Nur selten schaut der Chef bei seinen Angestellten in Deutschland vorbei. Als er diesmal seine Reise plante, ging es US-Milliardär Philip F. Anschutz vor allem darum, Zeuge eines besonderen Momentes zu werden. Er wollte seinen EHC Eisbären im allerersten Play-off-Spiel in der O2 World - die Anschutz auch gehört - unterstützen. Auf welchen Gegner die Berliner treffen würden, spielte keine Rolle.
Der Zufall wollte es nun, dass Anschutz die Partie heute Abend in jedem Fall sehr entspannt verfolgen kann. Der 70-Jährige wird so oder so gewinnen, die Hamburg Freezers, die seit Mittwochabend als Viertelfinal-Kontrahent der Berliner feststehen, gehören ihm nämlich auch. Anschutz darf sich auf eine nette Familienparty freuen.
Für die Mannschaften ist die Rechnung freilich nicht so einfach. Schließlich will jeder ins Halbfinale einziehen. Favorit sind dabei eindeutig die Eisbären. Die Freezers aber zeigten gerade im Pre-Play-off, dass man sie nicht unterschätzen darf. Nach zwei Auftaktniederlagen drehte Hamburg die Serie gegen die Frankfurt Lions mit drei Siegen in Folge - in der Geschichte der DEL gelang dies zuvor nur dem EV Landshut (1995).
Eine solche Energieleistung ringt auch den Berlinern Respekt ab. "Hamburg hatte schon immer eine gute Mannschaft, aber durch die vielen Verletzungen konnten sie das nur selten zeigen. Jetzt sind alle gesund, und sie spielen gut", sagt EHC-Manager Peter John Lee.
Dennoch schneiden die Freezers im Vergleich mit den Berlinern in jeder Hinsicht schlechter ab. Läuferisch und spielerisch befinden sich die Eisbären auf einem deutlich höheren Niveau. Die Mannschaft ist ausgeglichener besetzt. Zudem könnte sich die hohe Belastung der Hamburger, die gerade fünf Partien in sieben Tagen absolvieren mussten, bald negativ auswirken. Schon im vergangenen Jahr kamen die Hanseaten aus dem Pre-Play-off und hatten im Viertelfinale gegen den EHC nach einem Auftakterfolg keine Chance. Die Serie endete 4:1.
Philip Anschutz würde sich über ein erneut besseres Ende für Berlin wahrscheinlich etwas mehr freuen als über einen Sieg der Freezers. Denn die Eisbären waren immer sein Lieblingsklub.










