Eishockey

Berliner Eisbären starten so gut wie lange nicht mehr

Der Liga-Auftakt ist für die Eisbären ganz nach Maß verlaufen. Trotzdem gibt es noch einiges bei den Berlinern zu verbessern. So könnte etwa die Kommunikation auf dem Eis intensiver werden.

Foto: Armin Weigel / pa / dpa

Wer Maßstäbe setzt, und das über lange Zeit, wird davon auch lange verfolgt. Da zählt dann nur das, was man selbst leistet. Oder eben vermeintlich nicht. Der Blick für das Zustandekommen dieser Leistung geriet darüber gern in den Hintergrund, dass da noch andere Faktoren einen Einfluss haben, wird geflissentlich ausgeblendet. Fünf Gegentore kassierte der EHC Eisbären beim zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Iserlohn Roosters (7:5), da habe die Abwehr doch wohl ziemlich neben sich gestanden, lautete die Frage, die eher wie ein Vorwurf formuliert war.

Da musste Jens Baxmann zwangsläufig Partei ergreifen, als Verteidiger für seine Abwehr, generell aber auch für die ganze Mannschaft. „Iserlohn hat sich sehr verbessert, das muss man auch mal sagen“, findet der 28-Jährige. Deren Stürmer seien eben nicht immer auszuschalten, Iserlohn war am ersten DEL-Wochenende sogar die erfolgreichste Mannschaft mit elf Treffern.

Natürlich, das räumte auch Baxmann ein, habe die Defensive noch nicht so gearbeitet, wie es der Plan eigentlich vorsieht. „Da haben wir noch Potenzial“, sagt der Berliner. Insgesamt konnte der Titelverteidiger aber ganz zufrieden sein, erstmals seit 2008 gab es wieder sechs Punkte zum DEL-Start. Noch dazu mit einem neuen Trainer.

In der Liga spielen alle gegen einen

Über die günstigsten Voraussetzungen verfügt Jeff Tomlinson nicht unbedingt. Der Druck ist groß auf den Neuen, nach sieben Titeln in neuen Jahren schleppen die Eisbären immer den Ballast riesiger Erwartungen mit sich herum. Hinzu kommen einige Verletzungen, vier Spieler fehlen. Und nicht zuletzt brennt die ganze Liga darauf, diesen penetranten Seriensiegern das Handwerk zu legen. „Alle sind so heiß gegen die Eisbären. Ich weiß, wie das ist, ich war auch mal ein Gegner“, sagt Tomlinson.

Bislang kommt der 43-Jährige mit dieser heiklen Gemengelage gut zurecht. Er beschäftigt sich mit der Defensive, mit Über- und Unterzahlspiel, will dort Verbesserungen erreichen. „Mit den Special Teams waren wir gegen Iserlohn bei plus zwei“, sagt der Trainer. Die Berliner trafen zweimal öfter mit einem Mann mehr. Ein wichtiges Detail bei diesem Sieg. Mit der Abwehrarbeit war er nur ein Drittel lang nicht zufrieden.

Schwächen in dieser Hinsicht sind nach bisher nur wenig Eingewöhnungszeit normal. Im ersten Abschnitt gegen Iserlohn, der 3:4 endete, „kamen Angewohnheiten von früher durch, die neuen Sachen wurden nicht richtig umgesetzt“, so Tomlinson. Dem stimmte auch Baxmann zu, es seien ein paar Kleinigkeiten, die es zu korrigieren gebe. Etwa beim Forechecking, wo die Spieler noch dazu neigen, die Mitte der Eisfläche zu öffnen und dem Gegner freien Raum zum Kontern anzubieten. Um das zu optimieren, könnte direkte Kommunikation auf dem Eis helfen, glaubt Baxmann: „Vielleicht müssen wir da auch noch ein bisschen mehr reden untereinander.“ Etwas Erfahrung bringt zudem Casey Borer ein, wenn der Zugang seine Rückenprellung überstanden hat.

Die Berliner Sturmreihen treffen

Offensiv bedarf die Harmonie keiner Nachbesserungen. Alle sieben Treffer wurden gegen Iserlohn von verschiedenen Schützen erzielt, jede der drei Sturmreihen trug zwei Tore bei. Was bei den Topreihen eins und zwei aufgrund unveränderten Personals kaum verwundert. In der dritten Formation hingegen steht mit Kris Sparre ein Neuling. „Er ergänzt die beiden anderen gut mit seiner Energie und seinem Körperspiel“, sagt Tomlinson. Laurin Braun ist mit drei Toren und zwei Vorlagen vorläufig sogar Topscorer der DEL, von Daniel Weiß, der im Sommer nach einem Leihgeschäft aus Nürnberg zurückkehrte, sah der Trainer gar eines seiner besten Spiele im EHC-Trikot gegen Iserlohn. Mit Matt Foy (Syndesmosebandriss) und Mads Christensen (Schulterprellung) kann der EHC auch im Sturm die Qualität in absehbarer Zeit noch steigern.

Trotz der personellen Aufstockung und den erwarteten Verbesserungen in der Abwehr baute Jens Baxmann schon einmal vor: „Dass mal jemand ausgespielt wird, wird es immer wieder geben. Das ist auch bei Bayern München so.“ Dort fragen aber auch erst einmal alle nach dem Fehler der Bayern, nicht danach, ob der Gegenspieler sehr gut war.