Björn Höhne kann sich noch sehr gut erinnern. Ballroller sei er damals gewesen, also eines der Kinder, die bei Volleyballspielen die Bälle einsammeln, sie den Spielern beim Aufschlag zuwerfen und häufig auch am Rand des Feldes von einer Seite zur anderen rollen. Aufregend war das.

„Die waren alle so groß“, sagt der 21-Jährige, inzwischen selbst über 1,90 Meter in die Höhe geschossen, und zählt Namen auf: „Dirk Westphal, Sebastian Schwarz, Marcus Böhme.“ Zu ihnen hat er aufgeschaut. Damals hatte er gerade mit dem Sport angefangen, und sein Traum war es, wie seine Vorbilder irgendwann für den VC Olympia zu spielen.

Das ist erst sieben Jahre her. Wenig später war Höhne tatsächlich einer der Auserwählten, die ins Nachwuchsprogramm des deutschen Volleyballs berufen wurden. Sehr stolz sei er gewesen, erzählt Höhne. Es folgte eine erstaunliche Karriere: zwei Jahre Regionalliga, danach je ein Jahr zweite und Bundesliga für den VCO.

Höhne wurde Kapitän der Junioren-Nationalmannschaft. Vor eineinhalb Jahren wechselte er zu den BR Volleys – und wurde gleich Deutscher Meister, spielte zuletzt in der Champions League gegen Europas bestes Vereinsteam Zenit Kasan, als sei es das Normalste der Welt. Prompt wurde Höhne nun vom Bundestrainer auch für den Nationalkader nominiert. Dort trifft er auch Westphal, Schwarz und Böhme wieder, inzwischen Profis mit internationaler Erfahrung. „Viel besser“, sagt der junge Mann, „geht es nicht.“

Derby am Saefkow-Platz

Am Mittwochabend (20.30 Uhr, Saefkow-Halle) kehrt Björn Höhne mit den BR Volleys zum VCO zurück. „Es ist immer schön, dort zu sein“, sagt er. Wie beim Hinspiel, das der Favorit 3:1 gewann. 80 Prozent der Leute dort kennt Höhne noch. „Man hatte alle seine Kumpels da, wir hatten das gleiche Alter – es war eine tolle Zeit.“ Kann man sich ungefähr vorstellen. „Der VC Olympia ist eine Super-Institution. Uns hat es an nichts gefehlt, professioneller ging es nicht“, erinnert sich der Außenangreifer, „ich bin den Leuten sehr dankbar, dass ich dort sein konnte.“

Solche Worte hört Götz Moser natürlich gern. Er ist der Manager des Projekts VC Olympia, das seit 20 Jahren die größten Talente für höhere Aufgaben ausbildet, bei Mädchen und Jungen. Der ehemalige Berliner Verbandspräsident hat es selbst 1993 gegründet. Neben internationalen Auftritten mit den Nachwuchs-Nationalteams sollten die Jugendlichen, ausgestattet mit einem Sonderspielrecht für die Bundesliga, Wettkampfhärte durch Spiele gegen Erwachsene entwickeln, und das ohne Versagens- oder Existenzangst.

Ein Erfolgsmodell, wie nicht nur der WM-Titel für die deutschen Juniorinnen 2009 bewies. „Bei der Olympia-Qualifikation der Männer im vergangenen Sommer“, sagt Moser, „waren teilweise sechs ehemalige Spieler vom VC Olympia auf dem Feld. Das sagt eigentlich alles.“ Aktuell spielen 21 Männer und 32 Frauen in der Bundesliga, die den Sprung über den VCO schafften. Und etliche im Ausland.

Traum vom Vertrag im Ausland

Auch die sechs deutschen Spieler der BR Volleys, Robert Kromm, Felix Fischer, Ricardo Galandi, Sebastian Kühner, Ruben Schott und Höhne gingen allesamt diesen Weg. Zuletzt wechselte Schott (18) die Seiten, erst vor einer Woche. Wird Höhne ihm Tipps geben, ihn unter seine Fittiche nehmen? „In der Position bin ich gar nicht“, sagt der 21-Jährige zurückhaltend, dafür sind zunächst mal die Etablierten da. Die Aufregung, die kann er ihm vielleicht nehmen, die ist ja auch in seiner Erinnerung noch frisch.

Höhne denkt schon wieder vorwärts. Seinen Stammplatz will er verteidigen, den er sich durch die Verletzungen Scott Touzinskys und Roko Sikirics erkämpft hat. „Er hat seine Chance genutzt“, lobt Trainer Mark Lebedew. Und irgendwann ins Ausland wechseln, wie seine Vorbilder von früher. „Ein Traum“ sei das, sagt Höhne: „Als Profi möchte man mal in Polen, Russland oder Italien spielen.“ Mal sehen, wie lange es diesmal dauert, bis er in Erfüllung geht.