Eigentlich sollte Rob Zepp ja wieder seinen Stammplatz einnehmen. Der ist beim EHC Eisbären im Tor. Dort jedoch war der 28-Jährige nicht zu finden, als die Berliner bei den DEG Metro Stars ihre Startaufstellung zum Spitzenspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einnahmen. Stattdessen lief er zur Bank, setzte sich und schaute etwas geknickt zu.

Ein spontaner Machtwechsel im Tor des Meisters hat allerdings nicht stattgefunden. Obwohl der kanadische Ersatzmann Kevin Nastiuk, der noch keine zwei Monate in Berlin ist, gegen Hannover drei Tage zuvor mit einer starken Leistung beim 3:2 n.P. seine Ambitionen verdeutlichte, in Europa eine ordentliche Karriere hinzulegen. Als Belohnung für den Auftritt gegen die Scorpions ließ Trainer Don Jackson Nastiuk gestern aber nicht erneut die Pucks fangen. Es lag einfach daran, dass Zepp sich mit einer Magenverstimmung herumschlug.

Einen wirklichen Unterschied macht es derzeit ohnehin nicht mehr, ob Jackson nun seine Nummer eins oder zwei ins Tor stellt. Sechs Spiele vor dem Ende der Hauptrunde steht nämlich fest, dass der Titelverteidiger nicht mehr vom ersten Platz zu verdrängen ist. Unabhängig davon konnte sich Jackson aber auch diesmal auf Nastiuk verlassen, gegen den Dritten nahm der EHC beim 2:3 (1:0, 0:1, 1:1, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen einen Punkt mit.

Leichte Ungewissheit hatte Hartmut Nickel ob der Konstellation befallen. „Ich weiß gar nicht, ob ich richtig in das Spiel reinkomme, weil es um nichts mehr geht“, sagte der Co-Trainer der Eisbären. Wobei er damit nicht uneingeschränkt Recht hat. Mag sein, dass die Spannung etwas raus ist. Große Nachlässigkeiten können sich die Berliner trotzdem nicht erlauben. Denn klug wäre es nicht, sich vor dem Beginn des Play-off gehen zu lassen, sich womöglich ein paar schlechte Dinge anzugewöhnen oder den Rhythmus zu verlieren.

Daran haben auch die Spieler kein Interesse, sie lieferten in Düsseldorf eine muntere Partie ab, gingen durch André Rankel in Führung (12.) und kämpften sich nach dem Rückstand erneut durch Rankel zum 2:2 (45.). Dass es mit dem Zusatzpunkt nicht geklappt hat, dürfte lediglich Nastiuk ärgern. Bei seinem dritten Einsatz gingen die Berliner zum dritten Mal ins Penaltyschießen, zum ersten Mal war Nastiuk nicht der Sieger.

Ihren Vorsprung haben die Eisbären nun auf 20 Punkte erhöht. Damit können die Berliner in dieser Saison einen Liga-Rekord aufzustellen. Der größte Abstand zwischen Platz eins und zwei betrug 1998/1989 nach der Hauptrunde 15 Zähler, erspielt von Nürnberg.

Große Bedeutung wird solchen Daten nicht unbedingt beigemessen. Manager Peter John Lee sagt: „Das ist ganz nett, aber unser Ziel ist ein anderes.“ Die Meisterschaft natürlich. Geführt werden die Statistiken dennoch; und es gibt weitere Kategorien, in denen die Berliner die Spitze übernehmen können. Ihre Siegquote etwa liegt derzeit bei 73 Prozent. Den Bestwert halten die Kölner Haie und die Preussen Berlin mit 79 Prozent (je 1995/96).

Im Bereich des Möglichen ist auch die beste Gesamtpunktzahl. Die erzielten 2001/2002 die München Barons mit 121 Zählern (60 Spiele). Davon sind die Berliner noch zwölf Punkte entfernt – 18 Zähler sind noch zu vergeben.

Als Erster in das Play-off gehen die Berliner nun schon zum sechsten Mal. Das hat noch kein anderes Team in der Liga geschafft. Allerdings entsprangen aus den fünf Hauptrundensiegen zuvor nur zwei Meistertitel. Etwas besser liest sich da die Bilanz der Adler Mannheim. Sie gingen vier Mal als bestes Team in die K.o.-Runde – und holten sich drei Mal den Titel.