Eishockey

Was Jeff Tomlinson für die Berliner Eisbären plant

Zehn Jahre lang war Jeff Tomlinson in verschiedenen Funktionen bei den Berliner Eisbären tätig. Nun ist „Tommer“ zurück - als neuer Chefcoach des DEL-Rekordmeisters und mit großen Zielen.

Foto: Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa

Er ist der Neue, einerseits. Zum anderen aber auch einer, den man mit einem Schild „Willkommen zu Hause“ in der Kabine begrüßt. Jeff Tomlinson kam einstmals im Jahr 2000 als Spieler zum EHC Eisbären, wechselte aber nach einem Kreuzbandriss ins Trainer-Fach, kümmerte sich um den Nachwuchs, analysierte die gegnerischen Teams und wurde Assistent von Don Jackson. Seit Anfang des Monats ist bekannt, dass er Jackson beerben wird. Nach Stationen als Cheftrainer in Düsseldorf und Nürnberg in den vergangenen drei Spielzeiten ist Tomlinson neuer Chef-Dompteur der Meister-Bären.

„Wieder zu Hause“ zu sein, nicht als Mr. Tomlinson angeredet zu werden, sondern wie in alten Zeiten als „Tommer“, ist für den 43-jährigen Kanadier natürlich eine angenehme Situation, zumal er auch selbst mit einem heimatlichen, einem „Super-Gefühl“ in die Stadt hineinfuhr. „Berlin ist voller Flair und Leben, hat eine großartige Arena und bei den Spielen eine leidenschaftliche Atmosphäre. Und sie bietet auch alles, um den Kopf einmal frei zu bekommen und an etwas anderes zu denken als Eishockey. Ich gehe dann am liebsten ins Kino.“

Nun ist Tomlinson aber nicht zu dem Klub zurückgekehrt, bei dem er seine ersten Erfahrungen als Trainer machte, damit sich alle wohlfühlen, sondern zu einem Team, das mit sieben Meisterschaften in den vergangenen neun Jahren die Liga in einem Maß dominiert hat, dass der neue Coach zurecht von einer „Dynastie“ spricht. Er weiß, dass er daran gemessen werden wird, ob unter seiner Führung dieser überaus erfolgreiche Weg fortgesetzt wird oder nicht.

European-Trophy-Sieg als Ziel

„Ich weiß, was ich kann“, sagt Tomlinson selbstbewusst und natürlich wisse er, dass sein Team der „Staatsfeind Nummer eins“ sei. „Alle wollen die Eisbären schlagen“. Allerdings hätten „die Eisbären schon bewiesen, dass sie den richtigen Weg kennen“. Es gehe darum, „an Kleinigkeiten“ zu arbeiten. „Niemand ist komplett ausgebildet, ich habe in den vergangenen Wochen viele Informationen zusammengetragen, mit dem Trainerstab und auch Spielern telefoniert. Wir werden viel mit kleinen Gruppen trainieren. Mein Ziel ist es, für jeden einzelnen Spieler einen Plan zu haben, wie er noch besser werden kann. Viel ändern werde ich aber erst mal nicht.“

Wobei er sich selbst die ohnehin schon hohe Messlatte gleich noch höher legt, wenn er sagt: „Die European Trophy ist dieses Mal sehr wichtig für uns, wir wollen sie gewinnen.“ Schließlich sei man ja Ausrichter des Finalturniers.

Nachdem Tomlinson am 4. Juli als Nachfolger von Jackson, den es ins österreichische Salzburg zog, verkündet wurde, verlängerte Eisbären-Manager Peter-John Lee die Verträge von 13 Spielern bis 2015.

Einfluss darauf habe er nicht gehabt, erklärt der neue Eisbären-Coach überraschend. „Ich vertraue Peter Lee total, und er hatte schon einen Plan und war wohl auch bereits am Verhandeln. Ich habe ihm nur gesagt, du kannst bei allen, die jetzt im Team sind, blind unterschreiben. Viele tauchen ja bei Zwei-Jahresverträgen erst mal ab, aber nicht diese Leute. Sie sind alle Profis, wollen für die Eisbären spielen, und ich freue mich, dass sie alle unterschrieben haben.“ Nimmt man die beiden neuen Verteidiger Casey Borer und Shawn Lalonde hinzu, hätte man „eine Mannschaft, mit der wir die Saison beginnen können.“

Das Umfeld einer Dynastie

Was ihm den Einsteig natürlich erleichtert, denn die erste Aufgabe eines neuen Trainers sei ja, „die Spieler kennenzulernen“. Einige der heutigen Stars wie André Rankel kennt Tomlinson „aus Zeiten, in denen sie sich noch nicht rasieren mussten“.

Heute ist Rankel 27 Jahre alt, Familienvater, siebenmaliger Deutscher Meister und Kapitän. „Es ist gut, dass Jeff wieder bei uns ist“, sagt Rankel, „er hat mir bei meiner Entwicklung sehr geholfen, damals per Video gezeigt, wie ich mich verbessern kann. Auch er hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich bin. Wir freuen uns jetzt beide, diese Verantwortung zu haben.“

Dabei, dass die Jungen die aktuellen Stars wie einst Rankel Steve Walker unter Druck setzen, soll es auch bleiben. „Die Eisbären haben bewiesen, dass sie Spieler entwickeln und gewinnen können“ so Tomlinson, der von sich sagt, dass er „nur selten von oben drauf haut“, sich vielmehr als Teil eines Teams sieht, aus dem Urgestein Hartmut Nickel sicherlich als konstante Säule herausragt. Er wird wie schon zuvor Pierre Pagé und Jackson als Assistent zur Seite stehen. „Ich kenne ‚Tommer‘ noch als Spieler und er hat als Co-Trainer immer einen perfekten Job gemacht. Dass er in Düsseldorf und Nürnberg auch negative Erfahrungen machen musste, war wichtig. Daran kann man wachsen. Ganz ehrlich, ich habe für ‚Tommer‘ gestimmt.“

Auch Manager Lee ist sich sicher, dass die gewachsen Strukturen des Klubs seinen neuen Trainer stützen werden, wie es sich halt für eine Dynastie gehört. Wenn Tomlinson sein Team am kommenden Montag zum ersten Eistraining bitten wird, beginne „wie jedes Jahr eine neue Reise“. Lees Fahrplan: „Ich tue immer so, als hätte ich noch nichts gewonnen, dass ich jetzt endlich meine erste Meisterschaft will.“