Am 15. Oktober beginnen die Volleyball-Frauen ihre neue Bundesliga-Saison. Nationalspielerin Saskia Hippe, 24, die beim Köpenicker SC mit dem Volleyball begann, ist in die Region zurückgekehrt. Die 1,86 Meter große Angreiferin schlägt nun für den SC Potsdam auf.

Berliner Morgenpost: Sie sind im Sommer zum SC Potsdam gewechselt. Mit Ihren bisherigen Klubs haben Sie fast immer um die Meisterschaft mitgespielt. Ist das auch in Potsdam möglich?

Saskia Hippe: Ich tue mich immer schwer mit solchen Prognosen, aber ich denke, wir haben das Potenzial, um weit vorn zu landen. Potsdam hat sich über die Jahre einen Namen in der Liga gemacht, das zeigen auch die Neuverpflichtungen dieser Saison. Mit Wiebke Silge und mir hat der Klub jetzt zwei deutsche Nationalspielerinnen im Kader. Wir sind auf jeder Position stark besetzt. Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir sehr weit kommen.

Beim Vorbereitungsturnier in Dippoldiswalde mit sechs Bundesligateams wurde Potsdam kürzlich allerdings nur Letzter.

Da haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert, bei uns haben aber auch noch drei Spielerinnen gefehlt, weil sie bei ihrer Nationalmannschaft waren. Der amtierende Meister aus Dresden wurde bei dem Turnier übrigens auch nur Vorletzter, weil sie ebenfalls noch nicht in Bestbesetzung angetreten sind. Man darf die Ergebnisse in der Vorbereitung nicht überbewerten. In einer Woche kann alles schon anders aussehen.

„Es fühlt sich gut an, wieder zuhause zu sein“

Warum genau sind Sie nach Potsdam gewechselt?

Vor allem wegen Alberto Salomoni. Ich halte ihn zusammen mit Ex-Bundestrainer Giovanni Guidetti für den besten Trainer in Deutschland. Vor acht Jahren habe ich beim Köpenicker SC schon einmal mit ihm zusammengearbeitet. Damals war Sandra Sydlik eine meiner Teamkolleginnen, jetzt spiele ich mit ihrer Schwester Luisa zusammen. Es fühlt sich gut an, wieder zu Hause zu sein.

Saskia Hippe vor dem Aufschlag während der Europameisterschaften 2013
Saskia Hippe vor dem Aufschlag während der Europameisterschaften 2013 © picture alliance / dpa | Soeren Stache

Warum hat Ihr früherer Verein Köpenicker SC nicht auch eine solche Entwicklung genommen wie der SC Potsdam? Noch vor ein paar Jahren waren beide Klubs auf Augenhöhe.

Der KSC war schon immer ein Familienverein. Im Jahr 2005, als der Klub erstmals in die Bundesliga aufgestiegen ist, war mein Papa im Vorstand. Leider hat man es danach nie wirklich geschafft, das Team ums Team professioneller aufzustellen. Die Leute dort machen ihre Sache mit Herzblut, aber es fehlt zum Teil die Erfahrung, wie es im Profisport abläuft. Aber wenn einer alles macht, dann kümmert er sich am Ende um nichts so richtig. In Potsdam ist alles sehr professionell aufgebaut, es gibt eine klare Aufgabenverteilung.

„Ich will immer wissen, wie Köpenick gespielt hat“

Haben Sie noch Kontakte zum KSC?

Mein Vater ist immer noch einer der Trommler beim KSC. Ich erkunde mich nach Spielen immer als erstes, wie Köpenick gespielt hat. Im aktuellen Kader stehen mit Jessica Göppner und Pia Riedel zwei Spielerinnen, mit denen ich damals angefangen habe. Wir sind immer noch gut befreundet. Pia und ich sind sogar nächstes Jahr Brautjunger bei der Hochzeit von Mitspielerin Patricia Grohmann und besorgen zusammen das Hochzeitskleid. Wenn auch vielleicht nicht gerade in der Woche vor dem Derby.

Ihren Kreuzbandriss im November 2013 zogen Sie sich ausgerechnet beim Gastspiel in Köpenick zu.

