In die Kabine geht er sowieso gern. Aber jetzt ist es noch etwas angenehmer. „Es wird mehr gelacht und gescherzt, dass macht es einfacher, da rein zu gehen“, sagt Petri Vehanen. Nachdem es einige Zeit lang eher ernüchternd gelaufen war für den EHC Eisbären, lässt sich nach der Länderspielpause mit zwei Siegen alles besser an. Die dunklen Wolken sind verflogen, die Stimmung ist wieder heiter.

Sogar ohne Gegentreffer blieben die Berliner am Sonntag beim 1:0 gegen Wolfsburg, zum ersten Mal in dieser Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Mit der Schlusssirene hob Torhüter Vehanen die Fäuste, ließ die Freude raus. „Das war defensiv unser bestes Spiel bisher“, sagt er. Es hat lange gedauert, bis er mit der Abwehr vor ihm mal richtig zufrieden sein konnte. Solche Arbeitsbedingungen sind ganz schön ungewohnt für den 37-Jährigen.

Trotzdem hadert er nicht damit. „Ich bin doch Teil der Mannschaft, also auch mitverantwortlich. Deshalb muss ich es nicht bereuen, hier im Tor zu stehen“, erzählt der Finne. Dass seine Statistiken sich lesen wie zu Beginn seiner Karriere, interessiert ihn nicht. Wer schon in der pan-russischen KHL Meister war, 2010 mit Kasan, wer den WM-Titel gewonnen hat, 2011, jeweils mit den besten Werten im Torhüter-Wettstreit, der kann jetzt gelassen auf die persönlichen Zahlen schauen.

Ziemlich froh sind sie bei den Eisbären, einen wie Vehanen gefunden zu haben. Als Ersatz. Denn lange waren die Berliner im Tor bestens ausgestattet mit Rob Zepp. In sieben Jahren avancierte der mit fünf Titeln zum erfolgreichsten Torwart in der DEL-Historie, dann zog es ihn im Sommer ins heimatliche Nordamerika. „Normal wird diese Position überall früh vergeben. Wir waren spät dran und hatten Glück“, sagt Manager Peter John Lee. Vehanen war nämlich auch spät dran, sein KHL-Team Lev Prag, mit dem er im Frühjahr noch im Finale gestanden hatte, zog sich zurück. „Ich hatte noch einen Vertrag für diese Saison. Als mein Agent mir dann vom Interesse der Eisbären erzählt hat, habe ich gleich versucht, das schnell klar zu machen“, sagt der Goalie. Allerdings nur zum Teil wegen des Eishockeys.

Bessere Bedingungen in Berlin

Da hätte er auch andere Angebote aus der KHL annehmen können. Doch diese Liga ist in jeder Hinsicht sehr anstrengend, dort wollte er nicht mehr bleiben, der Familie wegen. „In der KHL hast du achttägige Auswärtsreisen. Meine Kinder werden älter und fragten immer, warum ich so lange weg muss“, so der Finne. Jetzt ist er höchstens über Nacht weg. „Man lebt viel besser. Ich kann die Kinder von der Schule abholen und fast jeden Tag mit ihnen spielen, bis sie ins Bett gehen. Ich liebe so ein normales Familienleben.“ Genauso mag er Berlin, die vielen Möglichkeiten, die die Stadt bietet.

Mit dem Eishockey in der DEL kann er auch etwas anfangen, es ist nordamerikanischer, körperlicher als in der KHL. Vehanen kann sich gut arrangieren damit, weil er über einige Vorzüge verfügt. „Er ist sehr athletisch und technisch stark“, sagt Lee. Der Finne hat ein gutes Spielverständnis, er arbeitet sehr viel an sich. „Von der Einstellung her ist er Rob Zepp ähnlich, er will immer mehr tun als nur das normale Training“, sagt der Manager. Während Zepp dabei viel auf Videoanalysen setzte, bleibt Vehanen lieber auf dem Eis.

Kein Freund von Saufgelagen

Dort wirkt der fangsichere Weltmeister immer sehr unaufgeregt, in fast allen Situationen. Das unterscheidet ihn etwas von Zepp. „Petri ist sehr ausgeglichen, das braucht man“, sagt Lee. Auf die teils jungen Spieler vor ihm geht er beruhigend ein, selbst wenn sie Fehler machen. Überhaupt ist er in der Kabine überraschend locker, Finnen gelten ja eher als verschlossene Typen. Aber vielleicht fällt Vehanen da generell ein bisschen aus der Rolle. Finnen sind ja allgemein auch Menschen, die es ab und zu richtig krachen lassen.

Der Torwart muss heute noch lachen, wenn er sich an die Heimreise von der WM 2011 erinnert. Ein Kollege kündigte an, finnisch zu feiern. Am nächsten Tag bei der Ankunft in Helsinki fiel ein Teammitglied volltrunken in den WM-Pokal, als es aus dem Flugzeug stieg. Es war Torwarttrainer Pasi Nurminen. „Nicht alle Finnen sind so. Das Turnier war so hart, mental und körperlich, ich war fertig und müde. Genau wie 2010 nach dem Titel in der KHL. Ich habe nur ein paar Gläser Wein getrunken und das Gefühl des Sieges genossen“, so Vehanen. Das war 2011 doppelt schön, denn im WM-Finale demütigte sein Team Schweden mit 6:1. Kaum etwas macht Finnen glücklicher als Siege gegen den Erzrivalen.

Dienstag geht es gegen Düsseldorf

In der Position des Gegenspielers sieht er sich bei Mathias Niederberger nicht. Auch der 21-jährige Torhüter wurde im Sommer verpflichtet, als Mann der Zukunft. Vehanen verspürt grundsätzlich keinen Neid gegenüber Kollegen: „Ich mag es, mich da auszutauschen.“ Bei Niederberger fungiert er sogar ein bisschen als Lehrer, die beiden verstehen sich aber auch privat. „Wir gehen shoppen, essen, schauen uns Berlin an“, sagt der Finne, der jetzt erst einmal Pause hat. Denn Niederberger wird in seiner Geburtsstadt Düsseldorf am Dienstag zwischen den Pfosten stehen. Aber das ist ja kein Problem für den umgänglichen Finnen, dessen Vertrag bis zum Saisonende läuft. Zepp hätte eines damit gehabt. Das Gesamtpaket beim EHC sagt Vehanen jedoch so sehr zu, dass er sich schon mal erkundigt hat, wie es mit der nächsten Spielzeit aussieht. Es sieht gut aus.