Volleyball

Erst im vierten Satz wachen BR Volleys so richtig auf

Nur mit viel Mühe haben die BR Volleys ihre Heimpremiere in der neuen Saison bestanden. Gegen den TV Bühl behielt der deutsche Volleyball-Meister nur knapp die Oberhand.

Die vermutlich entscheidende Szene spielte sich zu Beginn des vierten Satzes ab. Sebastian Kühner, eigentlich der Zuspieler des deutschen Volleyball-Meisters BR Volleys, schmetterte den Ball selbst in die Hälfte des Kontrahenten TV Bühl. Und als das Spielgerät auf Umwegen noch einmal zurückkehrte, schmetterte er noch ein zweites Mal. Es war reichlich unorthodox, wirkte aber wie eine Initialzündung in der Max-Schmeling-Halle vor 5024 Zuschauern. Danach spielte der Titelverteidiger wie verwandelt und gewann eine fast schon verloren geglaubte Partie mit 3:2 (28:26, 19:25, 22:25, 25:13, 15:8). „Als wir im vierten Satz unsere Qualität gezeigt haben, waren wir in der Lage, das Spiel zu drehen“, meinte Volleys-Trainer Mark Lebedew.

In der vergangenen Saison war Bühl im Halbfinale in drei Spielen an den Berlinern gescheitert. Auch in der regulären Spielzeit hatten die BR Volleys beide Partien gewonnen. Insgesamt hatten sie von 16 Vergleichen nur einen verloren, und zwar auswärts. Warum sie sich diesmal so schwer taten? Bis auf den ungarischen Libero David Molnar wurde die Bühler Mannschaft komplett ausgewechselt; aber trotz der großen Veränderungen im Team wirkten die Gäste in den ersten drei Sätze besser eingespielt als der Meister.

Schon im ersten Durchgang standen die Berliner mit dem Rücken zur Wand. Vier Satzbälle mussten sie abwehren, um ihn mit etwas Glück und Geschick noch zu gewinnen. Dass sie es schafften, lag insbesondere am besten Mann in ihren Reihen, dem Australier Paul Carroll, der auf insgesamt 29 Punkte kam. Der Rest der Mannschaft präsentierte sich lange Zeit nicht in der gewohnten Form. Vier Neue haben die Volleys verpflichtet, und Trainer Lebedew setzte alle schon früh ein. Er wechselte viel, was auch nicht zur größeren Sicherheit beitrug, aber es wirkte, als würde der Australier verzweifelt die Formation suchen, die diesen TV Bühl in die Knie zwingen kann.

Lange hat er sie nicht gefunden. Bei den Berlinern ging vieles daneben. Manchmal standen gleich drei Spieler nebeneinander und verhielten sich nach dem Motto: Ich hab den Ball sicher – nimm du ihn. Zu viele leichte Punkte gestatteten sie ihren Gästen. Mangelnde Konzentration in der Ballannahme, Fehler beim Block, der mehrmals gar nicht gestellt wurde, eine löchrige Feldabwehr – vor allem im zweiten und dritten Satz war es so schlimm, dass sogar Pfiffe im Publikum laut wurden. Das erlebt man nicht häufig in der Schmeling-Halle.

Bis zur eingangs beschriebenen Szene. Plötzlich wackelte Bühl, während die BR Volleys immer sicherer wirkten. Scott Touzinsky, Robert Kromm und weiterhin der MVP Carroll punkteten jetzt scheinbar nach Belieben. Die Fehler unterliefen nun dem TV Bühl.