Wie zufrieden die Kölner Haie mit ihrer Mannschaft sind, das bläst der Klub derzeit Woche für Woche nach draußen. Gerade wurden wieder drei Verträge über das Saisonende hinaus verlängert, fast ein Dutzend Profis durfte bereits vorzeitig eine Dienstzeitausdehnung in Köln unterzeichnen. Sie haben sich die neuen Kontrakte auch redlich verdient, schließlich hievte die aktuelle Truppe den Klub erstmals seit Jahren wieder auf den ersten Platz der Rangliste in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).
Derzeit sind die Haie allerdings nur gefühlter Spitzenreiter, sie sammelten ebenso viele Punkte wie Tabellenführer Mannheim, brauchten aber drei Spiele weniger dafür. Ein härterer Prüfstein lässt sich in der DEL also kaum finden. Vor sechs Wochen war das ähnlich, damals fuhren die Eisbären nach Köln und gewannen 3:0. Am Freitag reist der Meister wieder nach Köln – und hofft vor allem, nicht wie zuletzt so häufig an den eigenen Unzulänglichkeiten zu scheitern (19.30 Uhr, laola1.tv).
In Köln gelang den Berlinern der bislang letzte Auswärtssieg, es folgten fünf Niederlagen, die letzte vor acht Tagen im Viertelfinale der European Trophy in Wien. Deshalb „hatten wir gerade sehr viel Pause“, sagt Trainer Don Jackson: „Nun müssen wir viel Leistung und Emotionen bringen.“
Derzeit kein sicherer Viertelfinalplatz für’s Play-off
Letzteres ist dem US-Amerikaner offenbar besonders wichtig. Große Videoanalysen, taktische Feinheiten – unwichtig, „das spielt im Moment alles keine Rolle“, sagt der Trainer. Was ihn in den vergangenen Wochen am meisten störte, war die unerklärliche Teilnahmslosigkeit vieler Spieler. „In Wien fehlten die Emotionen und auch der Respekt gegenüber dem Gegner. Ich hatte das ein wenig befürchtet“, so Jackson. In der DEL führte die schwache Arbeitsmoral zum Sturz auf Platz sieben. Was bedeutet, dass der Titelverteidiger der DEL derzeit keinen sicheren Viertelfinalplatz für das Play-off im Frühjahr innehat und in die Qualifikation müsste.
Viel fehlte den Berlinern allerdings kaum – trotz der Niederlagen. „Das Problem ist derzeit der Fokus“, sagt NHL-Star Daniel Briere. Meist gingen die Eisbären mit einer Führung ins letzte Drittel, verloren dann aber auswärts zunächst das Wesentliche aus dem Blick und dann die Spiele. „Wir müssen nun sehen, dass wir diese Spiele komplettieren“, sagt der Trainer. Ein hohes Maß an Leidenschaft hilft dabei, die Konzentration nicht zu verlieren.
Gegen Top-Mannschaften zeigte die Eisbären Top-Leistungen
Als der Trainer die Defizite in diesem Bereich öffentlich ansprach, saß Verteidiger Jim Sharrow daneben. Es war ihm nicht ganz angenehm, wie offen Jackson Kritik übte. Er mühte sich dann auch, die Kurve zu kriegen, Emotionen wären schon da gewesen, nur seien sie in die falsche Richtung losgegangen, versicherte Sharrow. Sich und die Kollegen von Versäumnissen weitgehend freizusprechen, das ahnte er, wäre aber zu viel des Guten gewesen. „Wir müssen mehr zusammenstehen und Fehler gemeinsam korrigieren“, sagte Sharrow und gestand so ein, dass der Wille, füreinander zu kämpfen, also Leidenschaft und Emotionen zu zeigen, nicht immer ausgeprägt genug war.
Wobei das ein Problem ist, das sich gegen Köln vielleicht von selbst löst: Denn gegen die Haie und die Adler Mannheim, die beiden Top-Mannschaften der DEL, zeigten die Berliner in den vergangenen Wochen ihre mit Abstand besten Leistungen – und gewannen alle drei Partien.





