Wer im Saisonheft nach ihm sucht, der muss weit blättern. Was so viel heißt, dass mit diesem Spieler noch nicht wirklich zu rechnen ist. Alex Trivellato ist jung, 20 Jahre alt, unter der Rubrik „Im System“ wird er geführt.
Manchmal aber kann die Entwicklung selbst ein frisches Druckerzeugnis, das gerade rechtzeitig zum Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) erschienen ist, noch überholen.
Zwei Tage vor dem ersten Spiel des EHC Eisbären änderte sich Trivellatos Status in den eines ausländischen Lizenzspielers. Inzwischen, nach seiner ersten DEL-Partie beim 3:2 in Ingolstadt, steht für ihn sogar ein Vorlagenpunkt in der Statistik.
Im Leben von Alex Trivellato geht es gerade richtig rasant zu. Er hat nicht nur die Macher des Eisbären-Saisonheftes überrascht, sondern so ziemlich jeden, der in den vergangenen Wochen mit den Eisbären zu tun hatte. „Als ich nach Berlin gekommen bin, hätte ich nicht erwartet, dass er es schafft“, sagt der neue Trainer Jeff Tomlinson.
Der Abwehrspieler sollte mal reinschnuppern in den DEL-Kader, sich ein bisschen umschauen bei den Profis und in der European Trophy ein wenig Erfahrung sammeln. Dann stellte sich heraus, „dass er das Tempo ohne Probleme mitgehen konnte“, so Tomlinson. Um ihn herum überzeugte er nach und nach jeden von seinen Vorzügen. „Er ist schlau auf dem Eis und engagiert. Er passt von seiner Art und seinem Charakter her zu uns“, sagt Verteidiger Frank Hördler. Da blieb Manager Peter John Lee nichts anderes übrig, als Trivellato zu lizenzieren.
Echte Italiener haben keinen guten Ruf
Einen Profivertrag hatte er vorher schon bekommen, nur der Status war unbestimmt. Der Verteidiger ist Italiener, gebürtig in Bozen. Echte Italiener genießen nicht gerade den Ruf, besonders begnadet zu sein am Puck. Deshalb gibt es so gut wie keine in der DEL, die Manager wollen keine wertvolle Ausländerlizenz dafür hergeben. „Wir haben es getan, das ist ungewöhnlich. Aber wir sehen viel Potenzial bei ihm“, erzählt Lee, der eigentlich Einsätze beim Zweitliga-Kooperationspartner Dresden vorgesehen hatte. In der Heimat, in Südtirol, sprach sich das schnell herum.
Dort ist er schon mit 16 Jahren fortgegangen. „Ich wollte weg aus Italien, weil das Eishockey dort nicht so gut ist“, sagt er. Gerade in Südtirol besteht dennoch viel Interesse an diesem Sport, in dieser Gegend sind sie geradezu eishockeyverrückt, dort gibt es die meisten Klubs, die Zeitungen berichten viel. Nun auch über ihn, weil es ein richtiger Italiener, kein Italo-Kanadier, im Ausland in die Erste Liga geschafft hat. „Darüber habe ich mich sehr gefreut. Jetzt versuche ich, mich damit nicht zu sehr nervös zu machen, sonst wird es zu schwer“, so Alex Trivellato. Seine DEL-Premiere gegen den ERC Ingolstadt konnte sich sehen lassen, er spielte souverän und war sogar am Siegtreffer beteiligt.
Der neue Trainer könnte ein Glück für ihn sein, Tomlinson will Talente wieder mehr fördern, als es Don Jackson zuvor getan hat. Mutig bildete er mit Trivellato dem ebenfalls 20-Jährigen, aber schon erfahreneren Henry Haase ein junges Abwehrpaar. Beide ließen sich nichts zuschulden kommen, bei den Gegentreffern standen sie nicht auf dem Eis. Daher dürften sie an diesem Sonntag bei der Heimpremiere der Eisbären gegen die Iserlohn Roosters wieder gemeinsam verteidigen (16.30 Uhr, O2 World, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost).
Kein Interesse an Red Bull
Im Sommer hätte sich der Italiener auch Red Bull in Salzburg anschließen können. Dort wird demnächst sehr viel in Talente investiert. „Aber ich war daran nicht interessiert“, sagt Trivellato. Er wollte sich in Berlin durchsetzen, wo er vor drei Jahren in den Nachwuchs aufgenommen worden ist. Zuvor hatte er ein Jahr in Kaufbeuren verbracht, dem dortigen Trainer war er in der italienischen U18-Nationalmannschaft aufgefallen.
Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis er im A-Team der Italiener seinen festen Platz findet. Er ist sehr flink für einen Verteidiger, kann gut das Spiel aufbauen mit seiner Übersicht. „An meinem Schuss muss ich aber noch arbeiten“, sagt er in akzentfreiem Deutsch. Gelernt habe er das erst hier richtig, obwohl er im deutsch geprägten Südtirol auf eine deutsche Schule ging. Aber auch da sprechen sie starken Dialekt.
Vermissen muss er den in Berlin nicht. Zwar sind die Eltern weit weg, dafür hat den Bruder die gleiche Leidenschaft gepackt: Der 15-jährige David spielt bei den Schülern der Eisbären. Wer so jung ist, wird im Saisonheft der Profis noch nicht einmal in der Rubrik „Im System“ geführt.





