Das Programm ist gut gefüllt. Gerade erst kehrte Stefan Ustorf von einem Nachwuchsturnier in Boston zurück. Kurz zuvor war er eine Weile in Phoenix, um dort an einem Coachinglehrgang für ehemalige Eishockeyspieler aus der nordamerikanischen NHL teilzunehmen. Der nächste Termin steht schon fest, Ende Juni wird Ustorf seine Trainer-B-Lizenz in Köln angehen.
Zwischendurch vertreibt er sich die Zeit mit Büchern über Eishockey. „Ich versuche, mich weiterzubilden“, sagte der 40-Jährige. So viel ist klar, Ustorf legt sich ins Zeug, schließlich will er seinen neuen Job genauso gut machen wie seinen alten als Spieler, in dem er es bis zum Kapitän der Nationalmannschaft brachte.
Sechs Mal Deutscher Meister
Ustorf war auch Kapitän des EHC Eisbären, wurde mit den Berlinern sechs Mal Deutscher Meister. Jetzt wechselt er auf die andere Seite, schlüpft in die Rolle des Sportlichen Leiters beim EHC. Nach einer langen Zeit des Leidens. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich gesundheitlich an einem Punkt angelangt bin, dass ich mir das zutraue“, sagt der frühere Stürmer.
Ende 2011 erlitt Ustorf nach einem Check ein Schädel-Hirn-Trauma. Das veränderte sein Leben extrem, die Karriere war vorbei. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwierigkeiten mit den Augen begleiteten ihn stattdessen. Vollkommen genesen ist er nicht. „Ich werde nicht mehr bei 100 Prozent sein, ich habe mich damit abgefunden und gelernt, damit zu leben“, so Ustorf. Mittlerweile ist alles auf einem Niveau, bei dem er keine Probleme mehr sieht für die neue Arbeit. Nur das viele Reisen, wie er das verträgt, dass weiß er noch nicht.
Posten des Sportlichen Leiters wurde extra für Ustorf geschaffen
Der Posten, den er übernimmt, wurde extra geschaffen. Bislang erledigte Manager Peter John Lee alle Aufgaben allein. Doch Lee verlor zuletzt etwas den Bezug zur Basisarbeit im Verein, sein Engagement für die Nationalmannschaft und bei der Gründung der neuen Champions League forderten andere Prioritäten.
„Wir dürfen aber nicht vergessen, dass unsere Mannschaft immer die Nummer eins ist. Ich kann nicht mehr bei jedem Training sein, ich habe viel zu tun. Deshalb kann Stefan eine große Rolle für uns spielen“, sagt Lee. Gerade gehört er bei der Weltmeisterschaft in Minsk zum Stab der deutschen Auswahl.
Im Juli nimmt Ustorf seine Arbeit offiziell auf. Seinen Tagesablauf will er sich so einteilen, dass „es Sinn macht für mich“, dass er die körperlichen Probleme gering halten kann. Spezielle Dinge, die er sofort angehen will, gibt es nicht. „Ich sehe mich nicht in einer Position, alles neu zu machen“, sagt er. Im Vordergrund steht für den Ex-Profi, „die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu optimieren“.
Guter Zeitpunkt nach enttäuschender Saison
Der Zeitpunkt dafür könnte nicht besser sein, die vergangene Saison war mit dem Aus im Pre-Play-off enttäuschend. Ustorf besitzt einen guten Sachverstand, kann diesen auch vermitteln, er genießt Respekt in der Mannschaft und in der Szene. Und er hat Ideen.
„Eishockey entwickelt sich schnell weiter, es gibt immer viele neue Sachen. Ich will bei der Trainingsmethodik, bei der Fitness, bei der Analyse neue Dinge einbringen. Wir müssen spezifischer arbeiten mit den Spielern“, sagt der Sportliche Leiter. Kompetenzüberschneidungen mit dem Trainer sieht er dabei nicht.
Mit Jeff Tomlinson verbindet Ustorf eine Freundschaft, beide kennen sich aus vielen Jahren mit den Eisbären. „Ich bin dafür da, um seine Arbeit leichter zu machen“, so Ustorf, der nicht in sportlichen Entscheidungen reinreden will: „Ich werde Jeff nicht sagen, was er zu tun hat.“ Trotzdem ergebe seine Position eine „neue Dynamik“ zwischen beiden.
„Wir vertrauen auf das, was wir kennen“
In der Einschätzung der Mannschaft liegen Tomlinson, Ustorf und Lee, der weiterhin die Transfers abwickelt, schon mal ähnlich. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Kader, wie er jetzt aussieht. Wir sind keine Fans von großen Umbrüchen, sondern vertrauen auf das, was wir kennen“, sagt Stefan Ustorf. Wenn sein Einfluss hilft, die Mannschaft wieder zu einem Titelaspiranten zu machen, muss das kein schlechter Ansatz sein.




