Wer im Sommer die Spiele der Volleyball-Nationalmannschaft verfolgt hat, konnte sich wundern: Der deutsche Libero sah aus wie Ruben Schott. Des Rätsels Lösung: Es war Ruben Schott. Der 32-Jährige, bei den BR Volleys auf der Außen- und Annahmeposition unverzichtbar, hatte auf Wunsch von Bundestrainer Massimo Botti diese Rolle übernommen. Schon beim Ligacup in Hildesheim kehrte der Kapitän allerdings auf seinen angestammten Platz zurück, am kommenden Mittwoch (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) beim Bundesliga-Saisonstart gegen die FT Freiburg wird es genauso sein. Was ihn sehr freut.

„Massimo hatte mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, im Sommer vermehrt Libero zu spielen“, erzählt Schott. Julian Zenger (29) war verletzt, Backup Leonard Graven (22) mangelt es an Konstanz. „Ich wollte gern in der Nationalmannschaft dabei sein und hab sofort gesagt: Wenn ich da helfen kann, dann mache ich das natürlich.“ Aus „vermehrt“ wurde zunächst in der Nations League und dann bis zum Ende der EM, wo Deutschland das Viertelfinale erreichte, ein „ununterbrochen“. Der Berliner machte seine Sache nämlich sehr gut. Was nicht überall auf reine Begeisterung stieß.

BR Volleys beklagen schlechte Kommunikation

Skeptisch war man vor allem bei den BR Volleys. „Es ist eine große Umstellung, von der einen auf die andere Position zu wechseln. Ruben ist eine Schlüsselfigur in unseren Überlegungen“, sagt Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „ich hoffe, dass er sehr schnell den Rhythmuswechsel verkraftet und uns als vollwertiger Außenangreifer zur Verfügung steht.“ Erschwerend kam hinzu, dass niemand im Deutschen Volleyball-Verband mit dem deutschen Meister ein Gespräch führte. „Das ist nichts Neues“, ärgert sich der Manager über die schlechte Kommunikation des DVV mit den Vereinen.

Ruben Schott hat an der Liberoposition am meisten das Aufwärmen gefallen. „Man spielt sich fünf Minuten ein, dann ist man bereit.“ Keine Sprünge, keine Landungen. Natürlich ist es für jeden Sportler auch großartig, eine wichtige Rolle auszufüllen. Nie zuvor kam Schott in einem Nationalmannschafts-Sommer auf so viele Einsatzminuten. Aber es gibt eine andere Seite. Kein Blocken mehr, kein Aufschlag, keine Angriffe. „Das habe ich vermisst. Nicht nur, weil ich es gern mache“, erklärt der Routinier. Als Libero habe man zwei Sachen, mit denen man seiner Mannschaft helfen könne. „Wenn man mal einen schlechten Tag in der Annahme hat, bleibt nur die Abwehr. Und wenn der Ball nicht zu dir kommt, fühlst du dich isoliert.“ Dazu kommt die mentale Herausforderung, minutenlang den Ball nicht zu berühren, weil der Gegner beim Aufschlag den besten Annahmespieler meidet. Dann aber sofort funktionieren muss, wenn es passiert. „Sonst sind die anderen sauer. Außerdem will man es ja selbst gut machen.“

Als Außen- und Annahmespieler ist man dagegen ständig voll im Geschehen. „Läuft ein Element nicht so gut, kann man es ausgleichen mit einem anderen Element, mit einem Ass, mit einem guten Block“, sagt Schott. Das klingt nicht so, als habe er eine neue Lieblingsposition gefunden. „Auf gar keinen Fall. Ich freue mich, auf Außen zurückzukehren.“ Sein Trainer Andrea Anastasi kommt auch gar nicht auf andere Ideen: „Ruben Libero bei den BR Volleys? Ich verschwende daran keinen Gedanken. Ich habe Erik Shoji, ich habe Maximilian Treiter, das ist perfekt.“