Läufertreff

Vor dem Berlin-Marathon noch schnell ans Gleisdreieck

Vor dem Marathon können sich Teilnehmer und Sportbegeisterte auf der Messe Berlin Vital über Trends informieren.

Die Messe Vital zeigt neue Trends rund um das Thema Laufen

Die Messe Vital zeigt neue Trends rund um das Thema Laufen

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Um das Handgelenk von Antje Tänzer schmiegen sich bereits einige bunte Bändchen von verschiedenen Läufen. An diesem Donnerstag wird ein weiteres vom BMW Berlin-Marathon hinzukommen. Gemeinsam mit Läufern aus aller Welt reiht sich die Herforderin in die lange Schlange der insgesamt 40.000 Teilnehmer, die auf der Messe Berlin Vital am Gleisdreieck bis Sonnabend ihre Startnummer für den Berlin-Marathon am Sonntag abholen.

In den Messehallen auf dem Gelände der Station Berlin an der Luckenwalder Straße in Kreuzberg herrscht babylonisches Sprachgewirr. Japaner, Spanier, Amerikaner – alle drängen zu den Ausgabeschaltern für die Nummern, Chips und Kleiderbeutel. Die 35-jährige Antje Tänzer hält stolz die Nummer 46041 in der Hand. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagt sie fröhlich. Es ist ihr sechster Marathon in Berlin, ihre Tochter Lea (14) wird zum dritten Mal den Mini-Marathon mitlaufen. Lea wird am Sonnabend noch vor ihrer Mutter gemeinsam mit 10.000 Schülern starten und das Ziel am Brandenburger Tor durchlaufen.

Zum ersten Mal wird Antje Tänzer in der Läufergruppe starten, die auf ihrem weißen Shirt den Slogan „Jede Oma zählt“ tragen. Sie läuft für die Charity HelpAge, die vor allem im südlichen Afrika Großmütter unterstützt, die sich um ihre verwaisten Enkelkinder kümmern, weil die Eltern an Aids gestorben sind. „Ich habe mich immer gefragt, was der Slogan bedeutet, den so viele Läufer tragen“, sagt sie. Dann habe sie sich genauer erkundigt und beschlossen, die Spendenaktion selbst zu unterstützen.

„Die Stimmung in Berlin ist ganz besonders“

Auf der Messe Vital Berlin gibt es aber nicht nur die Startnummern für die Läufer. Mehr als 150 Aussteller aus den Bereichen Gesundheit, Fitness, Ernährung oder Sportartikel zeigen ihre neuesten Produktentwicklungen oder bieten den Läufern besondere Schnäppchen an. Antje Tänzer liebt „das aufgeregte Getümmel“. Zum zweiten Mal findet die Messe am Gleisdreck statt. Im vergangenen Jahr konnten die Hallen auf dem Tempelhofer Feld nicht mehr für die Messe genutzt werden, weil sie als Notunterkünfte für Flüchtlinge benötigt wurden.

Antje Tänzer findet, der Veranstaltungsort habe Vorteile. Alles sei dichter beieinander, und man komme leichter mit den Ausstellern oder anderen Läufern ins Gespräch. An Infoständen wird schon für die nächsten Laufveranstaltungen geworben. Einige hat Antje Tänzer schon mitgemacht, von anderen träumt sie noch. „Der Rennsteiglauf war mein erster Ultralauf mit mehr als 70 Kilometern“, sagt sie. Auch in Amsterdam sei sie schon dabei gewesen. Ihr großer Traum wäre nicht New York, sondern San Francisco. Aber Berlin werde sie wohl immer treu bleiben: „Die Stimmung hier ist ganz besonders.“

Sie freut sich schon, wenn sie nach ihrem zehnten Berlin-Marathon nicht mehr in der Schlange stehen muss, um ihre Startnummer abzuholen, sondern zu jenen gehört, die am Stand des exklusiven Jubilee-Club den für sie automatisch reservierten Platz bekommen. Am Medical Team, das auf der Messe vor Ort eine Gesundheits- und Notfallsprechstunde anbietet und Fragen zu gesundheitlichen Gefahren beantwortet, geht sie entspannt vorbei. Antje Tänzer kennt ihre Grenzen. „Ich hatte in diesem Sommer einen neuen Job in Berlin begonnen und wenig Zeit zum Trainieren“, sagt sie. Und beim letzten Halbmarathon sei sie mit einer leichten Verletzung ins Ziel gekommen. Deshalb erwarte sie am Sonntag eine Zeit von unter fünf und über vier Stunden. Damit startet sie mit der dritten Welle in der Gruppe H. „ Diesmal zählt für mich weniger die Zeit, dafür kann ich dann mehr das Drumherum an der Strecke genießen“, sagt sie. „Nur Aufgeben ist keine Option.“

An diesem Donnerstag auf der Messe lässt sie sich erst einmal von der Vorfreude der anderen Läufer anstecken. Angespannt werde sie immer erst am Morgen kurz vor dem Lauf, sagt sie. Dann sei sie nicht ansprechbar. Auch zum Frühstücken würden ihr die Nerven fehlen. Meist nehme sie sich ein paar trockene Nudeln vom Vorabend in einer Box mit, die sie dann auf dem Weg zum Start verzehre. In einem Gurt wird sie ein Powergel verstauen, wie sie auf der Messe in verschiedensten Varianten angeboten werden, mit dem sie sich dann auf der Strecke einen Energieschub holen kann.

Bevor Antje Tänzer das Messegelände verlässt, verewigt sie noch ihren Namenszug und den ihrer Tochter Lea mit weißem Edding auf einer großen Wand mit der Aufschrift „it starts with you“.

Die Messe Berlin Vital an der Luckenwalder Straße 4 in Kreuzberg ist auch am Freitag von 11 bis 20 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Besucher und Läufer ist frei.

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