Salzburg also. Das lässt einen an vergangene Tage denken. Pierre Pagé wählte dieses Ziel einst, als sein Weg ihn weg führte vom EHC Eisbären Berlin. Der Mann, der 2007 sein Traineramt übernahm beim Berliner Eishockeyklub, tut es ihm nun gleich. Einen Tag, nachdem die Berliner den Verlust ihres Übungsleiters verkündet haben, gaben die Salzburger bekannt, dass Don Jackson künftig bei ihnen arbeiten wird. Genau wie damals als Nachfolger von Pagé.
Die beiden kennen sich sehr gut, der US-Amerikaner Jackson und der Kanadier Pagé arbeiteten schon öfter zusammen in ihrer Karriere. Immer in der Konstellation, dass Pagé der Chef war. Im Prinzip ist er das nun erneut. Pagé übernimmt den Trainerposten beim EHC München, dem neuen Projekt des Getränkeherstellers Red Bull, dessen Hauptsitz in Salzburg nun zur Filiale der Münchner wird.
Etwas eigenartig mag dieser Wechsel schon erscheinen. Einer wie Jackson, mit fünf Titeln der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Gepäck, begibt sich in die Rolle eines Helfers, trainiert quasi die zweite Mannschaft der Münchner. Das Geld, Red Bull zahlt bekanntlich überaus gut, wird ihm die Entscheidung leichter gemacht haben. „Ich kenne keine Details“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee.
Gut möglich auch, dass Jackson (56) in Aussicht gestellt wurde, bald den Posten in München übernehmen zu können. Pagé ist 65 Jahre alt. In jedem Fall, das dürfte Jackson auch durch den Kopf gegangen sein, hat es sich für ihn stets als klug herausgestellt, den Pfaden seines Lehrmeisters zu folgen. Seine Gründe wird er am Mittwoch bei seiner Vorstellung in Salzburg darlegen.
30 Bewerbungen für den Trainer-Posten bei den Eisbären
Immerhin, die Berliner können weiter von sich behaupten, seit dem 16. Januar 2001, damals traf es Uli Egen, keinen Trainer mehr entlassen zu haben. Was eine interessante Leistung darstellt im Profigeschäft. Vor allem für einen Klub, bei dem zuvor auch zwei Coaches pro Saison kaum genug waren. Aber vor Lee liegt nun viel Arbeit.
„Ich habe etwa 30 Bewerbungen bekommen“, sagt er. Der Job in Berlin, beim erfolgreichsten Klub der DEL, ist begehrt. Lee fängt nun an, die Angebote durchzuschauen. „Wie lange das dauert, bis auch die Gespräche mit den Kandidaten abgeschlossen sind, kann ich nicht sagen“, so der Manager. Einen Zeitrahmen hat er sich nicht gestellt, aber die Trainersuche besitzt Vorrang vor der Suche nach neuen Spielern.
Als Anwärter werden einige Namen gehandelt. Selbst Sean Simpson, der gerade mit der Schweiz bei der WM den sensationellen zweiten Platz erreichte. Doch Eisbären-Besitzer Anschutz neigt stark zum Sparen – und nach Jackson bietet sich nun die Möglichkeit, einen großen Gehaltsposten deutlich zu verringern. Das spricht gegen Simpson. Und für Jeff Tomlinson (43). Überhaupt. „Wir wollen hier nicht alles durcheinander bringen. Deshalb muss der neue einige Anforderungen erfüllen“, sagt Lee. Er soll einen offensiven Spielstil pflegen, junge Spieler entwickeln können, er soll zum Klub passen.
Tomlinson kennt sich bestens aus bei den Berlinern
Dieses ganze Paket ist wie gemacht für Tomlinson. Als junger Trainer liegt sein finanzieller Anspruch im unteren Bereich. Außerdem war er zehn Jahre im Verein tätig, er spielte für die Eisbären, erlernte das Trainer-Handwerk hier, leitete die Nachwuchsabteilung, war Assistent von Jackson. Er kennt Klub und Umfeld perfekt.
In Düsseldorf übernahm Tomlinson 2010 erstmals einen DEL-Klub und arbeitete dort zwei Jahre erfolgreich, in Nürnberg wurde er im Dezember 2012 entlassen. Tomlinson konnte dort Erfahrungen sammeln und sich von den Eisbären emanzipieren. Das alles macht ihn zu einem sehr interessanten Kandidaten als Nachfolger von Don Jackson. Der wird bald wieder nach Berlin kommen. Am 1. September 2013 um 16.30 Uhr empfangen die Eisbären in der European Trophy Red Bull Salzburg.





