Das Grundsätzliche muss zuerst kommen. „Es ist ein Fernsehspiel, da schaut die Oma zu, toll“, sagt Florian Busch. Aber auch sonst bietet die Partie am Sonntag einige interessante Zutaten (17.45 Uhr, ServusTV). Stürmer Busch und der EHC Eisbären reisen nach Mannheim, um dort gegen die Adler zu spielen, den souveränen Tabellenführer, „die im Moment stärkste Mannschaft in Deutschland“, wie Uwe Krupp sagt. Der neue Trainer wiederum verhalf den Eisbären jüngst zu einer Renaissance. Mal sehen also, was die wirklich wert ist.
Verstecken jedenfalls, das bräuchten sich die Berliner laut Krupp nicht, sie müssten nur hellwach sein, „aber auch frech spielen“. Dafür scheint die Zeit gerade recht zu sein, mit dem 1:3 in Augsburg nach dem 0:4 in Nürnberg kassierten die Adler nun erstmals in dieser Saison zwei Niederlagen in Folge. Andererseits: Was macht das schon bei zehn Punkten Vorsprung auf Rang zwei und 19 auf die fünftplatzierten Berliner? „Die Tabellenführung bedeutet nicht, dass wir jetzt nachlässig werden dürfen“, sagt Geoff Ward dazu, der Trainer der Adler.
Nein, dürfen sie nicht. Dafür ist Ward ja da. Seit er im Sommer in Mannheim übernommen hat, ist es nicht nur seine Aufgabe, die Mannschaft zu trainieren, sondern unerfüllte Wünsche soll der Kanadier endlich wahr werden zu lassen. Er soll den Adlern wieder das Selbstwertgefühl zurückgeben, mit dem sie so lange als Rekordmeister durch die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) stolzierten. Ihre fünf Titel sind schon lange zwei zu wenig, sieben haben die Eisbären. Und alles Geld, davon setzte Mannheim enorm viel ein, half nicht, daran etwas zu ändern.
Wards Weg sieht erst einmal gut aus. So wie die Adler marschierte schon lange keiner mehr durch die Liga. Zuletzt vor fünf Jahren die Eisbären, doch ausgerechnet in jenem Jahr flogen sie völlig unvermittelt im Viertelfinale raus. „Wir wollen am Ende der Saison unser bestes Eishockey spielen“, sagt Ward häufiger. Obwohl es manchmal kaum möglich scheint, die Leistung der Adler noch zu steigern. Ward, 52, versucht es mit vielen Gesprächen.
Fast acht Jahre ohne Titel
Den richtigen Ton hat der Coach längst getroffen. „In den letzten Jahren ist unsere Mannschaft von einigen negativen Schwingungen begleitet worden. Diese Gedanken sind mit dem neuen Trainerteam weggewischt worden. Der Trainer ist nicht mit der Vergangenheit vertraut, so ist er auch an die Sache herangegangen. Er vertraut den Spielern“, sagt Stürmer Christoph Ullmann, einer von drei Profis im Kader, die 2007 beim bislang letzten Titelgewinn dabei waren: „Wir wissen natürlich, dass das schon sehr lange her ist.“ Einmal standen die Kurpfälzer noch im Finale.
Sie unterlagen 2012 hochdramatisch den Eisbären. Näher als diesmal scheinen die Adler ihrem Ziel dennoch seither nie gewesen zu sein. Ward hat viel verändert in Mannheim. Er kam mit einem ganzen Stab, viel mehr Leuten, als sich zuvor in Mannheim um das Team kümmerten. „Was die Trainer in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt haben, ist aller Ehren wert“, sagt Manager Teal Fowler. Sogar ein Coach, der sich nur um die Schusstechnik der Spieler kümmert, wurde verpflichtet. Das erinnert fast schon an die NHL. Genau da kommt Ward auch her. Sieben Jahre arbeitete er als Assistent von Claude Julien bei den Boston Bruins und gewann 2011 den Stanley Cup. Überhaupt ist der Trainerstab in Mannheim nun sehr Boston-lastig, auch ehemalige Spieler von dort holte Ward zu den Adlern. Stürmer Glen Metropolit ist mit 40 Jahren zwar einer der ältesten Profis in der DEL, dennoch bester Punktesammler der Adler, und Jamie Tardif trifft am meisten. „Wir haben auf den Ausländerpositionen einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Geschäftsführer Daniel Hopp.
Der Trainer war nie Profispieler
Selbst Profi war Ward nie, als Trainer fing er dafür früh an. Er ist ein guter Analytiker, einer, dem ein starkes Gemeinschaftsgefühl wichtig ist in der Kabine. Dort lag über Jahre ein Problem bei den Adlern. „Wir haben eine geniale Truppe. Alle Spieler verstehen ihre Rolle innerhalb der Mannschaft, ziehen an einem Strang und stellen persönliche Interessen hinten an. Das ist enorm wichtig, um Erfolg zu haben“, sagt Metropolit. Ward beschäftigt sich auch sehr individuell mit den Profis. Sie in ihrer Entwicklung voranzubringen, ist jeden Tag sein Ziel.
Spielerisch lässt sich Wards Handschrift ebenfalls deutlich erkennen. In den vergangenen Jahren agierten die Adler weniger als sie reagierten mit ihrer defensiven Ausrichtung unter Harold Kreis und Hans Zach. Nun spielen sie nach vorn. „Da passt alles zusammen“, sagt Florian Busch. Da lohnt es sich so richtig für die Oma, das TV-Gerät einzuschalten.





