Doug Mason saß auf seinem Platz im Konferenzraum der O2 World. Er lächelte ein bisschen, aber die Augen sahen leer aus. Ihn störte es auch nicht, dass er ziemlich lange warten musste, bis Don Jackson endlich auftauchte.

Eigentlich ist es ja nicht besonders höflich, den Gast so lange sitzen zu lassen und den Beginn der Spielanalyse in die Länge zu ziehen. Aber Mason, Trainer der Iserlohn Roosters, nutzte die Gelegenheit, sich ein bisschen bei den Anwesenden zu erkundigen, wie sehr das Engagement der NHL-Stars Daniel Briere und Claude Giroux beim EHC Eisbären in Berlin genossen wird. „Sie sind unglaublich“, sagte Mason.

Er hatte also auch seinen Spaß an ihnen gehabt, obwohl der Tag für ihn insgesamt doch ein recht unbefriedigender war. Zwei Drittel lang verlangte Iserlohn dem Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) alles ab. Dann aber brach es über die Sauerländer herein wie ein Donnerschlag. Schuld war Giroux, der das erste Tor für die Eisbären erzielt hatte. „Das war für mich wie ein Statement. 'Iserlohn hat keine Chance', so kam das bei mir an“, sagte Mason voller Respekt. Nach Giroux' Treffer legten die Eisbären noch sechsmal nach, 7:1 (0:0, 0:0, 7:1) hieß es am Ende des Spiels, das eines der torreichsten letzten Drittel in der DEL-Geschichte erlebte.

Roosters lange defensiv stark

Gegen eine Niederlage hätte Mason ja gar nichts gehabt, aber dieses Debakel innerhalb von nicht einmal 20 Minuten störte ihn schon. „Für einen kleinen Klub wie uns, für den es Richtung Play-off immer eng ist, tut so eine Tordifferenz weh“, sagte er. Besonders, weil seine Mannschaft zuvor defensiv sehr gut gespielt hatte und die Berliner nur wenig Kreatives auf das Eis brachten. Aufgrund der mangelnden Jubelangebote seitens der Mannschaft behalfen sich die Berliner Fans schon mit Schmährufen gegen die Roosters.

Als das langweilig wurde, zettelten sie die La Ola an. Da machten alle gern mit in der Arena, man verpasste ja nichts auf dem Eis. Bully, das Maskottchen, erhielt auch mehr Aufmerksamkeit als sonst und versuchte das eiskalt zu nutzen, in dem er die La Ola immer neu antrieb, obwohl die meisten Besucher offensichtlich schon keine richtige Motivation mehr zeigten.

Den Eindruck erweckten auch die Eisbären ein wenig, als wollten sie sich schon für Schweden schonen, wo sie am Dienstag gegen Lulea Hockey um den Einzug in das Finalturnier der European Trophy kämpfen. Die Berliner versuchten kaum, das Spiel mit frühem Druck auf den Gegner in dessen Abwehrzone zu verlagern. So blieb wenigstens genug Zeit, die pinkfarbene Phalanx in der Arena zu betrachten.

„Pink in the Rink“

Unter dem Titel „Pink in the Rink“ lief der Meister in pinkfarbenen Trikots auf. Es ist der Beitrag des Klubs zur Unterstützung des Kampfes gegen Brustkrebs. Verteidiger Jim Sharrow trug sogar auf seinem Mundschutz eine Schleife in pink. „Wann immer man etwas tun kann, ist das eine gute Sache“, sagte er. Es gab ziemlich viel Pinkes an diesem Tag in der Arena zu sehen, auch das Publikum zog mit.

Es fand sogar besonders kreative Lösungen, sich die Zeit während des lange nicht sonderlich erbaulichen Spiels zu vertreiben. Eine Anhängerin hatte sich zu den Plätzen über der Loge der Eisbären durchgeschlagen. Dort sitzen die verletzten Spieler der Berliner, und davon gibt es derzeit genug. Die Dame kam mit einem Dutzend zusammengeknoteter Fanschals, an denen hatte sie ein Trikot befestigt und es so nach unten in die Loge abgeseilt. Dort unterschrieben die Profis artig – der Rest des Publikums applaudierte ob der unerwarteten Unterschriftensammlung, als die Stadionregie sie auf dem LED-Würfel zeigte. Just als die Aktion beendet war, legten die Berliner auch ihre Lethargie ab, es wurde plötzlich lebhaft – dank Giroux.

„Wir hatten viel Geduld“, sagte Trainer Don Jackson anschließend, „das war ein typisches Beispiel, wie es gegen eine hart arbeitende Mannschaft laufen kann.“ Giroux' Tor hatte die Tür geöffnet, oder wie Kapitän André Rankel sagte: „Das war heute wie eine Ketchupflasche, fällt das erste, fallen auch die anderen.“ Noch nie haben die Berliner so viele Tore in einem Drittel erzielt, wozu ein taktischer Schachzug von Jackson beitrug.

Der US-Amerikaner hatte die Topreihe mit Rankel, Giroux und Briere zum Ende des zweiten Drittels getrennt und Travis Mulock eingebaut. Briere rutschte zu Barry Tallackson und Mads Christensen in die Formation. „Ich habe in den vergangenen Tagen öfter darüber nachgedacht. Es hat funktioniert“, so Jackson. Beide Reihen erzeugten mehr Schwung und versetzten die 14.100 Zuschauer in der Arena nun förmlich in Ekstase. Matt Foy (50./54.), Travis Mulock (50.), Rankel (53.), Constantin Braun (56.) und Tallackson (57.) schossen den höchsten Saisonsieg für den Meister heraus. Zudem war es das erste Wochenende der Saison, an dem die Eisbären die volle Punktausbeute von sechs Zählern erreichen konnten.