Basketball

Tibor Pleiß in der NBA zwischen Jazz und Hula hula

Der deutsche Nationalspieler trifft mit Utah in der Basketball- Profiliga auf Spieler, die er bislang nur aus dem Fernsehen kannte

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Berlin.  So ganz kann Tibor Pleiß noch nicht fassen, was er gerade erlebt. Am Mittwoch (Ortszeit) startet der deutsche Basketball-Nationalspieler mit Utah Jazz bei den Detroit Pistons in seine erste NBA-Saison. „Das ist schon unglaublich. Bereits in der Vorbereitung habe ich gegen Spieler gespielt, die ich nur aus dem Fernsehen und von Highlight-Videos kannte“, sagt Pleiß. Bei seinem ersten Einsatz traf er direkt auf Kobe Bryant und stellte fest, dass er sich nicht nur wegen der großen Namen erst an die NBA gewöhnen muss. „Das ist hier ein ganz anderer Basketball“, sagt Pleiß.

Der gebürtige Rheinländer ist der neunte deutsche Spieler, dem der Sprung in Nordamerikas Profiliga gelungen ist, und neben Dirk Nowitzki und Dennis Schröder einer von Dreien, die aktuell in der populärsten Basketball-Liga der Welt spielen.

Nach dem enttäuschenden Ausscheiden der deutschen Auswahl in der Vorrunde der Europameisterschaft in Berlin reiste Pleiß direkt nach Utah um festzustellen, dass er zwar bei seinem neuen Klub auf der gleichen Position agiert wie in der Nationalmannschaft, die Spielweise der Center zwischen der nordamerikanischen Profiliga und den europäischen Ligen aber stark variiert. „Ich habe eigentlich gedacht, nach 14 Jahren Basketball kenne ich die Regeln, aber gleich im ersten Training sind mir eingie Fehler unterlaufen.“ Zahlreiche europäische Center, die in die NBA wechselten, hatten anfangs Probleme, ihre Spielweise auf das NBA-typische Centerspiel umzustellen. Auch Pleiß wird daher seine Zeit brauchen.

Starke Konkurrenz mit Center Rudy Gobert

Bei der Generalprobe gegen die Denver Nuggets vor einer Woche spielte er nur 2:34 Minuten, leistete sich zwei Fouls und nahm sich keinen Wurf. Es ist davon auszugehen, dass er in Utah zunächst von der Bank kommen wird, denn mit Rudy Gobert hat er auf seiner Position ein aufstrebendes Talent vor sich. Der Franzose sammelte in der vergangenen Saison schon Spielpraxis in der Development League und gilt bei Coach Quin Snyder als gesetzt.

Philipp Schwethelm, der ehemalige Flügelspieler der deutschen Nationalmannschaft, ist aber überzeugt, dass Pleiß sich über kurz oder lang in der NBA etablieren wird. Von 2006 bis 2009 spielten er und Pleiß erst in der Nachwuchs-Bundesliga und dann bei den Profis der Köln 99ers zusammen. „Tibor hat für seine Größe eine sehr gute Fußarbeit, und er ist nicht nur groß, sondern hat dabei auch unglaublich lange Arme“, sagt Schwethelm. Damit ist Pleiß einerseits für die Defensivarbeit hilfreich, kann Rebounds fangen, aber auch in der Offensive Räume schaffen.

Diese Stärken sind auch den Verantwortlichen von Utah Jazz aufgefallen, die den Oklahoma City Thunder im Februar die Rechte für Pleiß abkauften. „Er kann den Ball schießen und ist ein exzellenter Vollstrecker am Ring“, sagte Uthas General Manager Dennis Lindsey. In Utah soll Pleiß Medienberichten zufolge einen Dreijahresvertrag bekommen haben, der ihm zehn Millionen Dollar einbringt.

