DEL

Vor dem Tor sind die Eisbären irgendwie blockiert

Die Berliner erarbeiten sich viele Chancen, doch beim Abschluss versagen oft die Nerven. Das kostet Punkte und ist gerade gegen die Adler Mannheim am Sonntag eine schlechte Voraussetzung.

Foto: Gladys Chai von der Laage / pa/

Einen Punkt gab es. Besser als mit leeren Händen dazustehen. Glücklich aber machte dieser Punkt nicht. Das war deutlich am Gesicht von Frank Hördler abzulesen. Leer wirkten seine Augen, er sah abgekämpft aus und enttäuscht. „Schade, wir haben 60 Minuten viel investiert und viele gute Chancen herausgearbeitet“, sagt der Verteidiger des EHC Eisbären. Trotzdem unterlagen die Berliner den Kölner Haien Freitag mit 2:3 n.P.

Es war wie so oft in dieser Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Bis zum Tor ist das Spiel der Mannschaft von Trainer Jeff Tomlinson relativ gut, der Abschluss aber misslingt zumeist. Jeden Treffer müssen sich die Berliner mit unglaublich hohem Aufwand erkämpfen, nichts geht einfach beim Rekordmeister, der einst dafür bekannt war, dass er es mit der Abwehr nicht so genau nimmt, weil er sowieso ein Tor mehr erzielt.

Das gilt inzwischen nicht mehr. Minimal konnte Tomlinson die defensive Aufmerksamkeit der Mannschaft sogar verbessern, in der DEL liegt man dort auf einem guten vierten Platz. Signifikant aber ist der Niedergang der Torproduktion in den zurückliegenden eineinhalb Jahren. 3,5 bis über vier Treffer pro Partie waren da früher angesagt, aktuell sind es gerade noch 2,87 Tore pro Spiel. Zu wenig, um konstant zu gewinnen. Das reicht nur für Platz neun in der DEL.

Hördler sieht die Situation als Hemmschuh. Als ehemaliges Spitzenteam fehle nun im hinteren Mittelfeld das Selbstvertrauen. „Wir müssen uns jedes Tor hart erarbeiten“, sagt der Nationalspieler. Oft genug ist es so, dass viele falsche Entscheidungen getroffen werden. „Schießt man, ist keiner vor dem Tor. Schießt man nicht, sind alle vor dem Tor“, so Hördler. Oft fehlt der Verkehr vor dem gegnerischen Kasten, um den Torhüter zu beeinflussen, will er damit sagen. Oder eben es herrscht Gewusel, aber dann traut sich keiner abzuziehen. Stattdessen wird umständlich um das Tor herum gespielt, so lange gezögert, bis die gegnerische Abwehr die Lage schließlich im Griff hat.

Frust und Verunsicherung

Oft sind es nur Millimeter, die den Berlinern fehlen. Oft genug prallt der Puck unglücklich ab, nur selten fällt ihnen ein Tor einfach in den Schoß. „Das Puckglück kann man nicht erklären“, sagt der Trainer. Dass diese Phase nun schon so lange anhält, frustriert die ohnehin verunsicherten Spieler, die sich als Teil eines Topteams sehen, noch zusätzlich. Mit Aktionismus suchen sie nach der Lösung, mit individuellem Mehraufwand, der oft in die falsche Richtung führt, weil damit das Teamspiel vernachlässigt wird. Die simple Lösung, die funktioniert meist nicht.

Die läge in noch konzentrierterer Verteidigung. Ein geringer Aufwand könnte eine große Wirkung zeitigen, denn oft verlieren die Berliner mit nur einem Treffer Unterschied. Zuletzt aber wurden dreimal Führungen im letzten Drittel verspielt. „Das liegt daran, dass der Druck auf unser Abwehrspiel als Mannschaft zu groß wird, weil wir zu wenig Tore schießen“, sagt Tomlinson. Panik macht sich breit, weil allen bewusst wird, dass vorn kaum mehr etwas geht, und das lähmt dann auch die Defensive.

Gegen den Tabellenzweiten Mannheim sind das am Sonntag im zweiten Heimspiel des Wochenendes nicht die besten Voraussetzungen (17.45 Uhr, O2 World, ServusTV). „Es wird noch ein harter Weg für uns“, sagt Frank Hördler. Dass alles schnell besser wird, daran glaubt er offenbar nicht.