American Football

Björn Werner feiert Wiedersehen mit der eigenen Kindheit

In den USA ist Björn Werner zum Star geworden. Der Berliner spielt in der NFL für die Indianapolis Colts. Jetzt kehrt er zu seinen Ursprüngen zurück. Und macht Kindern Mut, ihm nachzueifern.

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Es hat auch Vorteile, Star in einer Randsportart zu sein. Björn Werner kann in Berlin fast überall herumlaufen, ohne erkannt zu werden. Nicht einmal sein blaues Shirt mit dem Hufeisen drauf, das in den USA so ein Erkennungsmerkmal ist wie in Deutschland ein Trikot des FC Bayern München, macht ihn verdächtig. Allenfalls wird er angestaunt, weil er nun mal ein außergewöhnliches Kraftpaket ist. Der 23-Jährige genießt diese Anonymität, wenn er mal für eine Woche in seiner alten Heimat ist.

Doch das Gewusel im Stade Napoleon genießt er auch. Hier ist er sehr wohl ein Star. Der Star sogar. Vor allem ist er hier zu Hause. „Da kommen die ganzen Erinnerungen hoch“, sagt er. Björn Werner hat hier genauso bei den Berlin Adlern mit dem American Football angefangen wie die Jungs, die jetzt zu ihm aufblicken, ein Autogramm von ihm wünschen und stolz wie Bolle sind, an seiner Hand aufs Spielfeld zu laufen.

Nicht deshalb, weil er einen Vertrag über acht Millionen Dollar für vier Jahre bei den Indianapolis Colts unterschrieben hat, das mit dem Geld ist für sie noch nicht so ein Thema. Aber dass dieser bärenstarke Kerl mit dem Rauschebart in der NFL spielt, in der National Football League, das wissen sie alle. Und obwohl die meisten vermutlich nicht glauben, dass ihnen das auch gelingen wird: Träumen darf man.

Träume können eben doch in Erfüllung gehen

Björn Werner ist das lebende Beispiel dafür, dass Träume in Erfüllung gehen können. Mit zwölf Jahren Flag-Football bei den Adlern, mit 14 ins Jugendteam. Ein Spieler, der überall auffällt. „Du solltest nach Amerika und an die Highschool gehen“, sagt sein Trainer Jörg Hofmann. Der Junge macht es tatsächlich, obwohl er nicht mal vernünftig englisch kann. „Meine Familie hat gefragt: Was willst du da? Ich hab geantwortet: Wartet mal. Ich sag Bescheid, wenn es so weit ist.“

Das Englisch wird schnell besser, wie sein Football-Spiel. Nach der Highschool stehen die Colleges Schlange. Werner entscheidet sich für Florida State. Nach drei Jahren will die halbe NFL den „German“ haben, der die Quarterbacks der Gegner umlegt, das es eine Freude ist. Außer für die Quarterbacks der Gegner. Indianapolis Colts wählt ihn beim Draft aus, der alljährlichen Ziehung der größten Talente. Sieben Jahre weg, Ziel erreicht, so schnell es ging. Ein Märchen im Zeitraffer. Björn Werner sagt: „Ich lebe meinen American Dream.“

Mitspieler machen auch schlechte Erfahrungen mit Geld

Seine Wurzeln, seine Herkunft, Familie, Freunde, das alles hat er trotzdem nicht vergessen. Seine Kumpels im Wedding, die mit ihm immer über alte Zeiten quatschen wollen. „Wenn ich da bin, kommt nicht der Björn Werner mit dem Geld. Ich bin stolz auf meine Familie und Freunde.“ Er kennt Mitspieler, die andere Erfahrungen machen, weil sie plötzlich reich sind und jedem helfen sollen. Das führt zu Familienstress. Zerbrochenen Freundschaften. Das bleibt ihm erspart.

In den USA erzählt er seinen staunenden Teamkollegen manchmal, dass in Deutschland die Leute Football spielen, nur weil sie Spaß daran haben. Zu verdienen gibt es da nichts. Und dass es trotzdem aufwärts geht mit der Sportart. Vor Kurzem ist die deutsche Nationalmannschaft wieder Europameister geworden, beim Finale gegen Österreich schauten 27.000 Menschen im Stadion zu. „Es wird größer“, freut sich Werner, „es ist noch ein kleiner Randsport. Wir versuchen mal, daraus einen großen Randsport zu machen.“ Wenn er spricht, klingt der Amerikaner durch, sieben Jahre in Übersee haben Lücken in seinen Wortschatz gerissen. Aber er strahlt und lächelt die ganze Zeit. Der perfekte Botschafter.

Nummer 49 wird bei den Adlern nicht mehr vergeben

„Wir wollen helfen, American Football in Deutschland anzuschieben“, sagt er. Und meint sich, Sebastian Vollmer aus Düsseldorf (New England Patriots) und Markus Kuhn aus Weinheim (New York Giants). „Wir haben alle hier angefangen.“ Deshalb statten die anderen so wie Werner bei ihren Heimatbesuchen ihren Vereinen Besuche ab. „Dann versuchen mehr Kinder, es in Amerika zu schaffen“, hofft er.

Aber nur professionell geht er mit seiner Aufgabe nicht um. Es ist nicht nur für die Kinder aufregend, sondern auch für ihn emotional. Die Berlin Adler werden sein Jugend-Trikot mit der Nummer 49 niemals mehr vergeben – eine Ehre für den bekanntesten Spross des Vereins. Werner ist gerührt. Drei Jugendteams spielen an diesem Tag im Stade Napoleon, er macht den Münzwurf, bevor die A-Jugend den Spandau Bulldogs eine 10:21-Niederlage mit auf die Heimreise gibt.

Ziel ist der Sieg im Superbowl

Der NFL-Star, der in Indianapolis ständig („sogar mit Helm“) von Fans erkannt wird, fühlt sich wohl. „Es ist schön, die kleinen Kinder zu sehen, wo du selbst mal angefangen hast. Das ist auch ein schöner Kontrast zur NFL.“ Am Montag beginnt das erste Trainingscamp der Colts, dann muss er zurück sein. Vorher wird er noch seinem Jugend-Coach Jörg Hofmann, der ihm quasi den Anstoß gegeben hat, ein Star zu werden, einen Besuch abstatten.

Der ist inzwischen Trainer in Jena, Werner wird auch dort ein „Meet & greet“ abhalten, so nennen das die Amerikaner. Vermutlich wird er sein Versprechen erneuern, dass er schon den Jungs in Berlin gegeben hat: „Nächstes Jahr komme ich mit dem Superbowl-Ring wieder.“ Wieso er glaubt, dass er das schaffen wird? „Wenn du nicht dran glaubst, wird es nie passieren.“ Gut möglich, dass sich beim nächsten Training die Adler-Kids noch ein bisschen mehr Mühe gegeben haben als sonst. Träumen darf man.