Ein paar Tage ist es her, der EHC Eisbären hatte gerade sein letztes Heimspiel in der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gewonnen. Es gab ein paar Rekorde zu würdigen, Trainer Don Jackson saß nach dem Spiel da und erzählte, wie stolz er auf alle Spieler sei, stolz darauf, dass sie immer alles geben für den Verein. Und dann nannte er einen Namen, den von Denis Pederson. „Er“, sagte Jackson, „ist für mich der big daddy der Eisbären.“. Der Mann eben, der lenkt und leitet, der antreibt, der immer Vorbild ist.

Pederson ist nicht der einzige im Team des Meisters, der in diese Kategorie fällt. Aber der Trainer musste diese Bemerkung noch loswerden, Pederson besonders hervorheben. Denn er wusste, was geschehen würde. Big daddy sagt bye, bye. Nach dem Play-off beendet der Kanadier seine Karriere.

Gerade 34 Jahre alt ist der Stürmer. Deshalb „hat keiner damit gerechnet“, erzählt Kollege André Rankel. Als Pederson am Mittwoch in der Kabine seine Entscheidung verkündete, herrschte zunächst betretenes Schweigen. Es dauerte einen Moment, bis alle realisierten, was da gerade passierte. „Es war ein komisches Gefühl“, sagt Rankel. Nach zwei Minuten war alles vorbei, alle Spieler standen auf und klatschten.

Physische Gründe für den Rücktritt gibt es nicht. „Es ist vor allem eine familiäre Entscheidung. Da kommt einiges während so eines Eishockeylebens zu kurz“, sagt Pederson. Einen Teil seiner Familie will er erst einmal richtig kennenlernen. Nach sieben Jahren in Europa, bei den Eisbären, sieht er diesbezüglich Nachholbedarf.

Mit Geld kaum zu bezahlen

Als Pederson 2003 zu den Berlinern kam, direkt aus nordamerikanischen Profiliga NHL, wo er 462 Spiele absolviert hatte, waren die Eisbären noch auf der Suche. Nach einem Konzept, nach einer Identität. Letzteres prägte Pederson entscheidend mit. Er gehört zu der Kategorie von Profis, die mit Geld kaum zu bezahlen sind. Zu denjenigen, die selbst stets auf höchstem Niveau spielen, deren Wert aber vor allem darin liegt, was sie für das Team leisten. Indem sie nie aufgeben, mitreißen, im Training Professionalität vorleben und den jungen Spielern zeigen, was nötig ist, um oben anzukommen. „Von Denis wird hier immer viel weiterleben“, sagt Manager Peter John Lee.

Sich die Eisbären ohne Pederson vorzustellen, ist nicht einfach. „Er war einer derjenigen, die den Klub dorthin geführt haben, wo er steht“, sagt Rankel. Nürnbergs Trainer Andreas Brockmann hatte kürzlich erzählt, dass die Berliner froh sein könnten, einen solchen Spieler noch zu haben, da solche Qualität nunmehr selten den Weg in die DEL findet. Pederson ist einer, der den Unterschied zum Rest der Liga ausmacht hat. Rankel sagt: „Er ist nicht zu ersetzen, nicht von einem Spieler. Diese Persönlichkeit und Präsenz auf dem Eis kann nur durch die ganze Mannschaft aufgefangen werden.“

Der besondere Charakter des Angreifers, der bislang 359 Spiele für die Berliner absolviert hat und 141 Tore erzielte sowie 192 Vorlagen gab, zeigte sich am Mittwoch in der Kabine noch einmal. „Ich wollte nicht einfach nur nach dem letzten Spiel sagen, dass es das jetzt gewesen ist und einfach wegfliegen.“ Seine kleine Rede beendete er mit den Worten: „Die Arbeit ist noch nicht erledigt.“ Erledigt war sein Job immer nur dann, wenn am Ende der Saison der Titel stand. Viermal gewann Pederson mit den Eisbären die Meisterschaft, die fünfte wäre ein würdiger Abschied für einen der besten Spieler, die die DEL je hatte.