1:54:48 stand auf der Uhr über dem Ziel, als Innensenator Frank Henkel (CDU) sich aufmachte, das blaue Zielband zu spannen. Als die Uhr 2:02:57 anzeigte und Henkel das Band immer noch fest in seinen Händen hielt, war klar, dass es diesmal nichts würde mit einem neuen Marathon-Weltrekord der Männer in Berlin. Es ist manchmal eben auch eine Nachricht, wenn etwas nicht passiert: Zwei Mal in Folge und insgesamt drei Mal in den vergangenen vier Jahren war die Weltbestleistung in Berlin unterboten worden. Diesmal eben nicht.

Der erste, der auftauchte, war Eliud Kipchoge aus Kenia. Als er die Ziellinie überschritt, waren genau zwei Stunden und vier Minuten vergangen und er war damit gut eine Minute langsamer als der Weltrekord seines Landmanns Dennis Kimettos von 2014.

Dabei waren die Voraussetzungen beim 42. Berlin-Marathon, zu dem sich 41.224 Läufer aus 131 Nationen angemeldet hatten, optimal: Fast ideales Wetter und das eh schnelle Pflaster in der Hauptstadt. „Wir sind heute Morgen aufgewacht und konnten es gar nicht glauben“, sagte Renndirektor Mark Milde nach dem Rennen, „es war traumhaft.“ Julian Flügel, der zweitbeste deutsche Läufer (Platz 19) fasste es kurz nach dem Rennen zusammen: „Riesending, Riesenstimmung, Publikum unglaublich.“ So schnell bringt es einer auf den Punkt, der 42,195 Kilometer in den Beinen hat. Drei Plätze vor ihm war mit einer Zeit von 2:12:50 Philipp Pflieger angekommen. Für beide bedeutete das persönliche Bestleistung. Beide schafften damit aber nicht die Olympianorm für Rio 2016.

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    Kipchoges Vorsprung wuchs schnell

    Und mit den vordersten Plätzen hatten sie natürlich auch nichts zu tun. Dort hatte sich schon früh eine Spitzengruppe mit den vier Kenianern Kipchoge, Eliud Kiptanui, Emmanuel Mutai und Geoffrey Mutai sowie Feyisa Lilesa aus Äthiopien gebildet. Am Kurfürstendamm, kurz nach Kilometer 30, setzte sich dann Kipchoge ab, sein Vorsprung wuchs schnell auf 150, bald auf 200 Meter an. Spätestens drei Kilometer vor dem Ziel war klar, dass er das Rennen gewinnen würde – und das, obwohl ihm während des Rennens die Einlegesohlen aus den Schuhen rutschten. Hinter Kipchoge landeten am Ende Keptanui (2:05:21) und Lilesa (2:06:57).

    „Keine große Überraschung“, nannte Renndirektor Milde den Sieg von Kipchoge, ebenso wenig überraschte ihn, dass bei den Frauen mit Gladys Cherono ebenfalls eine Kenianerin siegte. Mit 2:19:25 lief sie ebenso wie Kipchoge persönliche Bestzeit. Hinter ihr kamen Aberu Kebede (2:20:48) und Meseret Hailu (2:24:33) aus Äthiopien ins Ziel. Als beste Deutsche lief Anna Hahner auf Platz 13. Mit 2:30:19 verpasste auch sie die vom Deutschen Leichtathletik-Verband geforderte Zeit, um in Rio an den Start gehen zu dürfen, und sie lief auch an ihrem Ziel vorbei, eine persönliche Bestleistung zu erreichen. „Auf der zweiten Hälfte hat’s mir irgendwie den Stecker gezogen“, sagte sie. Die Zuschauer hätten ihr geholfen, durchzuhalten.

    Begeistert von der Stimmung auf Berlins Straßen

    Keine Läuferin, kein Läufer, der nicht begeistert war von der Stimmung auf Berlins Straßen. Der Japaner Kota Hokinoue, der hinter dem Briten David Weir und dem Schweizer Heinz Frei Dritter bei den Rollstuhlfahrern wurde, ließ sich zu der Antwort „Berlin“ hinreißen, als er gefragt wurde, welcher Marathon schöner sei, der in Berlin oder der in Tokio? Auch Sieger Kipchoge bedankte sich fast überschwänglich: „Ich liebe die Berliner Strecke und das Berliner Publikum.“

    Er will auf jeden Fall wiederkommen – und unter 2:04 laufen. Das würde sich auch finanziell lohnen: Denn durch die Sekunde, die ihm zu einer Zeit unter 2:04 fehlte, hat er das ausgelobte Zeitbonus-Preisgeld von 15.000 Euro verpasst, erhielt aber 40.000 Euro Siegprämie und 15.000 Euro für eine Zeit unter 2:05 Stunden.