Ein freier Montag zwischen zwei Spielen am Sonntag und am Dienstag ist nicht gerade üblich. Zumal nach einer Niederlage. Aber die Mannschaft hatte zuletzt viele Einsätze in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Ein bisschen Erholung dürfte also guttun. Und außerdem spielte das Team des EHC Eisbären beim 3:5 in Iserlohn auch nicht so, dass erhöhter Trainingsaufwand die einzige Schlussfolgerung daraus wäre.
Im Gegenteil. Selbst die erste Niederlage im fünften Spiel unter Trainer Uwe Krupp stieß dem neuen Mann nicht bitter auf. „Das war kein schlechtes Spiel“, sagt er. Man habe die vielen Chancen nicht genutzt, Iserlohn habe aus wenig viel gemacht. Das kann vorkommen. Und es trübt auf keinen Fall den Eindruck, den der 49-Jährige nach gerade einmal zwei Wochen als Übungsleiter des EHC gewonnen hat.
Ganz generell lässt sich dieser dahingehend zusammenfassen. „Die Mannschaft ist in guter Form“, sagt Krupp. Sieben Siege in Serie vor dem Spiel in Iserlohn lassen wohl auch kein anderes Fazit zu. Doch innerhalb dieser Serie ist trotzdem etwas passiert. Die ersten drei Siege unter Vorgänger Jeff Tomlinson kamen noch wackelig daher, der Rest war von steigender Spielfreude und Souveränität geprägt und erinnerte schon an die Eisbären aus Meisterjahren.
„Die Mannschaft ist unheimlich aufmerksam“
Erstaunlicherweise ohne dass Krupp allzu viele Korrekturen vorgenommen hätte. „Wegen der vielen Spiele konnten wir gar nicht richtig trainieren“, sagte Verteidiger Jens Baxmann. Offenbar setzte mit Krupps Installation auf der mentalen Ebene eine Neuorientierung der Berliner ein, die eine signifikante Wirkung hervorbrachte. Eine, die er oft spürt. „Die Mannschaft ist unheimlich aufmerksam. Die Zusammenarbeit läuft gut. Die Spieler sind willig und motiviert“, so Krupp. Solch eine Wahrnehmung war Tomlinson nicht immer und schon gar nicht bei allen Profis vergönnt.
Viel davon hat mit Krupps Erscheinung zu tun, die so imposant ist wie seine Vita als erster deutscher Stanley-Cup-Sieger in der NHL. Ebenso mit dem natürlichen Antrieb der Profis, es unter neuer Anleitung besser machen zu müssen, um sich im Team zu behaupten. Das führt zu großem Einsatzwillen, zu viel Unterstützung unter den Kollegen auf dem Eis, zu mannschaftlicher Geschlossenheit. Mehr als ein paar kleine Anpassungen will Uwe Krupp daher auch gar nicht für sich reklamieren. Die Mannschaft steht etwas weiter zurückgesetzt im Forechecking, der Gegner hat es dadurch schwerer, die neutrale Zone zu überbrücken. Das nimmt ein wenig Risiko aus dem Spiel der Berliner, die Konteranfälligkeit sinkt. „Das Team hält sich an die Vorgaben, die Spieler sind schnell, gut an der Scheibe und taktisch diszipliniert“, sagt der Trainer. In Sachen Fitness profitiere er von der guten Arbeit unter Jeff Tomlinson.
Positives Umfeld
Für den lief es in eineinhalb Jahren aus verschiedenen Gründen, für die er nicht alle verantwortlich war, nie so wie gewünscht. Nicht zuletzt mit dem erstarkten Selbstvertrauen aufgrund der Serie hat sich inzwischen ein anderes Empfinden in der Mannschaft breit gemacht. „Über eineinhalb Jahre waren alle sehr frustriert. Jetzt ist wieder das Gefühl da, dass wir etwas schaffen können“, erzählt Manager Peter John Lee. Damit hat Krupp das Wichtigste schon geschafft, alles andere bestätigt ohnehin mehr die Erwartungen, die er von Beginn an bezüglich der Mannschaft hatte. Überrascht hat ihn dennoch etwas: „Es ist mir unheimlich leicht gemacht worden, mich hier wohlzufühlen. Das Umfeld ist unheimlich positiv.“ Sowohl die Fans als auch den Klub betreffend.
Ein paar Optimierungsmöglichkeiten sieht Krupp natürlich trotzdem, ein bisschen zu verspielt sei das Team ab und an. Die richtige Balance müsse man finden. „Das ist nicht einfach. Spieler brauchen Freiraum, um kreativ zu sein. Andererseits fehlt mit zu viel Kreativität manchmal die Zielstrebigkeit“, so Krupp. Im letzten Spiel des Jahres gegen den ERC Ingolstadt am Dienstag wird eine gute Mischung gefragt sein, wenn die Berliner den Titelverteidiger von Platz vier verdrängen wollen (19.30 Uhr, O2 World). An Energie jedenfalls dürfte es nach dem freien Montag nicht mangeln.





