Eishockey

Ein Transfer als Zeichen an die Liga

Mit der Verpflichtung von Milan Jurcina geht es für die Eisbären nun um den Titel in der DEL. Am Freitag in Wolfsburg gibt er sein Debüt.

Der slowakische Nationalspieler Milan Jurcina im Wellblechpalast

Der slowakische Nationalspieler Milan Jurcina im Wellblechpalast

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Nicht nur mit seiner Statur fiel Milan Jurcina sofort auf. Auch die Kleiderauswahl des Hünen hob sich ab. Eine passende Hose im Eisbären-Look fand sich offenbar nicht so schnell für den neuen Verteidiger der Berliner, also trug er seine eigene. Seine besten Zeiten hat das gute Stück schon hinter sich. Zerrissen auf beiden Oberschenkeln, die Farbe verblasst.

Das kleine Logo unten kurz über dem rechten Knie ist kaum mehr richtig zu erkennen. Wer genau hinsieht, kann das Markenzeichen der New York Islanders dort sehen. Für die Islanders spielte Jurcina mal in der NHL, der besten Liga der Welt. Jetzt ist er in Berlin, und Jurcina (32) steht als Beispiel dafür, dass sich das Denken beim EHC Eisbären geändert hat.

Mit Gervais bei den Islanders

Bei den Islanders lief Jurcina mal zusammen mit Bruno Gervais auf. Weil der mit Kreuz- und Innenbandriss bei den Berlinern bis Saisonende ausfällt, holten die Eisbären für den Rest der Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nun den slowakischen Nationalspieler. Einen Mann mit starker Vita – Olympiafünfter, mehrfacher WM-Teilnehmer, 451 NHL-Einsätze. Einen Mann mit erfrischender Ehrlichkeit. „Ich hatte auch andere Angebote, aber die Eisbären sind Erster in der Tabelle, sie wollen den Titel gewinnen. Das war der Hauptgrund, warum ich mich für sie entschieden habe“, sagt er nach dem ersten Training mit dem Team am Dienstag.

Bei Medvescak Zagreb hielt es ihn nicht mehr, der Klub hat kurz vor dem Ende der Hauptrunde in der pan-russichen KHL keine Chance mehr auf das Play-off. „Deshalb habe ich gefragt, ob ich gehen kann“, so der Verteidiger. Jurcina will spielen – und er will Erfolg haben. Geld, sagt er, habe bei seinem Wechsel nach Berlin deshalb nicht im Vordergrund gestanden.

Eine gute Kombination für die Eisbären. Die haben kurz vor Transferschluss schon lange nicht mehr in dieser Größenordnung zugeschlagen. Das spricht für einen Sinneswandel. Schließlich stehen die Berliner unter Kostendruck seitens Eigentümer Anschutz, sie sind angehalten, jede Investition genauestens abzuwägen. Schon bei der Verpflichtung von Mark Olver Ende Oktober überlegte man lange. Intern galt eine weitere Verpflichtung lang als unwahrscheinlich, zumal mit Stürmer Mark Bell ein Langzeitverletzter zurückkehrte und auch Verteidiger Frank Hördler am Freitag bei den Grizzlys Wolfsburg wieder dabei sein soll.

Gute Entwicklung macht Lust auf mehr

Nach zwei schwachen Jahren ohne Viertelfinale entwickelte sich die Mannschaft unter Trainer Uwe Krupp allerdings schneller als erwartet und spielt eine überraschend starke Hauptrunde. Trotz des nun schon vierwöchigen Ausfalls von Gervais, der sich als große Stütze etabliert hatte. „Die Verteidigung hat einen guten Job gemacht“, sagt Krupp. Doch die vielen jungen Abwehrspieler wären im Play-off ein Risikofaktor. „Wir brauchen Stabilität und Erfahrung“, so Krupp. Die ist mit Jurcina nun vorhanden.

Seine Verpflichtung darf als ein klares Indiz gelten, dass der Saisonverlauf beim Sportlichen Leiter Stefan Ustorf und bei Manager Peter John Lee Lust auf mehr gemacht hat. Besser als in den Vorjahren wird man sicher abschneiden, das war das wichtigste Anliegen des DEL-Rekordmeisters für diese Saison. Dieses Ziel kann nun nach oben angepasst werden. Ab jetzt wollen die Berliner um den Titel mitspielen.

Dafür ordnen sie sich auch einem Trend unter und vergeben mehr Ausländerlizenzen als in der Vergangenheit. Fast alle Spitzenklubs haben zuletzt kräftig nachgelegt und ein oder zwei Ausländer mehr unter Vertrag, als pro DEL-Spiel eingesetzt werden dürfen (9). Durch Gervais’ Ausfall muss bei den Eisbären jedoch kein Kontingentspieler zuschauen.

Mit Vehanen in Finnland

Offensiv dürfte Jurcina keinen so großen Einfluss haben wie Gervais. „Ich bin ein defensiv solider Verteidiger, der seine Größe nutzt und körperlich spielt“, sagt Jurcina. Der frühere EHC-Profi Mark Katic, der ebenfalls in Zagreb tätig ist, empfahl ihm die Eisbären. Auch mit Torhüter Petri Vehanen spielte er schon in Finnland zusammen. Nach seinem ersten Training in Berlin fand der Slowake: „Sie haben hier alles, was nötig ist, um erfolgreich zu sein.“ Genau so hatte er sich das vorgestellt. Kommen, sehen, siegen – und vielleicht schnell wieder verschwinden. Für die nächste Saison ziehe es ihn eher zurück in die KHL, sagt er, aber wer weiß.

Dann jedoch mit einer vollendeten Kindheitsgeschichte. Jurcina hat früher Spielerkarten aus der NHL gesammelt. Die von Uwe Krupp, als der für Colorado Avalanche auflief und dort den Stanley Cup gewann, war auch dabei. „Die muss ich mir unterschreiben lassen“, sagt der Slowake, der dem einstigen NHL-Verteidiger Krupp in seinem Stil nicht unähnlich ist.