„Das war ein grandioser Auftritt. Wir waren dem VfL in allen Bereichen überlegen“, jubilierte Geschäftsführer Bob Hanning. Auch Trainer Dagur Sigurdsson war zufrieden. „Die Mannschaft hat ohne ihren verletzten Kapitän Charakter gezeigt. Ich habe nach der Pleite in Dormagen eine Reaktion gesehen, die hervorragend war.“
Für Wetten mit sicherem Gewinn eignen sich Füchse derzeit nicht, zu sehr schwanken seit Wochen die Leistungen der Berliner in der Bundesliga. Mal überzeugen sie mit Bestleistung, dann wieder fehlt die Linie. Unbeständigkeit ist wohl die signifikanteste Eigenschaft der Füchse. „Die Saison verläuft für uns wie eine Achterbahn“, sagte Sigurdsson, „wir haben leider noch nicht die Konstanz, aber das kommt noch.“ Gestern gegen den VfL Gummersbach zeigten sich die Berliner zur Freude der 8826 Fans in torhungriger Spiellaune.
Trotz der desolaten Vorstellung in Dormagen – am Mittwoch hatten sich die Berliner beim Liga-Letzten mit 23:32 blamiert – hatte Sigurdsson seinen Profis über Weihnachten zwei Tage freigegeben und kein Straftraining angeordnet. Eine gute Entscheidung, denn so konnten die Spieler die Zeit mit ihren Familien genießen und den Kopf nach dem Desaster wieder freibekommen.
Die Füchse traten ohne ihren Kapitän Torsten Laen an, der Däne hatte sich in Dormagen am Oberschenkel einen Muskelfaserriss zugezogen. So kam gestern der erst 20 Jahre alte Colja Löffler zu seinem zweiten Bundesliga-Einsatz. Der Youngster hat in der zweiten Mannschaft der Füchse eine hervorragende Saison gespielt und durfte gestern von Beginn aufs Feld.
Im Tor bewies Petr Stochl gleich in den ersten Sekunden der Partie, dass er an diesem Tag nur schwer überwindbar sein würde. Seine gehaltenen Bälle nutzten die Berliner Angreifer zu schnellen Toren und so übernahmen die Platzherren auch die Führung. Gummersbach hielt zwar dagegen, doch die Füchse zogen Mitte der ersten Hälfte auf 10:5 (18. Minute) davon, auch Kreisläufer Löffler traf. In der Abwehr spielte sich Stochl in einen wahren Rausch, er zeigte allein im ersten Durchgang 15 Paraden, eine außergewöhnliche Bilanz.
In der Pause tigerte Geschäftsführer Bob Hanning durch die Katakomben der Schmeling-Halle. Sechs Tore Vorsprung hätten ihn eigentlich beruhigen müssen, taten es aber nicht. Er sagte nur: „Diese Mannschaft kann einen wahnsinnig machen. Man weiß jetzt überhaupt nicht, was in den nächsten 30 Minuten passieren wird.“
Nun, was der Manager im zweiten Durchgang erlebte, war eine Füchse-Mannschaft, die beherzt kämpfte und ihre Chance auf den Sieg beim Schopfe packte. Unter dem Jubel der Fans bauten die Hausherren ihren Vorsprung auf 22:14 (40.) aus. Jetzt nur nicht leichtsinnig werden, mögen sich Sigurdsson und Hanning auf der Bank gedacht haben. Und das wurden die Füchse auch nicht, sie wollten ihren vierten Heimsieg – und holten ihn sich in beeindruckender Manier. Als bester Berliner Werfer zeichnete sich Michal Kubisztal mit sechs Toren aus. Die Mannschaft liegt nach 17 Runden mit 18:16 Punkten weiter auf Rang neun.
Für die Spieler der Füchse ging es auch um Werbung in eigener Sache. Zu Beginn des neuen Jahres stehen die Gespräche für mögliche Vertragsverlängerungen an. Wer Manager Hanning kennt, der weiß: Nur Profis, die mit Herz und Leidenschaft alles geben, haben eine Zukunft in Berlin. Gegen Gummersbach bewiesen die Füchse, dass sie beides haben.


