Eishockey

Ein neuer Mann zwischen den Pfosten für die Eisbären

Die Eisbären verzichten auf den exzentrischen Kevin Poulin und setzen lieber auf den Deutsch-Dänen Sebastian Dahm.

Torwart Sebastian Dahm wechselt aus Iserlohn zu den Eisbären.

Torwart Sebastian Dahm wechselt aus Iserlohn zu den Eisbären.

Foto: Uwe Anspach / picture alliance/dpa

Berlin. Der Montag war für Serge Aubin ein Tag, an dem er viele neue Gesichter sah. Er durfte sich umschauen. In Hohenschönhausen, wo gerade die jungen Spieler des EHC Eisbären mit dem Sommertraining begannen. In der Mercedes-Benz Arena, wo die Berliner ihre Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) austragen. Künftig wird der 44 Jahre alte Kanadier dann immer dabei sein, im besten Fall erst einmal zwei Jahre lang, so sieht es sein Vertrag als neuer Trainer der Eisbären vor.

Bei den ersten Erkundungstouren durch die neue Umgebung lernte Aubin ein paar Talente kennen. Auch mit dem bisherigen Betreuerstab will er reden, um zu schauen, ob man zusammenpasst oder dort noch nachjustiert werden muss. Es sei eine Ehre für ihn, nun beim Klub zu sein. „Nach vielen Diskussionen mit Peter und Stéphane habe ich gemerkt, dass wir dieselben Vorstellungen haben“, erzählt Aubin. Klubchef Peter John Lee und Sportdirektor Richer hatten das zuvor ähnlich ausgedrückt, Aubin erfülle alle Anforderungen. „Ich weiß genau, wie ich spielen lassen möchte. Wir wollen die Leidenschaft, die unsere Fans für das Spiel haben, repräsentieren, schnell und dynamisch sein“, sagt Aubin.

Sebastian Dahm tritt mit Dänemark bei der WM an

Vom Engagement der Anhänger der Eisbären haben sie den Trainer schon berichtet. Wohl auch von der Ablehnung, die man schnell bei ihnen erfahren kann. Oder von der Zuneigung, die viele für Torhüter Kevin Poulin hegen. Die Entscheidung über dessen Verbleib bei den Eisbären hatten Richer und Lee auch mit dem neuen Trainer verbunden. Ausgetauscht hat man sich wohl. Mit dem Ergebnis, dass Poulin, der nach eigener Aussage gern beim EHC geblieben wäre, keinen Vertrag mehr erhalten wird. Stattdessen haben sich die Eisbären mit Sebastian Dahm auf einen Kontrakt für die neue Spielzeit geeinigt.

Bestätigt wurde das am Montag noch nicht. „Wir wissen, dass die Position sehr wichtig ist. Wir wissen auch, dass wir viel Potenzial mit unseren jungen Deutschen haben. Sicher wird noch einer kommen, die beiden zu unterstützen“, so Richer nur. In den nächsten Tagen soll die Entscheidung aber bekanntgegeben werden.

Dahm ist 32 Jahre alt, hat durch mehrere WM-Turniere mit Dänemark einige internationale Erfahrung. Auch bei den am Freitag in der Slowakei beginnenden Titelkämpfen gehört Dahm zum dänischen Kader. Ein Vorteil bei ihm ist auf jeden Fall, dass er einen deutschen Pass besitzt, da seine Mutter eine Deutsche ist. Das gibt den Eisbären die Chance, die vom Kanadier Poulin frei werdende Lizenz in einen Feldspieler zu investieren.

Kevin Poulins schwieriger Charakter war wohl ein Problem

Wie sinnvoll der Tausch auf der Torhüterposition ist, muss sich zeigen. Poulin, immerhin mit viel NHL-Erfahrung und Olympia-Einsätzen, konnte auf starke Statistiken verweisen. Dennoch kreiden die Verantwortlichen offenbar zum Großteil dem Torwart das Ausscheiden im Viertelfinale gegen München an. Außerdem spielt wohl sein eher schwieriger Charakter eine entscheidende Rolle. Er habe sich recht egoistisch präsentiert und ziemlich viel Unruhe in das Team gebracht.

Dahm soll in dieser Hinsicht ein wesentlich umgänglicherer Zeitgenosse sein. Zuletzt spielte der Deutsch-Däne zwei Jahre in Iserlohn, konnte allerdings nur in der ersten Saison überzeugen. Die vergangene Spielzeit beim DEL-Vorletzten verlief mit einer Fangquote von 89,7 Prozent sehr durchschnittlich – Poulin hatte trotz schwacher Leistungen der Eisbären immerhin 91,5 Prozent aufzuweisen in der Punkterunde.

Marvin Cüpper in Berlin, Maximilian Franzreb in Weißwasser

Neben Dahm soll vor allem Marvin Cüpper (25) aufgebaut werden nach einer Saison, in der er verletzungsbedingt fast komplett ausgefallen war. Maximilian Franzreb (22), der bei den Berlinern zuletzt als Nummer zwei hinter Publikumsliebling Poulin agierte, soll hauptsächlich bei Kooperationspartner Weißwasser in der zweiten Liga spielen.

Bei der Vorstellung des neuen Trainers ließ Sportdirektor zudem wissen, dass die Berliner derzeit nicht mit Stürmer Thomas Oppenheimer planen, nachdem es zuvor geheißen hatte, dass man verhandle. „Es könnte sein, dass der eine oder andere noch gehen muss“, so Richer. Ob der vielen Veränderungen ahnt Aubin, was für eine schwere Aufgabe auf ihn wartet. „Es wird eine Zeit dauern, bis wir unser höchstes Niveau erreicht haben“, so der Coach, der im Januar bei den ZSC Lions in der Schweiz unter anderem gehen musste, weil man ihm vorwarf, zu defensiv zu spielen. „Ich glaube nicht an defensives Eishockey, sondern an verantwortungsvolles. Ich habe einen klaren Plan“, erzählt er nun in Berlin. Tempo sei eine seiner Maxime. Entsprechend sollen die Eisbären unter ihm auftreten.

Zur Formulierung großer Ziele ließ sich Serge Aubin allerdings bei seinem ersten Auftritt als EHC-Coach nicht hinreißen. Man wolle mit den Besten mithalten, sagte der Kanadier eher allgemein und fügte an, dass das jedoch eine große Herausforderung werde.

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