Zum Auftakt der heißen Phase in der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL hat der Berliner Björn Werner einen großen Erfolg verzeichnet. Der Defensivspezialist gewann am Sonntagabend in der Viertelfinal-Qualifikation mit seinen Indianapolis Colts gegen die Cincinatti Bengals mit 26:10.

Er ist einer von zwei deutschen Spielern bei den insgesamt zwölf Teams, die sich für das Play-off qualifiziert haben. Der Düsseldorfer Offensive Lineman Sebastian Vollmer, 30, von den New England Patriots ist der erfahrenere der beiden. Die Patriots mit Quarterback Tom Brady zählen zu den vier favorisierten Teams und durften sich mit einem Freilos in der ersten, sogenannten Wildcard-Play-off-Runde entspannt zurücklehnen.

Einer der besten College-Nachwuchsspieler

Vor 67.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Indianapolis wurde für Werner ein Traum wahr: „For the Indianapolis Colts, Number 92, Bjorn Wörnör“. Die Fans haben ihn in ihr Herz geschlossen. Der gebürtige Berliner, in Reinickendorf aufgewachsen, ist in seiner zweiten Saison zu einem festen Bestandteil der Colts-Verteidigung gereift. Als erster Deutscher überhaupt wurde er 2013 beim Auswahlverfahren der besten College-Nachwuchsspieler in der ersten Draft-Runde ausgewählt, an 24. Stelle – was Ehre und Bürde zugleich ist.

Von einem solchen Erstrundenpick wird erwartet, dass er sofort mit Leistung einschlägt und als entscheidendes Puzzleteil einer Mannschaft eine Führungsrolle übernimmt. So wie beispielsweise Quarterback Andrew Luck, 25, der im Jahr zuvor an Platz eins ausgewählt worden war und als Spielmacher die Colts nach einem schwachen Jahr direkt in die Play-off-Runde führte.

„Ich habe das Privileg, zwei Jahre in der Liga zu sein und beide Male in den Play-offs zu spielen. Es ist großartig“, sagte Werner, der es zu schätzen weiß, bei den Colts ein beinah perfektes Team um sich zu haben. Vielen Spielern bleibt in ihrer Karriere die Teilnahme am Play-off verwehrt. Vor allem als junger Profi gehört auch ein Quäntchen Glück dazu, beim richtigen Team mit den richtigen Leuten zu landen.

Ein hilfreicher Achillessehnenriss

Im Sommer 2014 führte eine Wendung des Schicksals dazu, dass Werner für die Colts unverzichtbar wurde. Defense-Kapitän Robert Mathis, der auf der gleichen Position wie Werner spielte und als Mentor für den jungen Deutschen fungierte, erlitt in der Saisonvorbereitung einen Achillessehnenriss – das Saisonaus für ihn. Von nun an waren die Colts gezwungenermaßen auf Werner in der Startaufstellung angewiesen. Ab diesem Zeitpunkt hatte der weitere Werdegang von Werner allerdings nichts mehr mit Glück zu tun.

Werner arbeitete in der spielfreien Zeit hart an sich. „Wenn Du etwas erreichen willst, musst du selbst dein größter Kritiker sein“, lautet seine Devise. Colts-Cheftrainer Chuck Pagano zeigte sich vor Saisonbeginn im Trainingscamp beeindruckt von der Entwicklung des Berliners: „Er macht einen großen Sprung vorwärts. Was die Terminologie betrifft, die Spielzüge, er muss nicht mehr nachdenken. Er spielt einfach unglaublich schnell.“

Nach einem durchwachsenen Rookiejahr – auf einigen Internet-Seiten war schon von „Bust“, also Flop, zu lesen – ging Werner mit neuem Look in die Saison 2014. Laut Onomastik stammt der Vorname Björn aus dem Skandinavischen und bedeutet „der Bär“. Ähnlich Furcht einflößend wirkte es, als sich Björn Werner im Sommer mit seinen 1,93 Metern, 116 Kilogramm und auswucherndem Vollbart beim Heimatbesuch in Berlin präsentierte.

Im ersten Spiel gab es ein 27:0

Während der 16 Spiele umfassenden regulären Saison hatte „der Bär“ auf einige namhafte NFL-Spielmacher Jagd gemacht und auch vier davon erlegt – ein so genannter Quarterback Sack. Eines seiner Opfer hieß Andy Dalton von den Cincinnati Bengals, auf die die Colts nun am Sonntag trafen.

In der ersten Saisonhälfte führte Indianapolis diesen Gegner aus dem Nachbarstaat Ohio mit 27:0 regelrecht vor. Für die Colts war es der erste Zu-Null-Sieg seit sechs Jahren. Doch Werner warnte vor dem Spiel davor, diesen vermeintlich leichten Wildcard-Gegner zu unterschätzen: „Die Bengals werden nicht das gleiche Team sein wie in Woche sieben. Es wird eine super Herausforderung. Alle Teams, die in den Playoffs sind, haben eine Chance, die Trophy (Vince-Lombardi-Trophy, der Siegerpokal im Super Bowl, Anm.d.Red.) zu holen.“

Als Viertplatzierter in ihrer Tableauhälfte müssen die Colts nach ihrem Sieg nun sämtliche weitere Partien auswärts bestreiten. Ein Aufeinandertreffen mit Vollmers Patriots wäre in einer der beiden nächsten Runden sehr wahrscheinlich. Das Endspiel wird am 1. Februar in Phoenix, Arizona, ausgetragen. Klar, dass Werner dort hinwill.