Eishockey

Berliner Eisbären verlieren 3:4 gegen Düsseldorf

Der EHC Eisbären konnte keinen Nutzen aus den Fehltritten der Konkurrenten ziehen und unterlag der Düsseldorfer EG 3:4 nach Penaltyschießen.

Foto: Timur Emek / dapd

Manchen seiner Kandidaten traut Don Jackson nicht über den Weg. Vier Partien hatte Mark Katic wegen einer Sperre zusehen müssen, was den Trainer des EHC Eisbären zwang, Stürmer in die Abwehr zu beordern. Berechtigt schien da die Annahme, Jackson könnte auf eine bessere Abwehrleistung hoffen mit der Rückkehr des Verteidigers. Und? „Nein“, sagt er, dann prustet er los und muss sich den Bauch halten vor Lachen.

Ja, ja, die Defensive. Kaum hatte die Partie in Wolfsburg mit Katic begonnen, stand es 0:2. Aber mit einem Offensiv-Orkan fegte der Meister die Niedersachen noch 8:3 vom Eis. Das Spiel war gutes Analysematerial, weil es das erste Drittel des Titelverteidigers in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schön zusammenfasste. Vorne hui, hinten oft pfui.

Diese ersten Monate der Saison, die mit dem 3:4 (1:2, 1:1, 1:0, 0:1) nach Penalytschießen in Düsseldorf am Sonntag in die Länderspielpause geht, „waren sehr chaotisch“, findet Jackson. Das Gleichgewicht zwischen den Mannschaftsteilen stimmt immer noch nicht. Kein Team schießt so viele Tore, aber schlechter steht eben auch fast keine Abwehr in der DEL.

Noch nicht ein einziges Mal komplett gespielt

Katic dient da nur als Exempel. „Bei ihm ist es wie bei der Mannschaft, die Defensive ist der Teil seines Spiels, den wir versuchen zu verbessern“, sagt Jackson. Aber gerade das ganze Team in höherer Abwehrkunst zu unterrichten, stellt sich für den Trainer als große Herausforderung dar.

Personell konnte er kaum einmal längerfristig planen. „Wir haben noch nicht ein einziges Mal komplett gespielt“, sagt Manager Peter John Lee. Teilweise fehlten bis zu acht Profis, das prägte das erste Saisondrittel.

Addiert mit dem Fakt, dass die Berliner zwei erfahrene Verteidiger im Sommer verloren und sich alle alten Führungsspieler in den Ruhestand verabschiedet haben, ergab sich für den Trainer im sechsten Amtsjahr „die schwierigste Zeit, die ich hier zu Saisonbeginn je erlebt habe“.

Kaum Routine in der Abwehr, eine neue, junge Führungsriege, die erst noch mit ihren Aufgaben reifen muss. „Es war oft wie ein Überlebenskampf für uns, wir haben viele Punkte liegengelassen“, sagt Lee. Die vergangenen Monate „waren härter, als wir dachten“, erzählt Torhüter Rob Zepp: „Das hat mir eine Menge mehr Arbeit eingebracht.“

Eisbären weit entfernt von der Spitze

Er kann darüber lachen, obwohl seine Statistik schlecht wie nie ist. Weit entfernt wie nie waren die Eisbären auch lange von der Spitze, „unser Selbstvertrauen war komplett weg“, sagt Kapitän André Rankel. Lee gestand sogar ein, nicht mit den Top-Teams mithalten zu können. „Es war ein Glück, dass dann die beiden gekommen sind“, so der Manager.

Er meint Daniel Briere und Claude Giroux, die Superstars, die die Zeit des Arbeitskampfes in der NHL in Berlin verbringen. Mit ihrer Verpflichtung ist Lee ein Transfercoup gelungen. Mit ihnen steigerte sich nicht nur die Trefferausbeute beträchtlich, „alle haben sich durch sie verbessert, weil es allen einen Schub gibt, mit ihnen spielen zu dürfen“, sagt Zepp. Ihr Anteil daran, dass die Berliner jetzt trotz der vielen Probleme auf dem fünften. Platz rangieren und wieder mithalten können, ist groß.

An den Defensivsorgen konnten freilich auch Giroux und Briere nichts ändern, außer natürlich in Bezug darauf, dass nun so viele Tore erzielt werden, dass die Gegentore kaum noch eine Rolle spielen. Aber Jackson genügt das nicht. „Wir müssen uns endlich wieder auf die Abwehr konzentrieren“, sagt er. Freuen würde das auch Rob Zepp, „wir sollten enger an den Leute stehen in der eigenen Zone“, sagt der Torhüter.

Personell entspannt sich die Lage nach der Pause, Darin Olver, bislang noch ohne Einsatz, und Florian Busch kehren zurück, einzig Dominik Bielke wird weiter fehlen. Gut für den Trainer, der vom Manager das entsprechende Ziel vorgegeben bekommt: „Für die Umstände war das erste Drittel der Hauptrunde okay, aber das zweite und dritte müssen besser werden.“ Fragt sich nur, wie das Team reagiert, falls die NHL-Stars irgendwann zurück nach Nordamerika müssen.