Der Ausflug in die Fankurve zog sich hin. Die Wege in einer Fußballarena sind eben etwas länger. Das kann Folgen haben, vor allem wenn der euphorisierte Anhang das seltene Spektakel genüsslich auskostet. „Mir ist jetzt kalt“, sagte Jonas Müller, der Kapitän der Eisbären Berlin, als er zurück in den Katakomben des Dresdner Rudolf-Harbig-Stadions war und wieder etwas Wärme fühlte. Er lächelte, weil das Ergebnis stimmte und insgesamt alles einmalig war.

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Mehr Wintergefühl hatte ein Winter Game in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) tatsächlich nie geboten. Viele gingen in die Knie, wippten immer wieder auf und ab. Andere legten sich stimmlich ins Zeug, das fordert ja auch den ganzen Körper. Leistung erzeugt Energie, bringt einen etwas auf Trab und ein bisschen auf Temperatur. Das war wichtig, denn das Thermometer zeigte zehn Grad minus, als die Eisbären Berlin sich mit den Dresdner Eislöwen unter freiem Himmel maßen.

Eisbären Berlin spielen vor 32.248 Zuschauern

Ins Schwitzen kamen definitiv nur die Spieler, die gerade auf dem Eis waren. „Ich fand es angenehm“, so Müller zu seinen Einsätzen. Doch der Titelverteidiger mühte sich vor 32.248 Zuschauern sehr gegen den Tabellenletzten. Mit 3:2 (0:0, 1:1, 1:1, 1:0) nach Verlängerung gewannen die Eisbären schließlich. „Ein besseres Stadion kann man sich nicht aussuchen, die Stimmung war richtig schön. Es hat viel Spaß gemacht, so was mal mitzumachen“, so der Verteidiger.

Dresdner Eislöwen gegen Eisbären Berlin - DEL WINTER GAME 2026
Eine der drei Choreografien der Fans der Eisbären Berlin beim Winter Game.© PENNY DEL / City-Press GmbH | City-Press GmbH Bildagentur

So wie er schwärmten viele. Rund um die eingebaute Eisfläche, die sonst bei Winter Games mit weißen Teppichen umsäumt wird, um eine Winterillusion zu schaffen, lag diesmal echter Schnee. Jeder brauchte eine ganze Reihe an Utensilien, die einen irgendwie warmhielten. Viele Mützen fanden daher auch auf den Bänken der beiden Klubs ihre Verwendung. Nur Comedian Olaf Schubert blieb bei seinem kurzen Pausenauftritt kurzärmlig, trug aber trotzdem eine farblich zum Pullunder passende Mütze.

Ausflug in die Geschichte des ostdeutschen Eishockeys

Durch die nicht einfachen Umstände fühlte sich diese Partie völlig anders an als normale Spiele. Für die Profis sind die ungewohnten Licht- und Eisverhältnisse aber ebenso herausfordernd wie die Akustik in so einer großen Arena. „Da sind so viele Variablen, die es sonst nicht gibt“, so Dresdens Trainer Gerry Fleming: „Man muss mit allem rechnen.“ Aus Berliner Sicht auch mit erschwerten Bedingungen bei der Anreise. Viele Züge in Richtung Dresden fielen aus, auf der Autobahn war es dementsprechend voll.

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Einige kleinere Lücken auf den Tribünen zeugten davon, dass mancher es wohl nicht zum Spiel geschafft hat. Wer dort war, durfte einen kleinen Exkurs in die Geschichte des ostdeutschen Eishockeys erleben vor dem Beginn der Partie. Mit vielen Darstellern wurde daran erinnert, wie sich der Sport in der DDR und auch danach entwickelt hat – mit Berlin und Dresden im Mittelpunkt. Die Fans der Eisbären zeigten drei große Choreografien, jeweils eine pro Drittel.

Dresdner Eislöwen gegen Eisbären Berlin - DEL WINTER GAME 2026
Liam Kirk (r.) trifft im neunten Spiel in Folge für die Eisbären Berlin.© PENNY DEL / City-Press GmbH | City-Press GmbH Bildagentur

Das behinderte kurzzeitig die Sicht für die Berliner Anhänger, aber auch hier bot das Freiluftspiel, das die Sachsen seit Mitte Dezember im Stadion vorbereiteten und das mit Fixkosten von etwa 800.000 Euro zu Buche schlägt, seine Eigenheiten. Eine Kameradrohne flog oft relativ tief über dem Eis, sodass man das auf den oberen Rängen irritierend als Puck wahrnehmen konnte. Auf dem Eis störte das natürlich kaum.

Dort kamen die Eisbären gut in die Partie, hatten mehr Spielanteile, konnten die Dresdner aber kaum gefährden. Stattdessen nutzten die Eislöwen die zunehmenden Nachlässigkeiten, im Nachsetzen brachte Tomas Andres den Puck an Jake Hildebrand vorbei zum 0:1 (25.). Doch der EHC konnte bald reagieren, Liam Kirk glich aus (34.). Im neunten Spiel in Folge traf der Brite damit und erzielte Tor Nummer 14.

Eisbären Berlin wieder mit zwei Treffern von Kirk

Allgemein aber bewegte sich das Team von Trainer Serge Aubin, dessen Anhänger den Stadionausflug gleich für ein klein wenig Pyro-Erleuchtung nutzen, auf dem Niveau der Partie in Iserlohn (3:4) zwei Tage zuvor. „Dresden hat es uns schwer gemacht“, so der Coach. Das Schlusslicht kämpfte, um die geringe Chance auf den Klassenerhalt nicht weiter schrumpfen zu lassen. Und kam durch Alec McCrea zum zweiten Treffer (54.).

„Die Gegentore waren einfache Fehler, die man vermeiden kann. Wir haben uns aber gut zurückgekämpft“, sagte Müller. Kurz vor Schluss glich Ty Ronning aus (59.), erneut Kirk traf nur 14 Sekunden nach dem Beginn der Verlängerung. „Ich bin froh, dass wir mit einem Sieg da rausgehen konnten“, sagte Kirk, der ebenso begeistert war wie alle Kollegen angesichts des einmaligen Spektakels unter freiem Himmel. „Was für eine tolle Erfahrung“, so Serge Aubin.

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