Volleyball

Warum die türkische Liga von Jahr zu Jahr stärker wird

Die BR Volleys können am Dienstag mit einem Sieg über Arkas Izmir das Play-off der Champions League erreichen. In der Türkei boomt Volleyball – wobei die Frauen noch erfolgreicher sind als die Männer.

Foto: Steffen Schmidt / pa/dpa

Die genaue Summe möchte er nicht nennen, aber „nirgendwo“, erzählt Scott Touzinsky, „habe ich auch nur annähernd so viel Geld verdient wie in der Türkei“. Der Volleyball-Weltenbummler war 2008 gerade Olympiasieger mit dem US-Nationalteam geworden, da bot ihm BBSK Istanbul einen Vertrag an.

Zwei Jahre lang spielte Touzinsky am Bosporus, bevor er zu den BR Volleys wechselte. Er war damit so etwas wie ein Vorreiter. Mittlerweile wimmelt es in der türkischen Division 1 nur so von Stars.

500.000 Euro Gehalt pro Saison

„Neben der russischen Liga werden dort die höchsten Gehälter gezahlt“, schätzt Berlins Trainer Mark Lebedew, der am Dienstag (19.30 Uhr/Schmeling-Halle) mit seinem Team in der Champions League den türkischen Meister Arkas Izmir empfängt. Das Land erlebt einen wirtschaftlichen Boom, davon profitiert auch der Sport. Hinter Fußball und Basketball kletterte Volleyball auf Rang drei der Beliebtheitsskala.

Auch wegen der Olympia-Bewerbungen Istanbuls wurde viel in neue Leistungszentren, Hallen und dazugehörige Sporthotels investiert. Und ins Personal. Die besten Spieler, schätzt Lebedew, kassieren bis zu 500.000 Euro pro Saison. Beträge, die im deutschen Volleyball Utopie sind.

Dass Geld allein allerdings nicht vor Rückschlägen schützt, muss gerade Izmir erfahren, das von einem großen Reiseunternehmen gesponsert wird. Der kanadische Arkas-Star Gavin Schmitt erlitt vor Beginn der Saison einen Ermüdungsbruch im Bein. Deshalb ist Izmir in der nationalen Liga nur Dritter und hinkt im internationalen Wettbewerb chancenlos hinterher. Wenngleich Lebedew von einem „gefährlichen Gegner“ und einem „Match auf Augenhöhe“ spricht. Die Berliner allerdings könnten mit einem Sieg die Play-off-Runde erreichen.

Halkbank Ankara hat kräftig investiert für das Final Four

Die BR Volleys liebäugeln ja damit, in zwei Jahren das Final Four in die deutsche Hauptstadt zu holen. In dieser Saison hat das Halkbank Ankara vor, der momentan stärkste Klub der Türkei. Um das Ziel zu verwirklichen, wurde groß eingekauft. Wer hat, der hat: Die Türken verpflichteten vom ehemaligen Weltpokalsieger Trentino/Italien Startrainer Radostin Stoytchev und dazu gleich noch die vier besten Spieler. Wie hoch mag der Etat sein?

„Die Vereine haben keinen Etat“, berichtet Männer-Bundestrainer Vital Heynen, der im vergangenen Jahr ebenfalls in der Türkei arbeitete, „der Sponsor sagt ja oder nein.“ Der Chef der Halkbank sagte offenbar lieber ja. „Die türkische Liga wird Jahr für Jahr stärker“, sagt Touzinsky. Zu seiner Zeit lag noch manches im Argen.

„Ich hatte nicht das Gefühl, dort ein besserer Spieler zu werden“, berichtet er. In den Übungseinheiten hat er nicht viel dazugelernt, um sein Krafttraining musste er sich selbst kümmern. Für mehr Professionalität haben aus seiner Sicht die ausländischen Trainer gesorgt, die inzwischen bei allen Topteams beschäftigt sind. Sie fordern, gerade von den einheimischen Spielern, immer hundert Prozent, auch im Training. Ein Anspruch, an den sich viele erst gewöhnen mussten.

Mädchen trainieren konzentrierter als die Jungen

Diese Einschätzung teilt Heynen, der von einer „schwierigen Kultur“ spricht: „Die Männer sind sehr wichtig in der Türkei. Sie verdienen gutes Geld, sind aber nicht bereit, so hart zu arbeiten.“ In seiner Zeit bei Ziraat Ankara hat er beim Nachwuchstraining der Jungen und Mädchen zugeschaut und stellte fest: „Ein Riesenunterschied.“ Heynen glaubt, in der von Männern geprägten Nation sei der Sport „ein Ausweg“, eine Möglichkeit zur Emanzipation.

Frauenvolleyball ist in der Türkei auch erfolgreicher. Das Team von Vakifbank Istanbul, trainiert von Frauen-Bundestrainer Giovanni Guidetti, ist Champions-League- und Weltpokalsieger. Die Nationalmannschaft der Frauen belegt in der Weltrangliste Platz elf, die Männer nur Rang 45. Heynen erwartet aber: „Die Männer bekommen das auch hin.“