Es sind Bilder mit hohem Gewohnheitsfaktor. Die Sirene erklingt, die Spieler der Eisbären Berlin werfen die Schläger weg, die Helme, die Handschuhe. Die Emotionen müssen raus. Eine ganze Saison lang haben sie sich angestaut. Nun aber entlud sich alles. Der letzte Sieg war vollbracht, der nächste Titel erobert. Zum zwölften Mal in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wurden die Hauptstädter am Sonntag deutscher Meister.

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Drei Titel gelangen dabei gerade in direkter Folge. Als erster Klub der Liga feierte der EHC damit das zweite Triple. Die Berliner setzten sich im fünften Spiel des Finales gegen die Adler Mannheim mit 4:1 (1:0, 1:0, 2:1) durch. Es war eine extrem aufreibende Partie vor 13.600 Zuschauern, in der der Titelverteidiger die „Best of seven“-Serie auf 4:1 stellte. Erstmals errangen die Eisbären dabei beim großen Rivalen in Mannheim eine Meisterschaft.

Eisbären Berlin schlagen Ersten, Zweiten und Dritten

Es ist die Krönung einer verrückten Saison, in der vieles anders lief, als der Hauptrundensechste es sich vorgestellt hatte. „Immer wenn wir gewonnen haben, war irgendetwas. Wir mussten so viel durchmachen. Für mich ist dieser Titel sehr speziell, es gab lange Zweifel an uns. Die Disziplin und die Verbundenheit aller ist unglaublich“, sagte Trainer Serge Aubin. So viele Hindernisse türmten sich auf in Form von Verletzungen, dass alles unüberwindbar schien.

In dieser Saison wirkte auch die Konkurrenz so stark wie lange nicht. Die Mannschaft kämpfte lange darum, etliche kritische Phasen einfach nur zu überstehen. Und ging am Ende doch als großer Sieger vom Eis. Nachdem im Viertelfinale der Dritte Straubing, im Halbfinale der Hauptrundensieger Köln und im Finale der Zweite Mannheim bezwungen worden sind. „Ich glaube, dass der Kern dieser Mannschaft die Gewinnermentalität mitbringt“, so Stürmer Marcel Noebels nach dem fünften Titel binnen sechs Jahren.

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Für Andreas Eder war er besonders emotional. Es war sein erster Titel mit den Berlinern, bei denen auch sein Bruder spielte. Vergangenes Jahr starb Tobias Eder. „In dem Trikot, das mein Bruder als letztes getragen hat, das kann ich nicht in Worte fassen. Was diese Mannschaft die letzten zwei Jahre gemacht hat. Wir haben eine brutal geile Truppe“, so der Stürmer, der als erster Eisbären-Profi den Pokal überreicht bekam. Während viele der Mannheimer Fans laut pfiffen.

Ronning, Kirk und Mik treffen im fünften Finalspiel

Die Endspielserie hatte nach einem zunächst eher einseitigen Verlauf in Berlin noch einmal an Spannung gewonnen. Mit der ersten Heimniederlage (3:4 n.V.) im Play-off machte der Titelverteidiger eine neue Erfahrung. Mannheim schöpfte mit dem ersten Sieg in der vierten Partie gegen die Eisbären neuen Mut. Wie sich das auswirkte, musste sich am Sonntag herausstellen. Die Berliner orientierten sich nach vorn. Sie warteten nicht ab, sondern wollten den Ton angeben.

Wir mussten so viel durchmachen. Für mich ist dieser Titel sehr speziell, es gab lange Zweifel an uns. Die Disziplin und die Verbundenheit aller ist unglaublich.

Serge Aubin, Trainer der Eisbären Berlin

Dabei achteten die Eisbären etwas mehr auf ihre Defensive als zuletzt. Die Arbeit im Forechecking blieb dennoch aufmerksam. Als Frederik Tiffels einen Puck eroberte und ihn an Ty Ronning weiterleitete, traf dieser zur Führung (20.). Auf den Rängen der Mannheimer Arena fingen die gut 700 Fans der Eisbären an zu hüpfen, sangen vom Titel. Der rückte wenig später wieder ein Stück näher, als Liam Kirk nach einer schönen Kombination über Noebels das 2:0 erzielte (22.).

Adler Mannheim - Eisbären Berlin
Geschafft: Die Eisbären Berlin feiern ihren Sieg in Mannheim.© Florian Wiegand/dpa | Florian Wiegand

Daraus erwuchsen verzweifelte Angriffswellen der Adler. Einmal mehr zeichnete sich dabei Torhüter Jonas Stettmer, der anschließend zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde, mit blitzschnellen Reflexen aus. „Ich habe mir das niemals erträumt. Wir haben alles gegeben und sind verdient wieder mal deutscher Meister. Ich habe heute alles, was möglich war, auf dem Eis gelassen“, sagte Stettmer.

Eisbären Berlin bringen Vorsprung diesmal über die Zeit

Mit zwei Toren lagen die Eisbären auch am Donnerstag im dritten Drittel vorn. Diesmal wollten sie diesen Vorsprung unbedingt über die Zeit bringen. Das gelang dem Team, für das Ronning (44.) und Eric Mik (58.) vor dem Gegentor von Marc Michaelis (59.) erhöhten, mit leidenschaftlichem Einsatz. Mit der Routine des Rekordmeisters. „Wir haben uns nach der Olympiapause viel vorgenommen und den Weg geebnet, damit wir das zusammen schaffen können“, erzählte Verteidiger Jonas Müller und trug dabei goldene Konfettischnipsel im Gesicht.

Der große Wille der Eisbären ließ sich letztlich nicht brechen. Wie schon in den Jahren zuvor musste Straubing das leidlich erfahren. Die Niederbayern fanden zum dritten Mal in Folge kein Mittel, ihre Hauptrundenleistung in das Play-off zu transportieren. Köln als bestem Team der Punktephase erging es ebenso. Selbst Mannheim, das mit einem großzügigen Kader und reichlich Titelambitionen alles versucht hat, stand am Ende wie ein Lehrling da beim Anblick der meisterlichen Vorführungen der Berliner.