Eisbären Berlin

Ex-Eisbär Fischbuch: Rückkehr als Topscorer

Bei den Eisbären wurde Stürmer Daniel Fischbuch aussortiert, in Nürnberg erlebt er einen unerwarteten Aufstieg.

Daniel Fischbuch ist in Nürnberg auf einmal der Topscorer.

Daniel Fischbuch ist in Nürnberg auf einmal der Topscorer.

Foto: GEPA pictures/ Marcel Engelbrecht via www.imago-images.de / imago images/GEPA pictures

Berlin. Die Situation wird ein wenig bizarr wirken, wenn die Nürnberg Ice Tigers am Sonntagabend in der Mercedes-Benz Arena auflaufen (19 Uhr, Magentasport). An die roten Helme, die den besten Punktesammler eines jeweiligen Teams schnell erkennbar machen, hat man sich in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) schon gewöhnt. Dass die Gegner mit Spielern kommen, die bereits beim eigenen Verein waren, gehört ebenso dazu. Doch dass ausgerechnet Daniel Fischbuch nun eben jenen roten Helm bei den Franken trägt, auf diese Wette hätte sich vor Saisonbeginn wohl niemand eingelassen. Zu unrealistisch.

Nun stehen sechs Tore und sechs Vorlagen in der Statistik des Stürmers, nach zwölf Spielen. Vergangene Saison, als er noch das Trikot der Eisbären Berlin trug, kam er auf zwei Treffer und vier Vorlagen – in 56 Partien. Eine ganz erstaunliche Entwicklung, die so nicht vorherzusehen war. Denn in seinen drei Jahren in Berlin ging die Tendenz des 26-Jährigen kontinuierlich nach unten. Bis die Eisbären den Angreifer im Sommer lieber wegschickten, als ihn das eine Jahr Vertrag erfüllen zu lassen, das er noch hatte.

Pföderl kam aus Nürnberg und trifft noch nicht gut

„Vielleicht war ein Tapetenwechsel bei ihm einfach nötig“, sagt EHC-Sportdirektor Stéphane Richer. Er hatte Fischbuch zuletzt hautnah erlebt, als Interimstrainer, und keine Entwicklung mehr gesehen, die den Berlinern vorteilhaft erschien. „Er ist ein guter Typ, aber bei uns hat es einfach nicht gepasst für ihn“, so Richer. Einsatzmöglichkeiten gab es genug aufgrund der vielen Verletzungen im Vorjahr, Fischbuch musste nicht nur in der vierten Reihe spielen. Doch es wollte nicht aufgehen für ihn.

Die Entscheidung, nicht mehr mit Fischbuch zu planen, fiel den Eisbären nicht sonderlich schwer. „Wir haben Leonhard Pföderl geholt und hatten junge Spieler, die kamen. Da haben wir uns anders orientiert“, so der Sportdirektor. Pföderl ist immerhin Nationalspieler, seit Jahren ein Torgarant. Bezeichnenderweise wechselte der Stürmer aus Nürnberg nach Berlin – und kommt bislang noch nicht sonderlich gut zurecht. Ein Tor und eine Vorlage weisen die Zahlen für ihn aus.

Fischbuch spielt jetzt in der Topreihe

Obwohl er das hat, was Fischbuch in Berlin nicht mehr spürte. „Fischi bekommt in Nürnberg Vertrauen und viel Eiszeit“, sagt Richer. Dazu spielt er in einer Topreihe. Allerdings sammelte der frühere Eisbär in den jüngsten drei Partien keine Punkte mehr. Doch sein Polster zu den Kollegen ist so groß, dass er in Berlin stolz den roten Helm präsentieren kann.

Bei den Eisbären hätten auch wegen der U23-Regel, nach der zwei Spieler unter 23 Jahren im Kader sein müssen, will man alle 19 Feldspieler aufbieten, andere in der Gunst vor Fischbuch gestanden. Für ihn wäre kein Platz im aktuellen Team. Deshalb ließ man ihn ja gehen. Deshalb wurde jüngst auch Charlie Jahnke nach Düsseldorf ausgeliehen. Von anderen versprachen sich die Berliner mehr als von dem 21 Jahre alten Stürmer. Von Supertalent Lukas Reichel (vier Tore, vier Vorlagen) etwa oder von Fabian Dietz (ein Tor).

Bei Jahnke muss eine Entscheidung her

Die Wege von Jahnke und den Eisbären kreuzten sich gerade. 0:4 verloren die Berliner am Freitag in Düsseldorf, Jahnke stand über 13 Minuten auf dem Eis. Dietz bei den Eisbären gerade mal eineinhalb Minuten. „Wir hatten 13 Stürmer und viele Strafminuten, das Spiel ist nicht gut gelaufen“, sagt Richer und will keine Tendenz daraus ableiten. Allerdings ist es für den 20-jährigen Dietz jetzt deutlich schwerer, Einsätze zu bekommen, weil mit dem jüngsten Zugang Landon Ferraro die Plätze noch umkämpfter sind.

Daher stellt sich die Frage, wie die Berliner bei Jahnke verfahren wollen. Bis zur Länderspielpause Anfang November läuft die Leihe mit der DEG. Sollten keine langwierigen Verletzungen auftreten, stünden die Chancen für Jahnke, der in acht Spielen noch nicht getroffen hat, beim EHC aber nicht gut. „Wir werden in der Pause mit allen reden“, sagt Richer, der auch noch über Sebastian Streu (19) verfügt, diesen aber nach sieben DEL-Partien beim Kooperationspartner Weißwasser in der zweiten Liga spielen lässt.

Fast scheint es, als gebe es derzeit genug deutschen Nachwuchs, der es wert wäre, mehr Zeit in der DEL verbringen zu können. Da jetzt aber neun Ausländerstellen belegt sind bei den Eisbären und es ausnahmsweise mal keine Verletzungsprobleme gibt, fehlt es an Fördermöglichkeiten. Insofern ist Richer froh, dass Jahnke gerade in Düsseldorf ist: „Er ist ein deutscher Spieler, der in der DEL spielen und sich weiterentwickeln kann. Das ist gut.“ Spätestens, wenn er mit dem roten Helm des Topscorers als Spieler einer Gastmannschaft in die Mercedes-Benz Arena kommt, würden die Fans der Berliner das weniger gut finden.