Eishockey

Eisbären setzen ihre Klettertour gegen Wolfsburg fort

Wochenlang lief es schlecht für die Eisbären, eine ähnlich schlechte wie die vergangene Saison drohte. Das hat sich unter dem neuen Coach Uwe Krupp geändert. Nun reihen die Berliner Sieg an Sieg.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Eigentlich wollte er Polizist werden. Also nach seiner Karriere als Eishockeyprofi. Jetzt handelt er in seiner Heimat Kanada mit Getreide. Weil er da keinen Schichtdienst hat und mehr Zeit für die Familie. Mit der verbrachte Steve Walker die Weihnachtstage in Berlin, auf Einladung des EHC Eisbären, für den er von 2000 bis 2011 spielte. „Es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen“, sagte er zu seinem Empfang durch die Fans. Dabei stockte ihm die Stimme, denn der Anlass bewegte ihn sehr. Walkers Rückennummer, die 27, wurde vor der Partie gegen die Grizzly Adams Wolfsburg, die mit 3:1 (0:0, 1:1, 2:0) endete, unter die Decke der O2 World gezogen und damit stillgelegt.

Gut spielen und gewinnen

Damit ist Walker nun der Dritte nach Mark Beaufait und Sven Felski, der vom Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf diese Weise geehrt worden ist. Mit glasigen Augen verfolgte der 41-Jährige den Videoeinspieler mit Toren von früher und Worten alter Weggefährten. „Wir sind durch ihn alle bessere Eishockeyspieler geworden“, sagte Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Berliner. In 593 Partien für den EHC verbuchte Walker 592 Punkte, feierte fünf Meisterschaften. „Ich habe mein Herz und meine Seele für diesen Klub gegeben. Es war mir eine Ehre, hier zu spielen“, sagte Walker, der den Moment als einen der emotionalsten seines Lebens bezeichnete.

So viel Pathos verursachte das Spiel gegen die Niedersachsen bei den aktuellen Profis der Berliner nicht, Freude verspürten aber auch sie. „Wolfsburg ist sehr schwer zu spielen, sie stehen sehr kompakt“, sagte Verteidiger Jens Baxmann und äußerte Bedenken, ob die Eisbären diese Partie auch vor fünf Wochen gewonnen hätten. Da lief es ja bekanntlich nicht rund, inzwischen sieht die Welt anders aus. „Jetzt spielen wir gut und gewinnen auch noch, das ist um so schöner“, so Baxmann nach dem siebten Sieg in Folge.

Führungstreffer durch Baxmann fällt erst kurz vor Schluss

Vier davon gelangen unter dem neuen Coach Uwe Krupp, zum ersten Mal geriet die Mannschaft mit ihm an der Bande allerdings in Rückstand. „Danach sind wir besser geworden, hatten mehr Scheibenbesitz“, sagte der Trainer, dessen Team die Niedersachsen in der Tabelle überholte und nun Fünfter ist. Mit einer guten Mannschaftsleistung und viel Geduld konnten die Eisbären die Wolfsburger zu kleinen Fehlern zwingen und diese nutzen. Alex Trivellato glich mit seinem ersten Saisontor aus (38.), Baxmann erzielte kurz vor Schluss die Führung (58.), die Barry Tallackson mit einem Treffer ins leere Tor der Gäste noch erhöhte (59.).

In der Loge der Eisbären, die am Sonntag in Iserlohn spielen (17.45 Uhr, ServusTV), fühlte sich Ex-Kapitän Walker an alte Zeiten erinnert. „Ich bin ein Berliner“, bekannte er nach elf Jahren in der Hauptstadt. Auf eisbärisch heißt das: „Einmal Eisbär, immer Eisbär.“ Das gilt auch für kanadische Getreidehändler.