Das war sehr ärgerlich, ja. Viele waren extra gekommen, um mich mal wieder spielen zu sehen.

Sie waren damals gerade frisch nach Schwerin gewechselt. Nach der Verletzung haben Sie dort keinen Anschluss mehr gefunden.

Ich bin mir sicher, dass ich mich dort behauptet hätte, wenn die Verletzung nicht dazwischengekommen wäre. Als ich gerade wieder auf dem Weg zurück war, hat der Verein für meine Position die Niederländerin Lonneke Sloetjes verpflichtet. Das war damals natürlich enttäuschend, heute verstehe ich aber, dass der Verein tun muss, was das Beste für alle ist.

„Der Bundestrainer weiß, dass ich immer bereit bin“

Auch bei der gerade zu Ende gegangenen Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden waren Sie außen vor, nachdem Sie im Juni bei den Europaspielen in Baku (Aserbaidschan) noch Teil des Teams waren. Warum wurden Sie für die EM nicht mehr berücksichtigt?

In Baku wurde ich als Außenangreiferin eingesetzt, aber auf dieser Position ist mittlerweile Heike Beier zurückgekehrt. Bei den Diagonalspielern hat der neue Bundestrainer Luciano Pedullá auf Margareta Kozuch und Lena Stigrot gesetzt. Ich hatte deshalb schon eine Vorahnung, dass ich zu Hause bleiben muss. Im Januar geht es weiter mit der Olympia-Qualifikation, und der Bundestrainer weiß, dass ich immer bereit bin.

Und so sieht Saskia Hippe in Action aus: beim World Grand Prix in Stuttgart 2015
Und so sieht Saskia Hippe in Action aus: beim World Grand Prix in Stuttgart 2015 © picture alliance / nordphoto | nph / Kurth

Sie haben die Zeit unter anderem dazu genutzt, die Basketball-EM in Berlin zu verfolgen.

Tibor Pleiß, der Center der deutschen Nationalmannschaft, ist mein Freund. Die EM war eine der letzten Gelegenheiten, ihn zu treffen, bevor er in die USA fliegt, um dort bei den Utah Jazz in der NBA zu spielen. Für eine Partie bekam ich vom SC Potsdam sogar extra frei, um ihn zu sehen. Die anderen sind schon vorgefahren ins Trainingslager, ich kam hinterher.

„Soll ich um vier Uhr nachts eine SMS schreiben, dass ich woanders schlafe?“

Im Januar 2015 hatten Sie Ärger mit der Nationalen Antidopingagentur Nada. Sportler müssen dort Zeiten und Orte angeben, wann und wo sie für Dopingkontrollen anzutreffen sind. Weil sie das nicht waren, bekamen sie von der Nada einen „Missed Test“, obwohl die Kontrolleurin Sie kurz darauf an einem anderen Ort angetroffen hatte. Wenig später ruderte die Agentur zurück – es liege nun doch kein Meldepflicht- oder Kontrollversäumnis vor. Hat sich die Angelegenheit mittlerweile aufgeklärt?

Ja. Ich habe mehrere Entschuldigungsschreiben von der Nada bekommen. An der grundsätzlichen Situation hat sich aber nichts geändert. Ich könnte deshalb jedes Mal wieder an die Decke gehen, wenn ich daran denke. Ich finde es eine Farce, dass wir für Monate im Voraus melden müssen, wo wir uns aufhalten, wo ich doch manchmal nicht weiß, wie wir am nächsten Tag trainieren. Zwar kann man die Angaben jederzeit korrigieren, aber man stelle sich mal vor: Da geht man als junges Mädel abends feiern und schläft vielleicht nicht zu Hause – dann muss man um vier Uhr nachts eine SMS an die Nada schreiben mit dem neuen Aufenthaltsort. Wenn man es nicht tut, steht der Kontrolleur vielleicht am nächsten Tag vor der Tür, und Du kriegst einen „Missed Test“. Einer mehr, und deine Karriere kommt in Gefahr (weil eine Sperre droht, d.Red.). Ich halte das auch noch aus einem anderen Grund für problematisch. Was, wenn die Daten in die falschen Hände geraten? Wir tragen dort alles ein. Wenn das gehackt wird, wissen die Täter über unser gesamtes Leben Bescheid.