Bei der Bewältigung von Niederlagen, das ist im Sport nicht anders als im richtigen Leben, ist vieles eine Frage der Einordnung. Also sagt Sven-Sören Christophersen, Nationalspieler der Füchse Berlin: „Dass wir beim FC Barcelona verlieren, ist kein Beinbruch. Deshalb muss man nicht alles in Frage stellen.“
Das 23:34 (10:15) in der Champions League beim spanischen Meister habe keine Auswirkung auf die Ziele des Handball-Bundesligisten. „Natürlich sind elf Tore Unterschied zu viel. Aber ich glaube nicht, dass aus unserer Gruppe eine Mannschaft dort gewinnen wird.“
Die richtungsweisenden Partien kämen jetzt mit dem Auftritt in Szeged und daheim gegen Schaffhausen. Würden sie gewonnen, „sind wir im Soll. Wir wollen ins Achtelfinale, und das als Zweiter oder Dritter unserer Gruppe.“
Spiel verloren, Ziel aber nicht aus den Augen verloren – so sieht es der Spieler. Geschäftsführer Bob Hanning hat in Teilen eine ähnliche Sicht der Dinge. „Man darf nicht vergessen, dass Barcelona 16 Spieler auf sehr hohem Niveau in seinem Kader hat – die 3,5 bis vier Millionen Euro mehr im Etat müssen ja schließlich verbaut werden“, spielt er auf die deutlich stärkere Finanzkraft der Katalanen an.
„Kaninchen vor der Schlange“
So ein Kontrahent kann, sogar in der eigenen Halle, gleichwohl auch von den Füchsen bezwungen werden, aber dann muss alles passen. Das war am Sonnabend nicht der Fall. Vergebene Siebenmeter, ein Festival der Fehlwürfe aus der zweiten Reihe, von den Leistungsträgern nur Torwart Silvio Heinevetter und Spielmacher Bartlomiej Jaszka in Nähe ihrer Bestform – das reicht nicht. „Außerdem“, findet Hanning, „haben wir unsere Gegner noch ein bisschen größer gemacht, als sie sind. So wie das Kaninchen vor der Schlange.“
Die Niederlage, gerade in dieser Höhe, hat gezeigt, dass es noch viel zu arbeiten gibt bei den Füchsen, beim schnellen Gegenstoß etwa, aber auch beim Rückzugsverhalten. Barcelona kam zu oft zu leichten Treffern. Und zu Toren im zweiten Versuch, wenn der Berliner Verteidigung die „geistige Bereitschaft“ (Hanning) fehlte, den schon abgewehrten Ball zu sichern.
Auch der von den Rhein-Neckar Löwen gewechselte Börge Lund braucht noch Zeit, sich in seiner neuen Mannschaft zurechtzufinden. Das Negativerlebnis in Barcelona, glaubt der Manager, schärfe die Sinne, mache ein bisschen demütig, denn: „Wir sind noch nicht da, wo wir vergangene Saison waren. Ich vergleiche das mal mit Borussia Dortmund: Man muss sich Dinge auch neu erarbeiten.“
Der ungewöhnliche Exkurs zum Fußball hatte vielleicht mit seinem Abendprogramm zu tun. Hanning blieb einen Tag länger als die Mannschaft in Barcelona. Iker Romero hatte für ihn und Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller Tickets für den Fußball-Klassiker zwischen Barca und Real Madrid besorgt.
diw





