Natürlich war auch Don Jackson begeistert. Olympische Spiele, Eishockey mit den großen Stars dieser Sportart; logisch, dass einer wie er, einst zweimaliger Gewinner des Stanley Cups, der wichtigsten Klubtrophäe, da gebannt zuschaut. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), wo er den Meister EHC Eisbären trainiert, bekommt er solch hochwertigen Sport ja nicht zu sehen. Als aber Jackson, früher ein baumlanger und eisenharter Verteidiger, am Sonntag ins Bett ging, war er trotzdem nur ein großer trauriger Mann. Denn Sidney Crosbys finaler Treffer zum 3:2 für Kanada gegen die USA war auch ein Treffer ins Jacksons Herz. Er ist Amerikaner.
Am nächsten Morgen hatte sich die Trauer jedoch fast wieder verflüchtigt. Auf der Suche nach Trost fiel ihm ein, dass zwei seiner drei Kinder in Kanada geboren und folglich Kanadier sind. Also freute er sich ein bisschen mit ihnen mit. Und verzichtete darauf, die kanadischen Profis der Eisbären aus gekränktem Nationalstolz ein paar Extrarunden drehen zu lassen.
Stattdessen referierte der 53-Jährige ein bisschen über die Variationen des Sports hier und in Nordamerika, wo sich die Spitzenspieler in der NHL versammeln. „Talent, Schnelligkeit, auch im Kopf, und das physische Element sind die größten Unterschiede“, sagt der Trainer. Bei der deutschen Mannschaft, die alle ihre vier Spiele verloren hat, vermisste er Aggressivität und Zweikampfstärke.
Nur das Ergebnis störte
Für André Rankel, neben Travis Mulock und Sven Felski dritter Berliner in der deutschen Olympiaauswahl, waren die Tage in Vancouver sportlich trotzdem die schönsten, die er je erlebt hat. „Mit dem ganzen Drumherum, und abgesehen vom Ergebnis“, sagt der Stürmer. Mit einer Bilanz von null Punkten im Rücken ist es natürlich immer ein bisschen schwierig, das Gute hervorzuheben. Dennoch findet Rankel, „haben wir ein ganz ordentliches Turnier gespielt“. Übersetzt könnte das heißen, dass das deutsche Team zwar nicht schlecht war, aber eben auch nicht gut genug. In jedem Fall war beides zu wenig.
Eines der Defizite, das Rankel im direkten Vergleich mit den Topspielern der Welt am meisten auffiel, war die Geschwindigkeit: „Die können ein ganz anderes Tempo gehen als wir.“ Allein das einmal erlebt zu haben, bringe schon viel.
Welche Auswirkungen Rankels olympischen Erfahrungen haben, kann sich bald zeigen. Am heutigen Dienstag beginnt der Alltag, nach der zweiwöchigen Pause empfangen die Eisbären in der noch neun Partien langen Hauptrunde die Kölner Haie (19.30 Uhr, O2 World). Die waren einst ein Vorzeigeklub, jetzt sind sie ein Problemfall. Nachdem die Haie in der Vorsaison knapp dem Ruin entgangen sind, fehlen nun kurzfristig 500.000 Euro, um die drohende Insolvenz abzuwenden. Langfristig sogar 1,5 Millionen.
Sportlich ist die Lage ebenso schwierig; noch sind die Haie Zehnter, aber die Qualifikation für das Pre-Play-off ist unsicher. Als leichten Gegner werden die Berliner die Gäste dennoch nicht abtun. Obwohl der Tabellenführer nicht primär das Ziel verfolgt, Köln zu schlagen, sondern Größeres im Blick hat. „Wir wollen uns einspielen für das Play-off, in den richtigen Rhythmus kommen und dabei immer einen Gang höher schalten“, sagt Rankel.




