Niveau ist nicht wirklich klar. Einen neuen Klub hat er jedenfalls noch nicht. Viele Sportler wollen ja nach dem Karriereende unbedingt ihrem Sport verbunden bleiben. Trainer, Manager? „Ich werde kein Dagur und auch kein Bob“, steht für ihn fest. Auch weil man in deren Positionen „abhängig von anderen Leuten“ sei. Vor allem eben von den Spielern.

Zu seinen Profizeiten in Dänemark hat er an der Uni erst den Bachelor in Sport abgelegt, dann den Studiengang Management eingeschlagen. „Handball hatte aber immer erste Priorität“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Deshalb hat es bis zum Abschluss auch statt fünf Jahren elf gedauert.“ Erst im vergangenen Sommer hat er das Studium mit dem Master abgeschlossen. Fernstudium über Internet, Skype, Prüfungen in Dänemark, aber auch mal in der dänischen Botschaft in Berlin – es war ein etwas anderes Studium.

Der Abschieds-Countdown hat begonnen. Das größte Lob kommt von Hanning: „Torsten Laen steht stellvertretend für die Erfolge der Füchse in den vergangenen Jahren.“