Was auf den Rängen passiert, nehmen die Profis auf dem Eis wahr. Zu übersehen sind die Choreografien der Fans der Eisbären Berlin meist ja auch nicht. Leonhard Pföderl ist in jedem Fall angetan davon, was der Anhang in der Stehplatzkurve der Uber Arena sich da immer einfallen lässt. „Das ist schon geil, das gefällt mir sehr gut. Das ist wie beim Fußball, fehlt bloß noch Pyro, dann wäre alles perfekt“, so der Stürmer nach der jüngsten Präsentation.

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Für das Feuerwerk sorgte die Mannschaft am Sonntagnachmittag daher selbst, was in der Halle auch vernünftiger ist. Vor den 14.200 Besuchern spielte der Titelverteidiger den Hauptrundensieger aus Köln teilweise schwindelig und machte Spiel drei des Halbfinales zu einer weitgehend einseitigen Angelegenheit. Mit 4:2 (0:0, 1:0, 3:2) gewannen die Berliner und führen in der „Best of seven“-Serie damit 2:1. Am Mittwoch geht es bei den Haien mit Spiel vier weiter.

Eisbären Berlin geben eine beachtliche Antwort

Der Spielverlauf passte gut zur neuen Choreo. Die war eine Fortsetzung aus dem Viertelfinale gegen Straubing, bei der die Eisbären als Könige der Deutschen Eishockey Liga (DEL) um ihren Thron kämpften. Im zweiten Teil trug der Liga-König nun nicht nur den Meisterpokal in der Hand, sondern hatte in der anderen Pranke einen Hai – gewissermaßen am Haken. Die sportliche Demonstration dazu gefiel Pföderl ebenso: „Das war bestimmt unser bestes Saisonspiel überhaupt.“

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Tatsächlich überzeugten die Berliner. Es war eine Partie, in der sie eine Reaktion erbringen mussten. Ähnlich wie in der Viertelfinalserie gegen Straubing, auch dort war das erste Auswärtsspiel mit 1:5 verloren gegangen. Danach allerdings traten die Eisbären anders auf, waren in den Spielen meist präsenter. Das fand diesmal seine Fortsetzung, mit viel Tempo drängten sie die Rheinländer in die Defensive. Stetig setzten die Berliner nach, ließen dem Gegner nie Zeit oder Platz. „Alle waren fokussiert, jeder hat seinen Job gemacht“, sagte Trainer Serge Aubin.

Stürmer Veilleux fehlt auch in der nächsten Partie

Der hatte einiges verändern müssen. Nachdem sich Yannick Veilleux in Köln am Freitag noch ein unnötiges Foul kurz vor Spielschluss geleistet hatte, ist der Angreifer nachträglich für zwei Spiele gesperrt worden. Der angeschlagene Marcel Noebels kehrte zurück. Daneben stand Verteidiger Mitch Reinke nach überstandener Verletzung erstmals seit Anfang März wieder auf dem Eis. Markus Niemeläinen musste dafür auf die Tribüne. Auf der Bank fand sich Torhüter Jonas Stettmer wieder, Jake Hildebrand durfte erneut ran.

EHC Eisbären Berlin - Kölner Haie KEC
Die Fans der Eisbären Berlin setzen ihre Choreografie aus dem Viertelfinale nun gegen Köln fort.© picture alliance / contrastphoto | O.Behrendt

Trotz der sehr einseitigen Partie blieb der EHC lange ohne Treffer. Vor dem Tor fehlte die Genauigkeit, hin und wieder wirkten die Spielzüge zu kompliziert. Allerdings standen die Kölner auch sehr kompakt. Erst als die Berliner erstmals in Überzahl spielten, traf Pföderl zum 1:0 (23.). Es war in mehrfacher Hinsicht ein wichtiger Treffer. Top-Stürmer Pföderl erzielte (nach insgesamt 13 Partien ohne Tor) endlich seinen ersten Play-off-Treffer. Es war ebenso das erste Überzahl-Tor des EHC in der Serie gegen die Haie und deren erster Unterzahl-Gegentreffer in der gesamten K.o.-Runde.

Eisbären Berlin haben Besuch vom Regierenden Bürgermeister

Vielleicht löste das also ein paar Knoten. Zumindest entfesselte es vor den Augen des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) einen wahren Angriffssturm des Rekordmeisters. Der hielt den Druck konstant hoch, gab etliche Schüsse auf das Tor der Kölner ab. Teilweise sah es so aus, als wären die Berliner im Powerplay, obwohl die Haie fünf Feldspieler auf dem Eis hatten. „Das war das Beste, was ich diese Saison gesehen habe“, sagte selbst der Kölner Coach Kari Jalonen. Einzig sein Torhüter Janne Juvonen hielt die Haie im Spiel.

Sonst kamen die Gäste angesichts der Berliner Überlegenheit nicht zur Geltung. Dennoch blieb die Situation heikel, da die Eisbären anders als beim 6:3 im ersten Heimspiel nicht gleich nachlegten. Zu Beginn des Schlussabschnitts aber nutzte Jonas Müller einen Abpraller von Juvonen (42.). Wenig später erhöhte Lester Lancaster aus der Distanz auf 3:0 (46.). Die Berliner belohnten sich für ihren starken Auftritt. Was wichtig war, denn Köln kam durch Dominik Bokk (53.) und Oliwer Kaski (56./Überzahl) noch einmal heran.

Ehe Pföderl mit einem Schuss ins leere Tor (58.) zeigte, dass der Knoten bei ihm tatsächlich geplatzt war. „Heute haben wir es durchziehen können“, sagte er. Der Hai hing am Haken.