Eishockey

Was machen eigentlich die Abgänge der Eisbären?

Manchmal trauert man Spielern hinterher, manche will man nie wiedersehen. Die jüngsten Abgänge der Eisbären in der großen Übersicht.

Daniel Fischbuch fühlt sich bei den Nürnberg Ice Tigers äußerst wohl.

Daniel Fischbuch fühlt sich bei den Nürnberg Ice Tigers äußerst wohl.

Foto: EIBNER/Heike Feiner / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Es ist in jeder Saison das gleiche. Man wünscht sich, dass die Mannschaft endlich in Fahrt kommt, dass etwas passiert, dass Tore fallen oder Torhüter und Verteidiger eine stabile Einheit bilden. Tritt zu wenig von diesen Hoffnungen ein, die nicht nur Fans, sondern natürlich auch die sportlichen Leitungen der Mannschaften hegen, dann wird am Ende aussortiert. Das taten die Eisbären Berlin nach dem Abschluss der vergangenen Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) reichlich.

Wie zu Beginn jeder neuen Spielzeit fragt man sich dann aber irgendwann doch – vor allem, wenn es schon wieder nur mäßig läuft –, was die Abgänger der vorigen Saison denn nun eigentlich so treiben. Ob man dem einen oder anderen nicht doch noch mal eine Chance hätte geben sollen. Dieses Dilemma lässt sich kaum lösen, die Umstände, unter denen die Profis antreten, sind überall anders. Warum der eine hier besser und dort schlechter zurechtkommt, hängt oft an den Mitspielern, am Vertrauen des Trainers.

Die Morgenpost schaut nach den ersten vier Saison-Wochen der DEL einmal, was mit den Aussortierten so passiert ist, seit sie nicht mehr bei den Eisbären spielen. Wobei keiner der Spieler, die gehen mussten, wirklich gehen wollte. Alle hatten sich weiter in Berlin gesehen, trotz teils schwacher Darbietungen. Was ein wenig darauf schließen lässt, dass es den Spielern in Berlin vielleicht doch ein bisschen zu gut geht. Hier nun der Überblick:

Kevin Poulin (29): Der Torhüter war der Publikumsliebling, ein Mann spektakulärer Taten. Sein eher egozentrisches Verhalten kam aber nicht gut an in der Chefetage, man wollte mit ihm nicht verlängern. Einen neuen Verein hat der Kanadier bislang noch nicht.

Danny Richmond (35): Der Verteidiger spielte oft unauffällig, was ja nicht schlecht sein muss für einen Abwehrmann. Doch Tempo und Zug zum Tor fehlten zu oft, die Patzer häuften sich. Er beendete seine Karriere.

Ranford ist nicht der einzige, der noch keinen neuen Verein hat

Micki DuPont (39): Er war der Älteste im Team, aber trotzdem der punktbeste Verteidiger. Er wollte unbedingt weiterspielen, hätte sicher auch das Potenzial gehabt. Doch für ihn fand sich kein neuer Klub, er orientierte sich daher um und hat nun seine eigene Eishockeyschule, in der er als Coach arbeitet.

Jens Baxmann (34): Das Defensiv-Urgestein der Berliner musste sich einen neuen Klub suchen, weil die Eisbären ihre Abwehr verjüngen wollten und mehr Tempo bevorzugten. Baxmann spielt nun in Iserlohn, traf dort aber noch nicht und gab eine Vorlage in acht Spielen.

Mark Cundari (29): Der Verteidiger hatte in Berlin viel Pech, konnte aufgrund von Verletzungen kaum zeigen, was in ihm steckt. Das reichte den Verantwortlichen aber nicht, um ihm noch einmal das Vertrauen auszusprechen. Jetzt spielt er in Krefeld. Wegen Verletzungen kommt er bislang nur auf drei Einsätze, ohne Tore und mit einer Vorlage.

Maximilian Adam (21): Das Abwehrtalent suchte von selbst das Weite in der Hoffnung auf mehr Einsätze in der DEL, als die Eisbären ihm bieten konnten. In Wolfsburg bestritt er immerhin alle Spiele, aber hat weder Tore noch Vorlagen in der Statistik.

Brandon Ranford (27): Er zeigte am Ende so etwas wie eine leicht ansteigende Tendenz, allerdings überzeugte das die Berliner nicht. Auch kein anderer Klub fühlte sich bislang von den Fähigkeiten des Stürmers so angetan, dass man ihm einen Vertrag geben wollte.

Colin Smith (26): Wegen seines deutschen Pass hatten viele mit seinem Verbleib gerechnet, obwohl er sportlich nicht in Berlin abkam. Das realisierten letztlich auch die Eisbären und schickten ihn weg. In Ingolstadt hatte er durchaus einen passablen Start, traf zweimal und gab drei Vorlagen.

Zwei Ex-Eisbären scoren sehr zuverlässig für die neuen Klubs

Thomas Oppenheimer (30): Der Stürmer hatte viel Pech, fiel nach dem ersten Spiel für den Rest der Saison verletzt aus. Zu den alten Bedingungen wollten die Eisbären ihn danach nicht mehr halten, dann wollten sie ihn gar nicht mehr. Bislang fand er auch keinen anderen Klub, der Vertrauen in ihn hat.

Martin Buchwieser (30): Er war einer von zwei Spielern, die trotz laufenden Vertrags gehen mussten. Seine Ausbeute war als Stürmer einfach zu gering. Nur in der zweiten Liga fand er ein neues Engagement. Bei den Frankfurter Löwen trifft er nun wieder, fünf Mal in den ersten zehn Spielen. Dazu gab er drei Vorlagen.

Daniel Fischbuch (26): Neben Buchwieser musste auch er trotz Vertrags anderswo anheuern. Die Entwicklung stockte einfach. In Nürnberg wird Fischbuch jetzt erstaunlicherweise als Tormonster gefeiert. Mit sechs Treffern und sechs Vorlagen ist er Topscorer des Teams und hat nach zehn Spielen doppelt so viele Punkte auf dem Konto wie in der kompletten Vorsaison.

Jamie MacQueen (31): Noch ein Topscorer. Wenig überraschend, der Mann traf ja auch in Berlin ordentlich. Nun sein Defensivverhalten ist eben mehr als fragwürdig. Trotz acht Toren und fünf Vorlagen steht er auch jetzt wieder bei -3.

Fazit: Zugegeben, mit Daniel Fischbuchs Auferstehung hat niemand rechnen können. Zu eindimensional war er in den vergangenen Jahren. Ihm jetzt hinterher zu weinen, scheint daher nicht angebracht. Offenbar hat erst der Umgebungswechsel die Leistungssteigerung bewirkt. Die Tore von MacQueen nimmt sicher jeder gern mit, aber dass die Berliner weniger Konter zulassen, hat gewiss auch damit zu tun, dass es einen Spieler weniger gibt, dem Defensivarbeit nicht ganz so wichtig ist. Auch hier lässt sich der Verlust verschmerzen. Bei allen anderen Spielern haben die Eisbären ohne jeden Zweifel klug gehandelt, sie würden der Mannschaft vielleicht den Status quo der Vorsaison erhalten. Doch das war zu wenig, die Berliner wollen sich verbessern, dazu hätten diese Akteure nur wenig bis gar nichts beitragen können. Ob die neuen Spieler dazu in der Lage sind, ist eine ganz andere Sache und wird sich erst erweisen müssen. Wobei es nach dem 4:2 in Ingolstadt vom Sonntag eine klare Tendenz nach oben gibt.

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