2:1 gegen Frankreich

Schweden tanzt sich in Unterzahl zu WM-Bronze

Schweden hat sich den dritten Platz bei der WM 2011 in Deutschland gesichert. In Unterzahl setzten sich die Skandinavierinnen gegen Frankreich durch.

Foto: dapd/DAPD

Lotta Schelin ließ unter Freudentränen ein letztes Mal die Puppen tanzen - und diesmal machte auch der Trainer mit. Als Schweden mit dem 2:1 (1:0) gegen Frankreich den dritten Platz gesichert hatte, pfefferte Thomas Dennerby sein Jacket in die Ecke und tanzte zum ersten Mal den Logobitombo, den Kult-Hit dieser Frauenfußball-WM .

Drehung nach rechts, Drehung nach links, dann die Hüfte geschmeidig eindrehen, so feierten die Lieblinge des Publikums ihre Bronzemedaille. Anschließend ging es im Konfetti-Regen auf die Ehrenrunde. „Ich bin total glücklich. Ich habe keine Ahnung, wo wir jetzt feiern, aber wir werden es tun. Wir haben immer an uns geglaubt“, sagte Bundesliga-Spielerin Sara Thunebro vom 1. FFC Frankfurt.

Auch auf französischer Seite war angesichts des besten WM-Ergebnisses niemand böse - höchstens Sonia Bompastor, die von Gegenspielerin Josefine Öqvist in der 68. Minute einen fiesen Tritt in den Unterleib erhalten hatte. Öqvist flog vom Platz, aber die eingewechselte Marie Hammarström entschied das Duell mit einem Traumtor in der 82. Minute dennoch für Schweden.

Die Mittelfeldspielerin nahm den Ball an der Strafraumgrenze perfekt an, legte ihn sich auf den linken Fuß und feuerte ihren Schuss in den Winkel. Die erste Führung der Schwedinnen durch Schelin (29.), Stürmerstar in Diensten des französischen Champions-League-Siegers Olympique Lyon, hatte Elodie Thomis (56.) vor 25.475 Zuschauern noch ausgeglichen.

„Es tut richtig weh“, ärgerte sich Frankreichs trauriger Trainer Bruno Bini. „Es wäre schön gewesen, bei dieser WM noch eine Medaille zu gewinnen.“

Beide Teams bei Olympia 2012

Beide Teams hatten sich bereits mit dem Einzug ins Halbfinale die Olympiatickets für London 2012 gesichert. Am Sonntag bestreiten Olympiasieger USA und Japan das Endspiel in Frankfurt/Main (20.45 Uhr/ARD).

Schweden und Frankreich lieferten sich in einem ausgeglichenen Spiel einen offenen Schlagabtausch. Drei Tage nach der Halbfinal-Pleite gegen Japan (1:3) erwies sich bei den Schwedinnen, die erneut auf ihre etatmäßige Spielführerin Caroline Seger (Wadenverletzung) verzichten mussten, lange Zeit Schelin als stetiger Unruheherd.

Für die 27-Jährige war das Duell ein besonderes Spiel: Immerhin standen im Team des Weltranglisten-Siebten sieben ihrer Klubkolleginnen aus Lyon.

Kuss für die Schuhe

Nachdem gleich zu Beginn ein Abseitstor Schelins nicht anerkannt worden war (5.), schlug die 1,79 Meter große Stürmerin in der 29. Minute kaltschnäuzig zu. Nach einem herrlichen Pass von Innenverteidigerin Sara Larsson über 25 Meter spitzelte die antrittsschnelle Schelin den Ball vorbei an der herausstürzenden Keeperin Berangere Sapowicz ins Tor. Die Stürmerin zog nach ihrem zweiten Treffer bei dieser WM ihren pink-gelben Schuh aus und küsste ihn innig.

Sapowicz indes verletzte sich beim Gegentor so heftig am rechten Sprunggelenk, dass sie ausgewechselt werden musste. Überhaupt hatten die Französinnen, die Trainer Bruno Bini im Vergleich zum Halbfinal-Aus gegen die USA (1:3) auf drei Positionen verändert hatte, Verletzungspech. Auch die technisch starke Antreiberin Louisa Necib musste bereits nach gut einer halben Stunde mit einer Knieblessur ausgewechselt werden.

„Les Bleues“ ließen sich davon aber nicht schocken und drängten auf den Ausgleich. Vor allem Elise Bussaglia sorgte mit ihren Weitschüssen für Gefahr. In der 36. Minute traf die Mittelfeldspielerin von Paris St. Germain nur den rechten Pfosten.

Nach dem Wechsel forcierte Frankreich spürbar den Druck und setzte die Abwehr der „Damlandslaget“ um die Frankfurter Bundesligaspielerin Sara Thunebro unter Druck - nicht zuletzt dank der quirligen Necib-Vertreterin Thomis. Bezeichnend, dass der Angreiferin aus Lyon mit einem Schuss aus 15 Metern der verdiente Ausgleich gelang.

Öqvist hätte kurz darauf für die Vorentscheidung sorgen können. Doch der Schuss von Schwedens Angreiferin landete am Pfosten (64.). Nach der Roten Karte gegen Öqvist machte Frankreich zu wenig aus seiner Überzahl.