Als bei Natalie Augsburg zu Beginn dieses Jahres die Erkenntnis reifte, dass 15 Jahre Leistungssport genug sind, wandte sie sich an den Olympiastützpunkt Berlin. Der OSP ist ja nicht nur für die körperliche Rundumbetreuung seiner Athleten zuständig – er versucht auch zu helfen, Sport und berufliche Karriere in Einklang zu bringen. Also bat die Handball-Nationalspielerin der Spreefüxxe Berlin Andreas Hülsen um Rat, einen der Laufbahnberater des OSP.

Arbeitsplatz in der Fitnessbranche

Sie hatte zwar neben dem Sport ein Studium in Wirtschaftspädagogik absolviert. „Aber ich wusste nicht, wohin“, sagt die 31-Jährige. Hülsen wusste das auch nicht auf Anhieb, aber er vermittelte ein Treffen mit Anke Hoffmann von der Deininger Gruppe, einer Unternehmensberatung.

„Wir führten ein langes Gespräch über meine Stärken, Schwächen und Interessen“, sagt Augsburg. Vor allem lernte sie, wie man sich selbst vermarktet, etwa eine Bewerbung schreibt, in der man seine sportliche Karriere als Pluspunkt einbringt. Jetzt hat sie einen Job bei einem Start-up-Unternehmen in der Fitnessbranche gefunden und sagt: „Ich bin so glücklich dort, dass ich nicht mehr weg will.“

Unternehmen haben riesiges Netzwerk

Ihr Glücksgefühl ist eines der ersten erfreulichen Ergebnisse einer neuen Zusammenarbeit zwischen Olympiastützpunkt und Unternehmen aus der Hauptstadt. Initiiert vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) profitieren Sportler vom riesigen Netzwerk der Kooperationspartner KPMG, Deininger und Egon Zehnder. Genannt wird die Aktion treffend: Startblock. Den Top-Sportlern soll einerseits der Übergang in den Beruf erleichtert werden. Andererseits sollen jedoch auch Firmen bei ihrem Urteil für die besondere Vita der Athleten sensibilisiert werden.

Sportlerkarriere: Bis vor Kurzem War Natalie Augsburg noch mit den Spreefüxxen unterwegs, Foto: Eibner/Hundt
Sportlerkarriere: Bis vor Kurzem War Natalie Augsburg noch mit den Spreefüxxen unterwegs, Foto: Eibner/Hundt© picture alliance / Eibner-Presse | Eibner-Pressefoto

Manche Bewerbung würde nämlich allzu leicht auf dem Stapel der uninteressanten Kandidaten landen. Die Aspiranten sind ja oft nicht mehr die Jüngsten und haben damit etwa gegenüber einem 24-Jährigen mit abgeschlossenem Studium, Auslands-Praktika und fast fertiger Doktorarbeit Nachteile – scheinbar.

„Du bist ja so zielstrebig“

Denn wenn die Unternehmen erfahren, dass da Menschen einen Job suchen, die sich jahrelang ohne hohe Ansprüche alles abverlangt haben, um einmal bei Olympischen Spielen oder einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, kann dies die Beurteilung manchmal verändern. Erst recht nach ersten Erfahrungen mit den Sportlern.

So berichtet Monique Angermüller, Olympia-Teilnehmerin 2010 in Vancouver, lächelnd von dem Feedback, das sie als Praktikantin bei der BSR bekam: „Du bist ja so zielstrebig!“ Hundertprozentige Konzentration auf eine Aufgabe, Disziplin, soziale Kompetenz – „es ist schön für Sportler zu sehen, etwas gelernt zu haben, was wir oft normalen Menschen voraushaben“, sagt sie.

Die ehemalige Eisschnellläuferin zählt neben Augsburg, den Wasserballern Moritz Oeler, Christian Schlanstedt, Hockeyspielerin Lena Jacobi, Leichtathlet Carsten Schlangen, Katrin Mattscherodt, Samuel Schwarz (beide Eisschnelllauf), Nina Kamenik (Eishockey) und Robert Dumke (Judo) zu den ersten Teilnehmern des für sie kostenlosen Programms Startblock.

Gewinn für beide Seiten

„Einen fundamentalen Gewinn für jeden Spitzensportler“ nennt Schwarz die Kooperation, OSP-Leiter Harry Bähr spricht von einem Glücksfall. Mit den Eliteschulen, den Partner-Unis und den Laufbahnberatern wurde schon einiges für die Zukunftsgestaltung getan. „Aber lange Zeit schwer fiel der Einstieg in den Beruf“, sagt Bähr. Zudem bekomme der Sport nicht das Gefühl vermittelt, „dass uns ein Gefallen getan wird“. Denn die Kooperation ist eine typische Win-Win-Situation. Die Unternehmen bekommen Mitarbeiter, die hohe Belastungen gewohnt sind. Die Sportler erhalten eine soziale Absicherung, die ihnen als Athleten oft gefehlt hat.