Kommentar

Die Eisbären sind noch viel zu launisch

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Marcel Stein
Marcel Stein über die Eisbären Berlin.

Marcel Stein über die Eisbären Berlin.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Die Eisbären zeigen immer wieder ihre hohe Qualität, rufen sie aber in ihren Spielen nicht konstant genug ab, meint Marcel Stein

Berlin. Wer nur die letzten zehn Minuten des Spiels zwischen den Eisbären Berlin und den Kölner Haien gesehen hat, der durfte schwelgen. Was für eine Rasanz, was für ein Willen, was für eine Durchsetzungskraft. Was für ein Team, das die Berliner in dieser Saison auf das Eis der Deutschen Eishockey Liga bringen. Binnen vier Minuten wurde drei Tore erzielt, die Haie hatten keine Chance.

Doch es gewann nicht die Mannschaft, die am Ende klar besser war. Die Berliner glichen nur von 1:4 auf 4:4 aus, und sie verloren schließlich doch in der Verlängerung mit 4:5. In Anbetracht der gezeigten Fähigkeiten viel zu wenig, einfach unnötig. Entsprechend missmutig gab sich Trainer Serge Aubin anschließend und forderte sein Team auf, aus solchen Partien endlich zu lernen. Offenbar sind die Berliner in der Lage, starkes Eishockey zu spielen. Doch sie tun es lediglich für ein Drittel – und das genügt nicht, um gegen starke Gegner zu gewinnen.

Schlechte Angewohnheiten können sich einschleichen

Launisch ist die Mannschaft von Aubin, fast schon ein bisschen divenhaft. Mit der Attitüde, dass es schon genügen wird, mal kurz aufzudrehen. Über weite Strecken fehlte es an Intensität gegen Köln, es wurde nicht genug zugepackt in der Abwehr, nur alibimäßig in die Zweikämpfe gegangen. Um sich dann irgendwann einmal richtig auszutoben und sich das Gefühl zu holen, dass man ja doch ganz toll spielen könne.

Das nervt den Trainer zunehmend. Auf diese Weise schleichen sich schlechte Angewohnheiten ein, die bald zu einem echten Problem werden können. Nämlich dann, wenn die Liga in ihre entscheidende Phase geht und das Hin- und Herschalten zwischen leblosen Phasen und lustvollem Spiel nicht mehr so einfach gelingt, weil die Gegner noch engagierter sind.

Dann wird es schwer, den vierten Platz zu halten, der ja ein Ziel der Eisbären ist. Nach vorn fehlen aufgrund der Launenhaftigkeit schon viele Punkte, ein besserer Platz scheint bereits fast verschenkt. Zumal die Berliner gegen die vor ihnen liegenden Klubs keine gute Bilanz haben. Nur wenn sie solche Darbietungen wie in den letzten zehn Minuten gegen Köln in einem Spiel auf 60 Minuten ausdehnen können oder zumindest die schwächeren Phasen so gestalten, dass der Leistungsabfall nicht zu krass ist, wird die Saison für die Berliner mit den gewünschten Ergebnissen enden.

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