Frank Hördler musste zuschauen, unfreiwillig. Der Verteidiger hatte sich am Handgelenk verletzt zwei Tage zuvor, ein schwerer Schlag für den EHC Eisbären, der ohnehin schon genug Probleme hat. Für Hördler andererseits eine gute Gelegenheit, mal ganz in Ruhe zu beobachten, wie genau sich das Spiel des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) derzeit so darstellt. Beim Auftritt in Mannheim, im Duell der Rekordmeister, hatte der Abwehrspieler an sich nicht viel zu bemängeln. „Es ist ein hin und her, jeder kleine Fehler wird bestraft“, sagte er.

Und lag doch daneben. Genau damit tun sich die Berliner gerade so unheimlich schwer, Fehler des Gegners auszunutzen. Sie nutzen eigentlich nichts, nicht mal den Aufwind, den das 3:2 nach Penaltyschießen am Freitag in Schwenningen den Eisbären gebracht haben sollte. Die Probleme blieben die alten, wie schon zuvor war die Mannschaft von Trainer Jeff Tomlinson nicht in der Lage, genügend Tore zu erzielen. Bei den Adlern gelang am neunten Spieltag der DEL zum zweiten Mal überhaupt kein Treffer, mit 0:1 (0:0, 0:1, 0:0) unterlag der EHC. „Wir haben gekämpft, die Chancen waren da“, sagte Tomlinson und blickte ratlos drein. Seine Mannschaft richtet sich langsam auf dem vorletzten Tabellenplatz ein.

Felski fordert Selbstkritik

Das Resultat an sich ist in Mannheim nichts Verwerfliches. Zumal die Adler zuvor mit drei Siegen einen guten Lauf hatten. „Sie haben ein ganz gutes Spiel gemacht“, befand sogar Eisbären-Legende Sven Felski, der bei Servus TV als Experte kommentierte. Doch Felski vergaß dabei nicht die Gesamtsituation der Berliner und forderte: „Man muss selbstkritisch sein.“ Sechs der vergangenen sieben Spiele gingen verloren, nur sieben Tore erzielten die Eisbären dabei. Eine derart anhaltende Flaute gab es seit mehr als zehn Jahren nicht beim Meister. Und die Spieler wissen offenbar nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Eigentlich schien das Problem fast überwunden, in Schwenningen zeigten die Berliner Nerven, setzten sich am Ende aber doch durch. Gut für das Selbstvertrauen, Tomlinson sah sogar wieder lächelnde Gesichter im Team. Geholfen hat das genau so wenig wie der Rücktausch von André Rankel und Florian Busch in ihre angestammten Sturmreihen, der in Schwenningen noch gewirkt hatte. In Mannheim gerieten die Berliner sofort in die Defensive und überstanden den Ansturm der Gastgeber, die im ersten Drittel eine Bilanz von 13:3 Schüssen verbuchten, nur mit Glück und Dank des starken Rob Zepp im Tor.

Angesichts der Fülle der Chancen war ein Tor der Adler jedoch eine Frage der Zeit. Simon Gamache traf frei aus der Mitte vor Zepp (37.). Er war in einer Position, die die Berliner fast nie erreichten und so auch nur selten zu gefährlichen Chancen kamen. Zwar hatte Rankel zuvor die Führung auf dem Schläger, doch sein Penalty landete an der Latte (35.). Das war beispielhaft für das Angriffsspiel, es fehlt meist etwas. Wird das nicht bald korrigiert, geraten die Ziele in Gefahr. Der Abstand auf das Mittelfeld wächst. An die Spitze, dort also, wo sich die Eisbären eigentlich sehen, ist derzeit gar nicht zu denken.

BM