Eisschnelllauf

Historischer Doppelerfolg für die deutschen Männer

Nico Ihle und Samuel Schwarz laufen beim Weltcuprennen in Berlin über 1000 Meter auf Rang eins uns zwei. Das hat es seit 24 Jahren nicht gegeben. Für den gebeutelten Verband ist das sehr wohltuend.

Foto: Dennis Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Er streckte die Faust immer wieder nach oben, zwischendurch klatschte Nico Ihle auf der Ehrenrunde alle Hände ab, die ihm entgegengestreckt wurden. In den Augen war aber immer noch Fassungslosigkeit zu erkennen. Und die gab er dann später auch zu. „Es ist der Wahnsinn. Ich kann es kaum glauben, dass ich wirklich der Schnellste war“, erzählte der Chemnitzer. Zum ersten Mal in seiner Karriere hatte der Eisschnellläufer ein Weltcuprennen gewonnen.

Doppelt schön, dass es in Berlin war, wo Ihle meist trainiert. Noch mal so schön, weil auf dem zweiten Platz über die 1000 Meter sein Teamkollege und Trainingspartner Samuel Schwarz aus Berlin landete. Einmal überhaupt erst hatte es einen deutschen Doppelerfolg bei den Männern gegeben, 1990 war das, ebenfalls über 1000 Meter durch die beiden Berliner Olympiasieger Uwe-Jens Mey und Olaf Zinke.

Bei Olympia im Februar hatten beide mit den Plätzen vier und fünf für Aufsehen gesorgt. Diesmal setzte Ihle, 29, in 1:09,49 Minuten die Bestmarke im sechsten Paar, mit vier Hundertstelsekunden Rückstand kam Schwarz, 31, wenig später in Ziel und verfehlte Ihles Zeit wegen eines winzigen Wacklers. „Sie haben Geschichte geschrieben“, hallte es durch die Lautsprecher im Sportforum Hohenschönhausen. Im Tunnel zwischen Eisfläche und Zuschauerbereich brach es dann aus den beiden heraus. „Ja, geil, unglaublich. Wir sind 1 und 2. Die Besten. Mehr geht nicht. Das ist das Maximum“, riefen sie sich die Sieger zu.

Schwarz weiß, wie sich das Gewinnen anfühlt, er stand schon zweimal über 1000 Meter ganz oben auf dem Podest. Zum Saisonstart lief er in Japan auf Platz drei. Eigentlich hatte er dort gar nicht hinfahren wollen, weil er zuvor mit einer Verletzung zu tun hatte. Dass er es doch tun konnte, lag mit an seiner Trainingsgruppe. „Mit Nico habe ich dort die absolute Weltspitze und muss mich voll fordern“, sagte Schwarz, der das gemeinsame Training als Grundlage des Erfolgs betrachtet: „Das bringt uns gewaltig voran. Wir motivieren uns gegenseitig. Und wenn ich sehe, Nico ist gut drauf, dann weiß ich: Jetzt kann auch ich mithalten.“

Training mit den Bahnrad-Sprintern

Manchmal trainiert Ihle, dessen ältere Bruder Denny, 29, ebenfalls zur Gruppe gehört, auch allein in Chemnitz. Dort veränderte er in diesem Sommer etwas. „Ich habe viel gemeinsam mit den Bahnradsprintern trainiert, ich wollte das mal probieren“, sagte er. Vielleicht gab das den entscheidenden Kick für das sympathische Muskelpaket aus Sachsen.

Für den zuletzt nicht vom Erfolg verwöhnten und im Umbruch befindlichen deutschen Verband, der bei Olympia leer ausgegangen war, war dieses Berliner Resultat sehr wohltuend. „Das einzige, was heute noch nicht gepasst hat, war, dass es kein WM- oder Olympia-Rennen war“, scherzte Teamchef Helge Jasch. Im Rausch des Sieges legte Ihle da gleich mal vor. „Keine Frage, jetzt ist die WM-Medaille mein Ziel“, sagte der Chemnitzer, der sich auf den 500 Metern ebenso wohl fühlt, selbstbewusst. So schlecht stehen die Chancen offenbar gar nicht.