Durch die harte Schule von Obradovic

Das Potenzial des Rheinländers, der mit der Volleyballerin Saskia Hippe vom SC Potsdam liiert ist, hat auch Sasa Obradovic früh erkannt. Der Serbe war der Coach von Pleiß bei den Köln 99ers. Er begleitete ihn von der Nachwuchs- in die deutsche Profiliga. „Am Anfang war er einfach nur ein Junge, aber man hat gesehen dass er sowohl die körperlichen Voraussetzungen als auch eine gewisse Intelligenz mitbrachte, so dass man mit ihm arbeiten konnte“, sagt der Alba-Coach, dem Pleiß viel verdankt. „Seine harte Schule war es, die mich dahingebracht hat, wo ich jetzt bin“, sagt Pleiß.

Der Strebsamste im Training war Pleiß zu dieser Zeit aber noch nicht. „Er hatte während der Schulzeit manchmal andere Prioritäten und musste ab und an zum Training angeschoben werden“, sagt Schwethelm. Von einem auf den anderen Tag habe sich die Einstellung dann aber verändert. „Irgendwann ist ihm, glaube ich, bewusst geworden, was er für eine Chance hat“, sagt Schwethelm.

Nach der Insolvenz der Kölner wechselte Pleiß 2009 nach Bamberg und gewann dort 2010 Meisterschaft, Pokal und den Titel „Rookie of the Year“. Danach meldete er sich für den NBA-Draft an und wurde als 31. von den New Jersey Nets ausgewählt, die die Rechte direkt an die Oklahoma City Thunder weiterreichten.

In Barcelona wäre die Karriere beinahe stagniert

Pleiß blieb aber zunächst in Bamberg wo er noch zwei weitere Male Pokal und Meisterschaft gewann, bevor er 2012 zu Caja Laboral in die spanische Liga wechselte. In der stärkten Liga Europas machte er den nächsten Schritt und schloss sich vergangene Saison dem FC Barcelona an. Hinter Starter Ante Tomic hatte er dort keine Perspektive, doch dann ging plötzlich der Traum von der NBA in Erfüllung.

Schwethelm ist froh, dass sein Kumpel in Utah gelandet ist und nicht bei den Oklahoma City Thunder, die mit Russell Westbrook und dem wiedergenesenen Kevin Durant Ambitionen auf die Meisterschaft hegen. Dort hätte Pleiß als Neuling noch weniger Chancen auf Einsatzzeiten gehabt. „Utah hat eine familiärere Atmosphäre, das kommt eher Bamberg nah“, glaubt Schwethelm.

Auch Pleiß fühlt sich wohl, er hat sich in Milcreek eine Wohnung ausgesucht, wobei es ihm bei der Wahl hauptsächlich darauf ankam, dass er sich nicht den Kopf an den Türrahmen anstößt. Utah Jazz hat viele junge Spieler akquiriert, deshalb wird nicht nur Pleiß mit peinlichen Aufgaben gequält, die sich die etablierten Spieler traditionell für die Neulinge ausdenken.

Die Aufgaben für die Rookies sind überschaubar

Auf Hawaii führte er vor seinem ersten Testspiel gegen die Los Angeles Lakers mit den anderen Rookies einen Hula-Tanz auf. „Und wenn einer Geburtstag hat, müssen wir Neuen ihm ein Ständchen singen, das hält sich aber echt in Grenzen“, sagt Pleiß.

Er wird ohnehin eher geschont, weil er mit 25 Jahren zu den älteren Spielern im Team gehört. „Alle versuchen mir zu helfen. Mal zieht einer an meinem Trikot, um mir zu zeigen, wo ich mich am besten positionieren sollte“, sagt Pleiß. Sein Trainingseifer ist ein anderer geworden. „Meine Coaches sind zufrieden, dass ich so hart trainiere. Aber sie erklären mir auch, dass es ein langer Prozess ist“, sagt Pleiß. Die Umstellung wird Zeit brauchen, auch weil Pleiß anders als andere europäische Spieler relativ spät in die NBA gewechselt ist. Deshalb möchte er sich für die Saison auch noch keine Ziele setzen. „Ich will mir keinen zusätzlichen Druck machen“, sagt er.