Eisschnelllauf

Hilfe von außen für den kriselnden Verband

Mit Bahnrad-Olympiasieger Robert Bartko als Sportdirektor soll es bei der DESG nicht mehr so weitergehen wie früher. Der Berliner will die Strukturen erneuern und den Nachwuchs intensiver fördern.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Manchmal verändern sich die Dinge ziemlich rasant. Als ein Verband im Krisenmodus schlitterte die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) in den Weltcup von Berlin hinein. Heraus kam sie mit einem völlig überraschenden Doppelsieg bei den Männern, einem Erlebnis, dass es fast ein Vierteljahrhundert nicht gegeben hatte. Heraus kam die DESG mit neuem Mut, mit so etwas wie Aufbruchsstimmung. „Das Eisschnelllaufen ist noch lange nicht tot in Deutschland“, sagt der Berliner Samuel Schwarz, der über 1000 Meter auf Platz zwei hinter Nico Ihle (Chemnitz) gelaufen war.

Glückliche Momente wie diese ändern nicht viel an der Situation, aber sie machen den Neuanfang leichter. „Reformbedarf besteht weiter. Und wir setzen da Hoffnungen auf den neuen Sportdirektor Robert Bartko“, erzählt Schwarz. Abgerechnet wird am Ende in WM-Plaketten und Olympia-Medaillen, da blieb die DESG alles schuldig in der Vorsaison. Deshalb wurden Weichen gestellt und Bartko inthronisiert. Ein überraschender Zug, den der Verband vergangene Woche präsentierte, denn der 38-Jährige kommt nicht aus dem Eisschnelllauf.

Und das ist auch gut so. „Ich finde es klasse, dass jemand von außen kommt, der aus früherer Zeit niemandem verpflichtet ist. Das ist keine Wischi-waschi-Lösung innerhalb der DESG“, sagt Schwarz: „Ich glaube, dass er was bewegen kann.“ Alle Sportler reagierten positiv auf den zweimaligen Bahnrad-Olympiasieger aus Berlin. Der nutzte sein erstes Wochenende im Amt beim Heimweltcup für viele kleine Gespräche. Sein Eindruck: „Die Athleten sind froh, dass sie überhaupt wieder jemand ansprechen können. Ich weiß jetzt, was sie wollen.“ Vorgänger Günter Schumacher war für die Sportler kaum greifbar, an seiner Person wurden verpasste Entwicklungen des Verbandes zuletzt festgemacht. Von allen Seiten, auch vom Dachverband des deutschen Sports, dem DOSB.

Erst Anfang des Jahres hatte Bartko seine Rad-Karriere beendet und übernahm beim Landessportbund Berlin ehrenamtlich die Funktion des Vizepräsidenten. Schon als Athlet hatte er sich mit den Sportstrukturen beschäftigt, Sportmanagement studiert. „Ich glaube, dass Erfahrung auf dem Eis nicht notwendig ist“, sagt Bartko. Verbandspräsident Gerd Heinze sieht in seiner Unvoreingenommenheit einen Vorteil: „Wir brauchen jemanden, der eine andere Weitsicht mitbringt. Er bringt Dinge auf den Punkt.“ Durchsetzungsfähig und mit klarer Linie, so sieht sich Bartko, der einen unbefristeten Vertrag erhalten hat.

Erst einmal alles kennenlernen

Trotz des unerwartet guten Saisonstarts mit fünf Podestplatzierungen und zwei Siegen bei den ersten drei Weltcups ist Bartko als Krisenmanager gefragt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die eigentlichen Probleme da drunter liegen, in der Nachwuchsgewinnung, in der Nachwuchsarbeit, in den Rahmenbedingungen an den Standorten eventuell. Noch habe ich sie nicht gesehen.“ Der Berliner will nun alles kennenlernen, Athleten, Trainer, Sportstätten. Ihm geht es darum, den Verband strukturell auf eine konkurrenzfähige Ebene zu bringen.

Dazu zählen auch Personalentscheidungen, zwei Bundestrainer werden gesucht, der Vertrag des Chef-Bundestrainers läuft aus. Erst einmal belässt Bartko da alles beim Alten. „Mit Abschluss der Saison werden wir uns konkret mit der Umsetzung der Veränderungen befassen. Wir wollen das Eisschnelllaufen wieder so erfolgreich machen, wie es war. Dazu können wir nicht in dem alten Stil weitermachen.“